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Medienschau : Chinas Einkaufsmanagerindex deutet auf gebremstes Wachstum

  • Aktualisiert am

Ryanair will erstmals Dividende zahlen, die Deutsche Wohnen wieder. Joop will Schiesser an die Börse bringen. Irland pumpt weitere Milliarden in die Anglo Irish Bank. Die EU will die Rating-Agenturen schärfer kontrollieren und Australiens Notenbank lässt den Leitzins unverändert.

          Unternehmen

          Ryanair will erstmals Dividende zahlen

          Nach seinem ersten Verlust in 20 Jahren ist der irische Billigflieger Ryanair in die Gewinnzone zurückgekehrt. Das Unternehmen meldete am Dienstag für das Ende März zu Ende gegangene Geschäftsjahr einen bereinigten Nettogewinn von 319 Millionen Euro. Ryanair lag damit über den Analysten-Erwartungen, die im Schnitt von 311,7 Millionen Euro ausgegangen waren.

          Das Unternehmen kündigte an, erstmals seit dem Börsengang von 1997 eine Dividende zu zahlen. An die Aktionäre würden im Oktober diesen Jahres 500 Millionen ausgeschüttet. Möglicherweise werde eine zweite Tranche in gleicher Höhe folgen. (Reuters)

          Deutsche Wohnen will für 2010 wieder Dividende zahlen

          Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen will im laufenden Geschäftsjahr seine Aktionäre wieder am Gewinn beteiligen. Nachdem sie in den vergangenen drei Jahren keine Dividende gezahlt hätten, wollten sie für 2010 wieder Geld ausschütten, sagte der Vorstandschef des zweitgrößten börsennotierten deutschen Wohnimmobilienunternehmens, Michael Zahn, am Montagabend in Berlin. Wie hoch diese ausfallen könnte, wollte Zahn nicht angeben.

          Zahn kündigte an, im laufenden Jahr Zukäufe tätigen zu wollen. Damit solle das Wachstum des Unternehmens gesichert werden, sagte der Vorstandschef. Dafür habe er die Unterstützung des Aufsichtsrates und größerer Aktionäre. Das Unternehmen, das beispielsweise mit dem Branchenprimus Gagfah und der TAG Immobilien konkurriert, sei an dem Erwerb von 2000 bis 3000 qualitativ hochwertigen Wohnungen in einem Paket interessiert. Diesbezüglich seien sie bereits in Gesprächen.

          Zuletzt hatte die Deutsche Wohnen Interesse an Teilen des Bestands der Berliner Wohnungsgenossenschaft GSW angemeldet. Man schaue aber nicht nur nach Berlin, betonte Zahn. Kürzlich hatte das Unternehmen Immobilien in der Hauptstadt sowie in Mainz
          erworben. Größter Einzelaktionär des im SDax notierten Konzerns ist der Finanzinvestor Oaktree mit mehr als 22 Prozent.

          Die Deutsche Wohnen ist im ersten Quartal dank höherer Mieteinnahmen und geringerer Zinszahlungen in die Gewinnzone zurückkehrt und hatte unter dem Strich 5,2 Millionen Euro verdient. Der Verschuldungsgrad ist deutlich auf rund 60 Prozent zurückgeführt worden. Zudem hätten sie den Bestand reinigen und Einzelprivatisierungen vorantreiben können, sagte der Vorstandschef. (Reuters)

          Irland pumpt zwei weitere Milliarden in Anglo Irish Bank

          Irland pumpt weitere Milliarden in die bereits verstaatlichte Anglo Irish Bank. Die Regierung greife dem angeschlagenen Geldinstitut mit zusätzlichen zwei Milliarden Euro unter die Arme, sagte Finanzminister Brian Lenihan am Montag. Die Bank hat bereits 12,3 Milliarden Euro vom Staat erhalten, um ihr Überleben in der Finanzkrise zu sichern. Lenihan hatte im März bereits gesagt, das Kreditinstitut könnte noch zusätzlich Mittel über zehn Milliarden Euro benötigen.

          Das Geld werde in Form eines Schuldscheins transferiert, der innerhalb von 15 Jahren zurückgezahlt werden müsse. Das Geldhaus brauche das Kapital, da die an die irische Bad Bank NAMA verkauften Kredite nicht den erwarteten Preis erzielt hätten.

