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Mechthild Schick macht sich selbständig (6) : Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Steckbrief Mechthild Schick Bild: Illustration: Kircher & Burkhardt

Endlich hat Mechthild Schick ihre Kanzlei eröffnet. Damit sie sich als Selbständige nicht verzettelt, muss sie auf ihr Zeit- und Büromanagement achten. Als Erstes braucht sie dafür ein Ablagesystem.

          Mechthild Schick sitzt in ihrer frisch bezogenen Kanzlei und starrt auf den Computer. Sie checkt zum dritten Mal ihre E-Mails, dabei hätte die Expertin für Wirtschaftskriminalität wahrlich genug zu tun. Das Geschäft ist gut angelaufen, durch Kontakte zu alten Mandanten aus ihrer ehemaligen Kanzlei ist ihr Auftragsbuch schon recht prall gefüllt.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Doch wo anfangen? Es ist halb zehn Uhr morgens, eigentlich müsste sie endlich mal loslegen, aber ihre Gedanken fliegen davon. Sie surft ein wenig auf ihrer Lieblingsnachrichtenseite faz.net und schaut auf ihren Profilen bei Xing und Linkedin vorbei, ob sich etwas Neues tut. Ein Blick auf die Uhr lässt sie hochschrecken, schon wieder eine halbe Stunde vergangen.

          „Selbständige arbeiten selbst und das ständig“: Den Spruch hatte sie schon von ihrem Freund Lasse immer gehört, der als selbständiger Vermögensberater arbeitet. Doch wie es wirklich ist, das erfährt sie erst jetzt. Bei ihrem vorherigen Arbeitgeber waren Überstunden auch die Regel, häufig saß sie bis elf Uhr abends im Büro. Dafür konnte sie auf die gesamte Infrastruktur ihrer Firma zurückgreifen. Nun muss sie sich als Selbständige eben um alles allein kümmern: Selbstvermarktung, Kundenakquise, Rechnungen schreiben, Ablage, Buchhaltung - dabei hat sie von Betriebswirtschaft nicht besonders viel Ahnung.

          In der vergangenen Woche hat Schick allein zwei Tage damit verbracht, ihren defekten Internetanschluss wieder zum Laufen zu bringen. Früher in der alten Kanzlei hätte ein Anruf von zwei Minuten bei der Technik genügt, um das Problem zu beheben. Zwischenfälle wie dieser bringen ihre ganze Zeitplanung durcheinander - und das frustet sie total.

          Und zu allem Überfluss hat sie auch noch Stress mit ihrer Fernbeziehung Paul. Durch ihre Selbständigkeit wollte Mechthild Schick vor allem mehr verdienen und ihre Karriere endlich einen Schritt nach vorn bringen. Aber insgeheim hat sie auch gehofft, ihre Zeit flexibler einteilen zu können und so mehr Zeit für ihre Beziehung zu haben. Anstatt aber wie geplant auch mal unter der Woche zu Paul nach Berlin zu reisen, sitzt sie am Wochenende immer öfter in der Kanzlei. „Würdest du unter der Woche effizienter arbeiten, müsstest du nicht immer mit Unterlagen im Gepäck zu mir kommen“, hatte sich Paul kürzlich beschwert. Und ein bisschen recht hatte er damit schon.

          Clear Desk, Ablage und Aufgabentabelle

          Mechthild Schick schaut sich um und bekommt einen Rappel: Wie sieht es hier überhaupt aus? Kein Wunder, dass sie keinen klaren Gedanken fassen kann. Der Schreibtisch ist übersät von Akten, dazwischen Rechnungen für Mandanten, Urteile zu aktuellen Fällen, Zeitschriften für Wirtschaftsrecht, Visitenkarten von potentiellen Mandanten. So geht es nicht weiter. Irgendwie hat Schick einfach mit der Arbeit angefangen, ohne sich eine klare Struktur für ihr Büro, für die Arbeitsabläufe und ihr Zeitmanagement zu überlegen. Das will sie jetzt ändern.

          Sie gibt das Wort Zeitmanagement bei Google ein - und wird erschlagen von einer Fülle an Ratgebern und selbsternannten Coaches. Sich durch diesen Dschungel zu schlagen, dauert ihr jetzt zu lange. Stattdessen ruft sie Freund Lasse an. Der hat als Selbständiger schon Seminare zu Zeitmanagement und Selbstorganisation besucht und kann ihr sicher helfen.

          Lasse hat heute keine Termine und steht eine Stunde später in Mechthilds Kanzlei. „Jetzt räumen wir hier erst mal auf“, sagt er. Mechthild fegt den ganzen Schreibtisch frei und sortiert Gleiches zu Gleichem. Alle Visitenkarten kommen auf einen Haufen, die juristischen Zeitschriften auf einen anderen, alle Dokumente für die Buchhaltung wie Rechnungen auf einen weiteren. Mit dieser „Clear-Desk“-Methode schmelzen die Stapel langsam dahin, die Schreibtischoberfläche kommt wieder zum Vorschein.

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