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Geldanlage : Wahre Chancen und Risiken von Finanzprodukten

Das Bundesfinanzministerium: Auch deutsche Staatsanleihen stehen im Zentrum von Anlagestrategien von Vorsorgelösungen Bild: dapd

Die Finanzmathematik wirft manche Überzeugung über Bord: Das zeigt ein Vergleich von Aktienfonds und Aktienanleihe.

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          Sinkende Renten bei steigenden Ansprüchen: Mit diesem Szenario müssen die heute Erwerbstätigen nach ihrem Eintritt in den Ruhestand rechnen. Mit steigenden Ansprüchen muss nicht Nachfrage nach Luxus gemeint sein. Allein die Teilhabe am medizinischen Fortschritt erfordert zunehmend höhere individuelle Aufwände. Die Notwendigkeit, erfolgreich langfristigen Vermögensaufbau zu betreiben, trifft jedoch auf einen Finanzmarkt, an dem für Anleger die goldenen Zeiten der Altersvorsorge vorbei sind.

          Die Anlagestrategien von Vorsorgelösungen basieren im Wesentlichen direkt oder indirekt auf möglichst sicheren Anlagen mit dem Ziel, planbare Erträge zu generieren. Im Zentrum stehen deutsche Staatsanleihen, Pfandbriefe und Unternehmensanleihen bester Bonität. Die Anleger setzen auf einen „risikolosen Zins“. Unter dem Strich aber ist der deutsche Staat zu einem erheblichen Teil bei seinen eigenen Bürgern verschuldet. Deutsche Staatsanleihen werden nicht zuletzt von deutschen Rentenversicherungen, Kapitallebensversicherungen, Pensionskassen und Versorgungswerken gehalten. Hohe Staatsschulden auf der einen Seite sind nichts anderes als private Vorsorgeansprüche auf der anderen Seite.

          Faktisch befinden wir uns seit einigen Jahren aber in einer Situation, dass der deutsche Staat für seine Anleihen einen Zins zahlt, der unter der Inflationsrate liegt. Andere Länder sind hier sogar schon weiter. Das dahinter liegende Ziel, die Staatsschulden real nicht steigen zu lassen, bedeutet auf der anderen Seite, dass das sichere Sparen für die Altersvorsorge nicht mehr rentabel sein kann.

          Fehlinterpretationen ist Tür und Tor geöffnet

          Betrachten wir die Situation einer Privatperson, die realen Kapitalerhalt anstrebt. Wir unterstellen, dass die Person in die üblichen Anlageprodukte investiert, die laufende Kosten von 1,5 Prozent verursachen. Nehmen wir noch eine langfristig realistische Inflationsrate von 2,5 Prozent an, so muss eine Geldanlage unter Berücksichtigung der Abgeltungsteuer eine Marktrendite von über 4,5 Prozent pro Jahr erwirtschaften. Eine solche Zielrendite würde eine Aktienquote von mindestens 30 Prozent erfordern.

          Hier widerspricht jedoch der Verbraucherschutz. Altersvorsorge und Aktienrisiken vertragen sich angeblich nicht; die Anlagen sollen absolut sicher sein. Das bedeutet: Der aufgeklärte Investor und Selbstentscheider darf investieren, wie es ihm gefällt. Die auf regulierte Anlageberatung angewiesene breite Mehrheit der Sparer ist hingegen gezwungen, in Anlageprodukte zu gehen, die oft keine Aussicht auf Kaufkrafterhalt bieten. Ein Anleger sollte sich dieses Dilemmas bewusst sein und Fragen zum Risiko bei der langfristigen Anlage neu bewerten.

          Risikofreie Anlage bei niedrigen Zinsniveaus ist gleichbedeutend mit einem laufenden Kaufkraftverlust. Auf kurze Sicht mag das kein Problem darstellen, für langfristige Anlagen ist diese Situation inakzeptabel. Geht der Anleger aber ins Risiko, so stehen gefühlte 1000 Seiten Risikoaufklärung, Beratungsprotokoll und KIID („Key Investor Information Document“) als Unterstützung zur Verfügung. Da sollte die Welt doch in Ordnung sein. Ein Blick auf den Alltag der Anlageberatung offenbart das Gegenteil. Die Anlageentscheidungen der Deutschen sind im Durchschnitt weder besser noch rationaler geworden. Eine Ursache dafür ist, dass verschiedene Wertpapiere sehr unterschiedlichen Arten von Risiken ausgesetzt sind. Dieser Komplexität wird die vorgegebene Standardisierung wie beim KIID nicht gerecht. Fehlinterpretationen ist Tür und Tor geöffnet.

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