          Die Anglo Irish Bank hatte mit 12,7 Milliarden Euro im Zuge der Finanzkrise den höchsten Verlust in der Wirtschaftsgeschichte des Inselstaates erlitten. Das Finanzinstitut will zwei Drittel der für die Abschreibungen verantwortlichen Finanzpapiere in die staatliche Bad Bank entsorgen. Nach diesem Transfer soll der Rest des Instituts in zwei Teile aufgespaltet werden - in ein funktionierendes Kreditinstitut und eine eigene Bad Bank. Bankchef Mike Aynsley hatte im Frühjahr gewarnt, eine Abwicklung könnte den irischen Staat bis zu 35 Milliarden Euro kosten.

          Die irischen Banken sind wegen ihres großen Engagements in riskantere Immobilienkredite massiv von der Rezession des Landes und den abstürzenden Häuserpreisen betroffen. Sie mussten daher zu einem großen Teil verstaatlicht werden, was wiederum das Haushaltsdefizit des Landes in die Höhe trieb. (Reuters)

          Joop will Schiesser an die Börse bringen

          Der Modemacher Wolfgang Joop will beim insolventen Wäschehersteller Schiesser (“Feinripp“) einsteigen und das Unternehmen an die Börse bringen. Dies teilte der Insolvenzverwalter Volker Grub am Montag mit. Entsprechende Verhandlungen mit Banken seien bereits geführt worden. Der Gläubigerausschuss soll Ende Juni entscheiden, wie es mit Schiesser weitergeht.

          Neben der Möglichkeit einer Minderheitsbeteiligung von Joop gebe es auch weitere Optionen, sagte ein Sprecher. Es gebe auch Investoren, die die Traditionsfirma ganz übernehmen wollen. Joop war im Dezember mit zwei weiteren Investoren in die Endauswahl für eine Beteiligung oder Übernahme gekommen.

          „Das Zusammengehen mit Wolfgang Joop ist eine der favorisierten Lösungen“, teilte Grub mit. Joop will Schiesser bei Strategie, Marketing, Design und dem visuellen Auftritt beraten. Der Potsdamer Designer könne einen „wesentlichen Beitrag“ leisten, um die Marke Schiesser attraktiver zu machen, sagte Grub weiter.

          Der 1875 gegründete Produzent von Unter-, Nacht- und Sportwäsche Schiesser musste im Februar 2009 Insolvenz anmelden, weil ein Schuldenberg von rund 80 Millionen Euro aufgelaufen war. Drei Monate später wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Die finanzielle Schieflage war vor allem durch unrentable Lizenzfertigung für Marken wie Puma oder Tommy Hilfiger entstanden. Inzwischen ist Schiesser aus den meisten dieser Lizenzverträge ausgestiegen und hat seine Belegschaft verkleinert. (dpa-AFX)


          Wirtschaftsnachrichten

          Chinas Einkaufsmanagerindizes deuten auf gebremstes Wachstum

          Das Wachstum im verarbeitenden Gewerbe Chinas hat sich den Einkaufsmanagerindizes zufolge im Mai verlangsamt. Der von der HSBC Holdings ermittelte Einkaufsmanagerindex für China fiel am Dienstag auf 52,7 Punkte. Es war der zweite Indexrückgang in Folge, im April war der Einkaufsmanagerindex bereits auf revidiert 55,2 (vorläufig: 55,4) Zähler zurückgegangen. Der Index liegt aber noch immer über der Schwelle von 50 Punkten, die die Grenze zwischen Expansion und Kontraktion markiert.

          „Die Abschwächung des Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe deutet an, dass das Risiko einer Überhitzung abnimmt“, erklärte HSBC-Chefökonom für China, Hongbin Qu. Das Wirtschaftswachstum werde aber dennoch stark ausfallen, was an den massiven Investitionen in die Infrastruktur und dem soliden privaten Konsum liege. Im ersten Quartal 2010 war die chinesische Wirtschaft um 11,9 Prozent zum Vorjahresquartal expandiert.

          Der von der China Federation of Logistics & Purchasing (CFLP) am Dienstag veröffentlichte Einkaufsmanagerindex fiel im Mai auf einem Stand von 53,9 Punkten. Im April hatte dieser Purchasing Managers Index (PMI) noch bei 55,7 Zählern gelegen. Der Index liegt bereits den 15. Monat in Folge über der Wachstumsschwelle. (Dow Jones)

          EU will Rating-Agenturen schärfer kontrollieren

          Die EU will Rating-Agenturen nach einem Zeitungsbericht strenger kontrollieren und bei Regelverstößen bestrafen. Die geplante europäische Börsenaufsicht ESMA solle dafür umfangreiche Ermittlungsbefugnisse erhalten, zitierte das „Handelsblatt“ (Dienstagsausgabe) aus einem Verordnungsentwurf des zuständigen EU-Kommissars Michel Barnier. Im Verdachtsfall solle die ESMA die Büros der Bonitätsprüfer durchsuchen, Geschäftsunterlagen aller Art anfordern und Verdächtige verhören. Falls sich ein Verdacht bestätigt, wolle die EU-Kommission auf Vorschlag der ESMA Geldstrafen gegen die betroffene Rating-Agentur verhängen.

