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Finanzplanung für Existenzgründer : Auf dem Weg in die Selbständigkeit

Eine Existenzgründung will wohl überlegt sein, wenn man eine gute Anstellung hat. Bild: Illustration Kircher&Burkhardt

Mechthild Schick ist Expertin für Wirtschaftskriminalität in einer Anwaltskanzlei. Doch ihre Karriere stockt, Kollegen werden bevorzugt. Sie will sich selbständig machen.

          Paul lässt seinen Blick über die verschneiten Berge der Dolomiten schweifen. Die Sonne scheint, alles glitzert. Er genießt den Skiurlaub mit Mechthild in vollen Zügen und malt sich in Gedanken schon den gemeinsamen Sommerurlaub auf Sardinien aus. Denn beide lieben Italien, gutes Essen und noch mehr guten Wein. Und sie haben im Alltag viel zu wenig Zeit füreinander. Findet er.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Doch seine Freundin im Liegestuhl neben ihm beschäftigen ganz andere Dinge. Sie ist wütend. Als Anwältin für Strafrecht ist sie seit etlichen Jahren in einer mittelgroßen und renommierten Kanzlei in Frankfurt beschäftigt. Zwar ist sie als "Senior Associate" die Karriereleiter inzwischen ein Stück weit hochgeklettert. Doch das reicht ihr nicht. Ihre Karriere steckt fest.

          Bei der alljährlichen Ernennung neuer Partner kurz vor Weihnachten ist sie nun zum wiederholten Male übergangen worden. Wie in den Jahren zuvor haben wieder nur Männer den Aufstieg in den Olymp ihrer Kanzlei geschafft. Drei waren es diesmal, zwei im Jahr davor. Keiner einzigen Frau ist bisher die Partnerschaft angedient worden.

          130.000 Euro sind einfach zu wenig

          Mechthild ist deshalb stinksauer. Sie schimpft über diesen Herrenclub. Denn sie ist erfolgreicher als viele ihrer beförderten männlichen Kollegen, die zu allem Überfluss auch noch jünger sind als sie und weniger Berufserfahrung haben. Als Expertin für Wirtschaftskriminalität hatte sie gerade im vergangenen Jahr mehrere wichtige Prozesse für ihre Mandanten gewonnen. In der Branche hat sie inzwischen einen guten Namen. Aber intern bekommt sie außer lobenden Worten viel zu wenig Anerkennung.

          Und auch die monetäre Anerkennung ist kein richtiger Trost mehr. Die 130.000 Euro, die Mechthild jährlich verdient, sind ihr zu wenig. Ihre Ansprüche sind seit der Studienzeit erheblich gestiegen. Sie liebt die schönen Dinge des Lebens - teure Reisen, edle Restaurants, schicke und schnelle Autos und natürlich Mode. Ihre Lieblingsdesignerin ist Vivienne Westwood. Ihre Schuhe sind ähnlich exklusiv. Diesen Luxus braucht sie auch für ihren Job, findet sie. Denn Mechthild liebt den großen Auftritt - und natürlich Paul. Zudem möchte sie in absehbarer Zeit in den eigenen vier Wänden wohnen. Das wünscht sie sich schon lange.

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          Aber das alles Entscheidende: Sie wird im September 40. Höchste Zeit also für eine Zwischenbilanz. Es muss sich etwas ändern, ist sich Mechthild sicher, und das am besten sofort. In der Sonne der italienischen Berge nimmt in ihr der Wunsch nach einer eigenen Kanzlei und dem Schritt in die Selbständigkeit immer konkretere Formen an. Sie glaubt fest daran, von ihrem guten Namen profitieren zu können. Vielleicht könnte sie nach einiger Zeit auch mehrere ihrer alten Mandanten übernehmen.

          Die Kanzlei wird sich allerdings vertraglich zusichern lassen, dass sie dies eine gewisse Zeit lang nicht tut. So jedenfalls war das bei einem ebenso frustrierten, ehemaligen Studienkollegen aus Bonn, der den Sprung in die Selbständigkeit schon gewagt und geschafft hat. Wie er will sie endlich mehr Verantwortung übernehmen und irgendwann auch wesentlich mehr Geld verdienen.

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