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Medienschau : Europäer drängen Portugal angeblich unter Rettungsschirm

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Ungarn will mit einer umstrittenen Rentenreform die Staatsschulden drücken, die EU strebt engere Fesseln für den schnellen Börsenhandel an. Wirtschaftsexperten plädieren für eine Aufstockung des Euro-Hilfsfonds und die Conergy-Gläubiger wollen Kredite in Aktien tauschen.

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          Unternehmensnachrichten

          Conergy-Gläubiger wollen Kredite in Aktien tauschen

          Im Ringen um eine Rettung des krisengeschüttelten Solarunternehmens Conergy haben sich die Gläubiger einem Zeitungsbericht zufolge grundsätzlich darauf geeinigt, ihre Kredite in Aktien zu tauschen. „Es gibt darüber eine informelle Verständigung. Eine Pleite will nach jetzigem Stand niemand riskieren“, sagte ein Insider der „Financial Times Deutschland“ vom Freitag. Mehrere Banken hatten laut dem Bericht zuletzt ihre Kredite an Hedge-Fonds verkauft - vor allem an York Capital und Sothic Capital. Im Konzern gehe man davon aus, dass diese Investoren mindestens 25 Prozent der Schulden halten.

          Bei Conergy bleibt Eigentümern und Gläubigern der Zeitung zufolge inzwischen nur noch die Alternative, das Hamburger Unternehmen pleitegehen zu lassen. „Das Geschäftsmodell als Projektentwickler ist so fragil, dass das wohl das endgültige Ende bedeuten würde, die Gläubiger würden komplett leer ausgehen“, sagte ein Beteiligter dem Blatt. Den Schlüssel zur Sanierung von Conergy hielt zuletzt die Commerzbank in der Hand. Das Institut ist einer der größten Gläubiger und mit 29 Prozent auch größter Anteilseigner von Conergy. (Reuters)

          EU strebt engere Fesseln für schnellen Börsenhandel an

          Frankreich und Großbritannien haben sich für strengere Regeln beim superschnellen Computerhandel an der Börse ausgesprochen. Die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde sagte am Donnerstag bei einer Parlamentsanhörung, der Handel solle streng reguliert und nach einer Kosten-Nutzen-Analyse unter Umständen sogar verboten werden. Ein Verbot sei angemessen für Fälle, in denen sich der extra-schnelle Handel schädlich auswirke.

          So weit will Großbritannien zwar nicht gehen. Allerdings kommen auch von der britischen Finanzaufsicht FSA, die Europas größtes Handelszentrum London überwacht, Signale für eine stärkere Regulierung. FSA-Marktdirektor Alexander Justham schlägt beispielsweise „Stresstests“ für neue Varianten des Computerhandels und Algotradings vor. Zudem sprach er sich dafür aus, den Handel stärker zu dokumentieren. An der London Stock Exchange macht der so genannte Hochgeschwindigkeitshandel ein Drittel des Gesamthandels aus. Ein dramatischer Kurssturz an der Wall Street im Mai hatte die Diskussionen über die Abwicklung von Handelsgeschäften neu entfacht. Justham betonte allerdings auch, dass der Hochgeschwindigkeitshandel eine normale Weiterentwicklung auf Basis des technischen Fortschritts sei. (Reuters)

          ACS stellt Erneuerbare-Energien-Sparte zum Verkauf

          Der Hochtief-Jäger ACS will seine Schulden durch den Verkauf seiner Erneuerbare-Energien-Sparte reduzieren. Wie der spanische Baukonzern am Donnerstag mitteilte, will er sich auf dem Heimatmarkt von Wind- und Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 1757 Megawatt Leistung trennen. Dadurch sollen wettbewerbsrechtliche Hürden bei der Erhöhung des Anteils am spanischen Stromerzeuger Iberdrola beseitigt werden. Trotz Gegenwehr von Iberdrola will ACS seine Beteiligung von derzeit rund zwölf Prozent aufstocken.

          Neben Iberdrola kämpft auch der deutsche Bauriese Hochtief gegen ACS. Die Spanier halten bereits knapp 30 Prozent an Hochtief und haben unlängst ein Übernahmeangebot für den Essener Konzern bei der Bundesfinanzaufsicht eingereicht. Hochtief wehrt sich mit allen Mitteln gegen den Angriff aus Madrid. ACS plagen Schulden von mehr als neun Milliarden Euro. (Reuters)

          Investorengruppe um KKR will Lebensmittelkonzern Del Monte kaufen

          Eine von dem amerikanischen Konsortium KKR angeführte Investorengruppe will den Lebensmittelkonzern Del Monte übernehmen. Die Interessenten wollten rund 19 Dollar pro Aktie oder 5 Milliarden Dollar bezahlen, berichtete eine mit dem Vorgang vertraute Person am Donnerstag. Am selben Tag (Ortszeit) werde die Bekanntgabe erwartet.