          Barnier will dem Bericht zufolge das neue Regelwerk am Mittwoch in Brüssel vorstellen. Er reagiere damit auf die wachsende Kritik aus der Politik an den Bonitätsprüfern. Die EU sei verärgert über die Herabstufung von Staatsanleihen hochverschuldeter Mitgliedsstaaten, wobei es weniger um die Noten selbst als vielmehr um den Zeitpunkt ihrer Verkündung geht. So hatte Fitch am vergangenen Freitag die Note für spanische Bonds gesenkt, obwohl die Regierung in Madrid unmittelbar vorher ein umfangreiches Sparprogramm beschlossen hatte. Ähnlich waren die Rating-Agenturen zuvor auch mit griechischen Bonds verfahren. (Reuters)

          Australiens Notenbank lässt Leitzins unverändert

          Die australische Zentralbank hat eine Pause in ihrem Straffungszyklus eingelegt. Wie der Geldpolitische Rat der Reserve Bank of Australia (RBA) am Dienstag mitteilte, liegt der Leitzins weiterhin bei 4,50 Prozent. Dies entsprach den Erwartungen der von Dow Jones Newswires befragten Ökonomen, nachdem die RBA bei ihrer Sitzung im Mai erklärt hatte, dass der Cash Rate Zielsatz erstmals seit Ausbruch der globalen Krise 2008 wieder auf einem „normalen“ Niveau liege.

          Beobachter gehen davon aus, dass die Notenbank auch in den kommenden Monaten keine Zinsänderungen vornehmen wird. Es gebe Anzeichen für eine Verlangsamung der Wirtschaftsaktivität. Sollte sich die Jahresteuerung aber weiter erhöhen und über das
          Zielband der Notenbank von 2 Prozent bis 3 Prozent Inflation steigen, dürfte die RBA ihren Straffungszyklus wieder aufnehmen, hieß es.

          Die RBA hat ihren geldpolitischen Schlüsselsatz seit Oktober 2009 sechs Mal angehoben. Australien war das erste G-20-Land, das nach der globalen Finanzkrise wieder die Geldpolitik gestrafft hatte. Der nächste RBA-Zinsentscheid findet am 6. Juli statt. (Dow Jones)

          EZB: Herabstufung keine Gefahr für Finanzstabilität

          Die jüngste Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens ist den Worten von EZB-Vizepräsident Lucas Papademos zufolge nicht überraschend gekommen. Das niedrigere Kreditrating für Spanien sei „teilweise zu erwarten“ gewesen und stelle „kein Risiko für die Finanzstabilität der Eurozone“ dar, sagte Papademos am Montag bei der Vorstellung des halbjährlichen Finanzstabilitätsberichts der EZB in Frankfurt.

          Die Lage in Spanien unterscheide sich von der in Griechenland, zumal das Rating von Spanien „noch immer sehr hoch“ sei, betonte der EZB-Vize. Fitch Ratings hatte die Bonitätsnote für Spanien am Freitag wegen schlechterer Wachstumsperspektiven infolge des rigiden Sparkurses auf „AA+“ von zuvor „AAA“ gesenkt. Das Rating für Griechenland wurde hingegen weitaus stärker zurückgenommen und liegt bei den meisten Ratingagenturen auf dem Niveau einer Länder-Ramschanleihe. (Dow Jones)

          Griechenlands Finanzminister - Könnten im Juli Anleihen begeben

          Das hoch verschuldete Griechenland könnte im Juli neue Staatsanleihen begeben. Finanzminister Giorgos Papakonstantinou sagte am späten Montagabend dem Sender Net TV, das Geld des internationalen Hilfspakets dürfte bis 2012 reichen. Zu kurzfristigen Anleihen befragt erklärte er weiter: „Einige kurzfristige Papiere laufen aus, einige davon im Juli, und wir werden an die Märkte gehen.“ Insgesamt werden im Juli griechische Anleihen mit einem Umfang von 4,56 Milliarden Euro fällig. Es wäre der erste derartige Schritt der Regierung in Athen, seitdem die Euro-Staaten und der Internationale Währungsfonds (IWF) ein Hilfspaket von 110 Milliarden Euro auflegten. (Reuters)

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