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Finanzplanung für jedermann : So gelingt die Geldanlage

Bild: Kircher Burkhard

Viele Menschen fühlen sich im Umgang mit Geld unsicher. Finanzplanung ist jedoch keine Zauberei. Wie ein vernünftiger Umgang mit Geld aussieht und sich Fehler vermeiden lassen, zeigt eine neue F.A.Z.-Serie.

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          Viele Menschen fühlen sich unsicher im Umgang mit Geld. Das belegen viele Umfragen. Beklagt wird unter anderem die Komplexität vieler Finanzthemen und das daraus entstehende Gefühl, sich in einem Gespräch mit einem Berater von vornherein in der Situation eines Unterlegenen zu befinden.

          Auch wenn daran viel Richtiges ist, lässt sich der Umgang mit Geld lernen. Wie ein vernünftiger Umgang mit Geld und eine zuverlässige Planung der eigenen Finanzen aussehen kann, zeigt eine im Finanzmarkt der F.A.Z. beginnende und im Wochenrhythmus erscheinende Serie mit dem Titel „Finanzplanung für jedermann“ (Teil1: Eine Familie fordert gemeinsame Finanzplanung). Sie stellt acht „Mustermenschen“ in typischen Lebenssituationen vor und analysiert deren finanzielle Bedürfnisse. In der Serie wird der junge Single am Beginn der Berufslaufbahn ebenso behandelt wie traditionelle Familien und Patchworkfamilien sowie Menschen jenseits der Sechzig.

          Eine Reihe typischer Fehler

          Auch wenn sich die finanziellen Bedürfnisse der Menschen abhängig von Alter und Lebensweg im einzelnen recht deutlich unterscheiden, lassen sich doch eine Reihe typischer Fehler erkennen, die Menschen in nahezu jedem Alter unterlaufen und deren Korrektur eine sinnvolle Finanzplanung ohne erheblichen Aufwand erleichtert.

          Ein erster, nicht nur unter jungen Menschen verbreiteter Fehler besteht in einem zu nachlässigen Umgang mit Geld. Ein permanent überzogenes Girokonto kann durchaus auch Ausdruck eines bewusst saloppen Lebensstils eines Menschen sein, der es sich leisten kann. In der Regel dürfte die Kontoüberziehung aber das Resultat einer Überforderung der eigenen Ressourcen zustande kommen. Hier hilft nur eiserne Ausgabendisziplin, eventuell unter einem vorübergehenden Verzicht auf die Kreditkarte.

          Gespräche mit Finanzberatern und Kreditsachbearbeitern zeigen immer wieder, dass sich viele Menschen nicht über die Höhe ihrer regelmäßigen Ausgaben im Klaren sind. Daraus rührt eine Überschätzung der eigenen Möglichkeiten, die schnell zu einer zu hohen Belastung durch regelmäßige Zahlungen aus abgeschlossenen Versicherungs-, Renten- oder Kreditverträgen führt. Auch wenn es völlig altmodisch klingen mag: Die Führung eines Haushaltsbuches kann nicht nur Klarheit über die eigenen finanziellen Möglichkeiten schaffen, sondern auch Einsparpotentiale bei den persönlichen Ausgaben offenbaren.

          Männer sind anfällig für bombensichere Gewinnraketen

          Der Umgang mit Geld sollte mit gesundem Selbstvertrauen und Lernfreude stattfinden, nicht aber von Selbstherrlichkeit oder, umgekehrt, Unterwürfigkeit gegenüber dem Berater geprägt sein. Zu Selbstherrlichkeit in der Kapitalanlage neigen nach Umfragen eher Männer als Frauen. Männer sind viel anfälliger für scheinbar bombensichere Gewinnraketen etwa in Gestalt exotischer Minenaktien in fernen Regionen. Ebenso unangebracht erscheint das entgegensetzte Verhalten: eine Aufgabe der Selbständigkeit in Gestalt eines blinden Vertrauens in Berater. Kein Anleger sollte ein Finanzprodukt ohne Kenntnis der spezifischen Chancen und Risiken kaufen.

          Ein gerade in Deutschland verbreitetes Phänomen besteht in einem äußerst lebhaften Interesse vieler Menschen an steuersparenden Anlagen. Dagegen ist im Prinzip nicht viel einzuwenden, solange bedacht wird, dass eine Kapitalanlage zunächst einmal aus sich heraus attraktiv sein muss, ehe die Steuerersparnis als zusätzlicher Reiz hinzu kommt. So haben in der Vergangenheit unzählige Anleger, durch Steuersparmodelle geblendet, Immobilien zu völlig überzogenen Preise gekauft.

          Altersunabhängige Fehler, altersspezifische Unzulänglichkeiten

          So wie es altersunabhängige Fehler im Umgang mit Geld gibt, lassen sich auch altersspezifische Unzulänglichkeiten beobachten. Ein junger Mensch im Studium oder am Anfang seines Berufslebens besitzt meist nicht viel Geld, aber viel Zukunft. Damit ist er anfällig für Finanzprodukte mit unmittelbar vielleicht geringen Zahlungen, aber dafür sehr langen Laufzeiten, die seinen finanziellen Handlungsspielraum für Jahrzehnte unmäßig begrenzen können. Friedrich Schillers Satz „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ gilt nicht nur für die Wahl des Lebenspartners, sondern auch für den Kauf langfristiger Finanzprodukte. Das verbreitete Phänomen der Überversicherung besitzt seinen Ursprung häufig in jungen Jahren. Ebenso bleibt die mit Blick auf den Zinseszins verbreitete These, wonach schon junge Menschen langfristig für das Alter sparen sollten, kritisch zu hinterfragen.

          Mit zunehmenden Jahren besitzen die Menschen weniger Zukunft, aber dafür häufig mehr Geld. Ist das Haus oder die Eigentumswohnung abbezahlt, endet meist die Zeit der sehr langfristigen Bindungen mit Ausnahme notwendiger Versicherungen und der Kapitalbildung für das Alter. Die Gefahr besteht nun darin, dass der langsam wachsende finanzielle Spielraum unsachgemäß genutzt wird.

          Der Umgang mit Geld findet in einer Welt statt, deren Zukunft nicht vorhersehbar ist. Gerade diese Unsicherheit erfordert eine Finanzplanung, die für die Wechselfälle des Lebens so gut wie möglich vorsorgt, auf gesunden Prinzipien aufbaut und den Menschen nicht entmündigt.

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