          Die Partner von KKR bei dem Geschäft sollen das Private-Equity-Unternehmen Vestar Capital Partners und ein Fonds sein, der von James Kilts angeführt wird. Kilts ist Partner der Investmentbank Centerview und ehemaliger Chef des Rasierklingenherstellers Gillette. Das Geschäft wäre eine der größten mit Fremdkapital finanzierten Übernahmen in diesem Jahr in den Vereinigten Staaten. (dpa-AFX)

          Novartis erleidet mit Nierenkrebsmittel „Afinitor“ Rückschlag

          Der Schweizer Pharmakonzern Novartis ist mit seinem Nierenkrebs-Mittel „Afinitor“ als Zweitlinien-Therapie beim britischen National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) wegen Kostenbedenken auf Ablehnung gestoßen. Zwar habe die Behörde bisher noch keine endgültige Richtlinie erlassen, allerdings sagte NICE-Vorstandschef Andrew Dillon am Freitag, es bestehe immer noch eine große Unsicherheit bezüglich der Kosteneffizienz von Afinitor. Novartis will gegen die negative Beurteilung vorgehen. (Dow Jones)


          Wirtschaftsnachrichten

          Ungarn will mit Rentenreform Staatsschulden drücken

          Ungarn bringt mit seiner geplanten Rentenreform die EU und die privaten Pensionsfonds gegen sich auf. Für heftigen Protest sorgt insbesondere das Vorhaben, mit Vermögenswerten aus der privaten Altersvorsorge die staatliche Schuldenlast zu drücken. Die Regierung in Budapest erklärte am Donnerstag, bei der angestrebten Rückkehr von privat Versicherten in das staatliche Rentensystem würden Staatsanleihen im Volumen von umgerechnet rund 5,5 Milliarden Euro eingezogen und annulliert.

          Die EU-Kommission kritisierte, die Regierung wolle offenbar das in den privaten Pensionsfonds angesparte Vermögen für gegenwärtige Ausgaben nutzen. „Dies scheint die zugrundeliegende Annahme des Haushaltsentwurfs für 2011 zu sein“, erklärte EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn. Die Pensionsfonds des Landes kündigten an, die Pläne vor EU-Gerichten bekämpfen zu wollen.

          Erst am Mittwoch hatte die Regierung den Steuerzahlern eine Frist bis Ende Januar gesetzt. Wer bis dahin nicht in das staatliche Rentensystem zurückkehrt, muss künftig mit empfindlichen Einbußen bei den Altersbezügen rechnen. Die Maßnahme diene der Sicherung der Renten, argumentiert die Regierung. Ohne Änderungen laufe das System Gefahr, im nächsten Jahr ein Defizit von umgerechnet rund 3,2 Milliarden Euro anzuhäufen. Die private Vorsorge war im Zuge einer Rentenreform erst 1998 eingeführt worden.

          Private Rentenversicherer kritisieren die Ankündigung als Erpressung und als offenen Versuch einer Verstaatlichung. Durch den Schritt sollen insgesamt knapp elf Milliarden Euro zurück in das staatliche Rentensystem fließen. Während die Staatsanleihen gelöscht werden sollen, will die Regierung andere Vermögenswerte wie etwa Aktien nach und nach verkaufen.

          Trotz der schwierigen Haushaltslage sollen in Ungarn die Renten im nächsten Jahr nach Angaben der Regierung um 4,4 Prozent steigen. Profitieren sollen 2,65 Millionen Menschen. Die Mitte-Rechts-Regierung hat anders als viele andere hoch verschuldete Länder angekündigt, ihr Defizit im wesentlichen nicht mittels massiver Kürzungen bei den Ausgaben in den Griff zu bekommen, sondern durch eine Erhöhung der Einnahmen. Geplant sind unter anderem höhere Steuern für Banken und eine Reihe anderer Branchen. (Reuters)

          Europäer drängen Portugal unter Rettungsschirm

          Die Europäische Zentralbank (EZB) und eine Mehrheit der Euro-Länder dringen einem Zeitungsbericht zufolge darauf, dass auch Portugal wie Irland einen Antrag auf Hilfen stellt. Portugals Banken gelten zwar nicht als überschuldet wie die irischen, sind aber derzeit für ihre Geschäfte offenbar ebenfalls auf Geld der EZB angewiesen, wie die „Financial Times Deutschland“ (FTD - Freitagausgabe) vorab berichtet.

