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Air France KLM : Massive Staatshilfen für Lufthansa-Konkurrenten

Geparkte Flugzeuge von Air France Bild: AP

Frankreich und die Niederlande wollen die zweitgrößte Fluggesellschaft Europas mit hohen Garantien und Krediten retten. Die insgesamt 9 bis 11 Milliarden Euro kommen aber nicht ohne Bedingungen.

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          Die französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France-KLM erhält massive staatliche Kredithilfe, die dem Unternehmen das Überleben in der Corona-Krise sichern soll. Der nach der Lufthansa gemessen am Umsatz zweitgrößte Lufttransporteur Europas wird Darlehen von 7 Milliarden Euro erhalten, wie das Unternehmen am Freitagabend nach einer Verwaltungsratssitzung bekannt gab.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Im Einzelnen vergibt ein Konsortium von sechs Banken Air France einen Kredit von 4 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von zunächst 12 Monaten, der zu 90 Prozent vom französischen Staat garantiert wird. Darüber hinaus erhält Air France vom französischen Staat ein Darlehen über 3 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von 4 Jahren.

          Beide Kredite können verlängert werden. Die Staaten Frankreich und die Niederlande sind mit jeweils 14,3 Prozent im Kapital von Air France-KLM die größten Aktionäre.

          Neben Frankreich wird auch die niederländische Regierung aktiv: Sie wird Staatshilfen von 2 bis 4 Milliarden Euro an KLM vergeben, wie sie am Freitagabend mitteilte. Die Gesamtunterstützung wird sich demnach auf 9 bis 11 Milliarden Euro belaufen. Air France-KLM plant nach eigenen Angaben auch eine Kapitalerhöhung, die bis spätestens Frühjahr 2021 erfolgen soll, wenn es die Marktbedingungen erlauben. Frankreich und die Niederlande werden ihre Teilnahme daran prüfen.

          AIR FRANCE-KLM INH. EO 1

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          Die massiven Subventionen brauchen noch die Genehmigung der EU-Kommission, doch am grünen Licht aus Brüssel bestehen wenige Zweifel. Wegen der weitgehenden Stilllegung der Flotte ist  die Geschäftstätigkeit von Air France auf weniger als 5 Prozent des sonstigen Niveaus gesunken.

          Die Verluste von Air France-KLM schätzen Branchenexperten auf 25 Millionen Euro am Tag – und eine Erholung lässt auf sich warten. Der Air France-KLM-Vorstandsvorsitzende Ben Smith sagte in dieser Woche bei einer Anhörung im Senat, der zweiten Parlamentskammer Frankreichs, dass das Umsatzniveau von 2019 erst wieder 2022 erreicht werden könnte.

          Frankreichs Aushängeschild

          Für die französische Regierung ist Air France „ein Aushängeschild der französischen Wirtschaft“, wie der Finanz- und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire sagte, daher werde man alles für die Rettung tun. Andere Staaten sind bereits aktiv geworden: Singapur beispielsweise stützt die Fluggesellschaft Singapur Airlines, die gerade die Streichung von 96 Prozent aller Linienflüge bis Ende Juni bekanntgegeben hat. Donald Trump hat für die amerikanischen Airlines ebenfalls massive Staatshilfen in zweistelliger Milliardenhöhe angekündigt.

          Die französischen Staatskredite kommen indes nicht ohne Bedingungen. Air France soll nun an seiner Kostenstruktur arbeiten. Das Unternehmen hinkt beim Gewinnniveau schon seit langem hinter den Konkurrenten IAG und Lufthansa hinterher. Die schon laufenden Effizienzprogramme würden nun verstärkt, wie Konzernchef Smith angekündigte.

          Außerdem soll die französische Fluggesellschaft nach dem Wunsch der Regierung an ihrer CO2-Bilanz arbeiten. Streckenschließungen für kürzere Inlandsflüge, für die Bahnverbindungen als Alternative zur Verfügung stehen, werden nun geprüft. Die Erneuerung der Flugzeugflotte durch effizientere und schadstoffärmere Maschinen soll weiterlaufen.

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