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Kartenzahlung : Das war es für Maestro

Das rot-orange Mastercard-Logo könnte auf vielen Girocards das rot-blaue Maestro-Logo ablösen. Bild: Bloomberg

Auf Millionen Karten prangt das rot-blaue Logo von Maestro. Mastercard stellt den Service nun ein. Was das für die Banken bedeutet – und die Kunden.

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          Maestro und die Girocard – das schien für viele Jahre eine fast unumstößliche Beziehung zu sein. Das rot-blaue Logo prangte fast zwei Jahrzehnte nahezu auf jeder Girocard. Doch nur die wenigsten wissen, was die beiden farbigen Kreise eigentlich bedeuten – dabei sind sie für den Nutzen der Karte eminent wichtig. Um zu verstehen, warum das so ist, dazu muss man ein paar Jahre zurückgehen.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Als die ersten Bezahlkarten in den Sechzigerjahren auf den Markt kamen, dienten sie zuerst nur als Garantiekarten gemeinsam mit einem Scheck. Doch Europa wuchs in den folgenden Jahren schnell zusammen – und schuf 1972 das Eurocheque-System. Sie sind der Vorläufer dessen, was wir später immer ec-Karten nannten. Damals noch eine internationale Scheckkarte, kam mit dem Aufkommen von mehr und mehr Geldautomaten eine Funktion zum Geldabheben hinzu. Seit Anfang der Neunzigerjahre konnte man dann flächendeckend mit Karte und Geheimzahl bezahlen – das System Electronic Cash war geboren. Doch die Schecks starben aus, seit dem Jahr 2002 mussten Banken sie nicht mehr einlösen. Damit starb auch das klassische ec-System. Viele Banken setzten nun auf Maestro von Mastercard oder V Pay von Visa, um ihren Kunden den Karteneinsatz auch international zu ermöglichen. Mittlerweile setzten auch zahlreiche Händler auf sogenannte mobile Point-of-Sale-Terminals (mPoS-Terminals) und damit nicht mehr auf Maestro oder V Pay – etwa die Terminals vom Fintech SumUp. Auch die Billigkleidungsmarke Primark hat solche Terminals im Einsatz.

          Doch nun wird Mastercard das Maes­tro-System beerdigen. Darüber informierte das Kreditkartenunternehmen nun alle Banken und Finanzdienstleister in einem Schreiben, das der F.A.Z. vorliegt. Zuerst berichtete der Branchendienst Finanz-Szene über den Ausstieg von Mastercard. Demnach sollen die Banken vom 1. Juli 2023 an keine Maes­tro-fähigen Karten mehr ausgeben dürfen. Von den rund 100 Millionen Girocards verfügt ein riesiger Anteil über dieses von der Branche so getaufte „Co-Badging“. Allgemein erwartet wird, dass V Pay (das Visa-Äquivalent zu Maestro) nachziehen wird. Die Deutsche Kreditwirtschaft wollte sich am Dienstag noch nicht zu den Folgen äußern.

          Die Formel lautet also: Kein Maestro oder V Pay auf der Girocard, keine internationale Kartenzahlung oder Bargeldabhebung, und obendrauf wird es auch bei den immer beliebter werdenden mPoS-Terminals komplizierter.

          Die Laufzeit entscheidet

          Was heißt das nun für die Kunden? Erst einmal wenig. Wer heute eine Girocard mit dem Maestro-Symbol hat, kann sie auch bis zum Ende der Laufzeit nutzen. Diese findet sich meist auf der Vorderseite unten rechts wieder. Wer vor Ende der Ablaufzeit sogar eine neue Kreditkarte mit Maestro-Zeichen bekommt, kann die Maestro-Funktion bis zum Ende der Laufzeit nutzen. Das kann auch noch bis zum Jahr 2027 sein.

          Doch hier wird es spannend: Wenn die Maestro-Verbreitung weiter schrumpft – und das wird sie vom Sommer 2023 an –, wird auch über kurz oder lang die Akzeptanz leiden. Viele Händler und auch Banken könnten dann schon vorher das Interesse an Maestro verlieren, die Akzeptanz wird also sinken. Und dann?

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