          Durch den Druck auf die Regierung in Lissabon wollten die Europäer Spanien vor einer Rettungsaktion bewahren. „Wenn Portugal den Schirm nutzen würde, wäre das für Spanien gut, weil das Land in Portugal stark engagiert ist“, hieß es laut FTD im Bundesfinanzministerium. Die portugiesische Regierung stemme sich aber bislang dagegen, einen Hilfsantrag zu stellen. (Dow Jones)

          Wirtschaftsexperten für Aufstockung des Euro-Hilfsfonds

          Im Kampf gegen die Schuldenkrise in Europa plädieren führende Wirtschaftsexperten einem Zeitungsbericht zufolge für eine deutliche Aufstockung des Euro-Rettungsschirms. Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) schlage eine Erhöhung des Garantierahmens um 500 Milliarden Euro auf 1,25 Billionen Euro vor, berichtete die „Bild“-Zeitung (Freitagausgabe) vorab. Damit solle sichergestellt werden, dass nach Irland und möglicherweise auch Portugal und Spanien weitere Länder den Rettungsschirm nutzen könnten. Zur Beruhigung der Märkte sollte der Rettungsfonds „so schnell wie möglich“ aufgestockt werden, zitierte das Blatt den HWWI-Finanzexperten Henning Vöpel.

          Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, hält der Zeitung zufolge sogar eine Verdoppelung des Garantierahmens auf 1,5 Billionen Euro für „vorstellbar“. Zimmermann warnte jedoch, das Schuldenproblem in der Eurozone lasse sich auf diese Art nicht dauerhaft lösen. „Um den Euro zu sichern und die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen, müssen endlich Banken und Versicherungen an den Lasten beteiligt werden“, sagte er.

          Bundesbankpräsident Axel Weber hatte am Donnerstag Spekulationen zurückgewiesen, das Hilfspaket für EU-Krisenstaaten müsse massiv aufgestockt werden. Nach seiner Einschätzung reichen die bereitstehenden Mittel zur Lösung der Krise aus. (Reuters)

          Ackermann für freiwillige Gläubigerbeteiligung bei Euro-Schirm

          Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann hält den aktuellen Schutzschirm in der Schuldenkrise der Euro-Zone für „ausreichend“. „An dem muss man jetzt festhalten“, sagte Ackermann am Donnerstagabend vor Journalisten in Berlin. Nach 2013 könne man aber durchaus über veränderte Formen des Krisenmechanismus nachdenken. „Aber im wesentlichen muss es freiwillige, marktorientierte Lösungen geben.“ Wichtig seien auch sogenannte Umschuldungsklauseln (Collective Action Clauses), wie es sie bei Anleihen von Schwellenländern gebe. Im Falle einer Umstrukturierung müssten Schuldner und Gläubiger dann zusammenkommen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Die Bundesregierung will private Gläubiger ab 2013 in einen permanenten Krisenbewältigungsmechanismus für die Euro-Zone miteinbeziehen. (Reuters)

          Ifo-Präsident Sinn: Irland-Krise weniger dramatisch als dargestellt

          Die Irland-Krise ist nach den Worten von ifo- Präsident Hans Werner Sinn nicht so dramatisch wie dargestellt, so der Ökonom zur Zeitung „Die Welt“ (Freitag). Die Probleme der deutschen Banken im Fall Irland würden überdramatisiert: „Es wird immer von 130 Milliarden Euro geredet; so hoch seien die Forderungen der deutschen Banken, die angeblich gefährdet sind. Davon sind aber 100 Milliarden Euro Forderungen der Banken gegenüber ihren eigenen Zweckgesellschaften, die in Irland sitzen.“ Diese hätten ihr Geld in der weiten Welt investiert und mit den irischen Problemen nichts zu tun.

          Sinn erwartet, dass Irland in der Lage sein wird, seine Haushaltsprobleme aus eigener Kraft zu lösen. „Irland hat eine starke Wirtschaft. Die irische Wirtschaftsleistung pro Kopf ist fast 20 Prozent höher als die deutsche; selbst jetzt, nachdem die irische Wirtschaft eingebrochen ist“, betonte er. (dpa)

          Japan steckt weiterhin in der Deflation fest

          Die Lebenshaltungskosten der japanischen Verbraucher haben im Oktober in der Kernberechnung den 20. Monat in Folge unter dem Niveau des entsprechenden Vorjahresmonats gelegen. Wie die Regierung am Freitag mitteilte, sanken die Kernverbraucherpreise auf Jahressicht um 0,6 Prozent. Ökonomen hatten den Wert exakt prognostiziert.

          Damit hielt die Deflation in Japan weiter an, auch wenn die Preise nicht mehr ganz so deutlich zurückgingen wie im Vormonat: Im September hatte sich noch eine negative Jahresrate von 1,1 Prozent eingestellt. Die Bank of Japan (BoJ) achtet für die Bestimmung ihrer Geldpolitik besonders auf die Kernrate. (Dow Jones)

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