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Ehemaliger Vorstandschef : Brauns Anteil an Wirecard fällt auf weniger als drei Prozent

  • Aktualisiert am

Was wird aus Markus Braun? Bild: AP

Die Ermittlungen im Bilanzskandal um den deutschen Zahlungsabwickler Wirecard laufen weiter. Neben Braun ist vor allem ein anderer ehemaliger Vorstand im Visier.

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          Der frühere Wirecard-Chef Markus Braun hat im Zuge des Bilanzskandals seine Beteiligung an dem Zahlungsdienstleister deutlich reduziert. Per Freitag hielt er noch 2,62 Prozent an Wirecard, wie aus einer nun veröffentlichten Stimmrechtsmiteilung hervorgeht. Vor einer Woche waren es noch 8,04 Prozent, wie aus einer weiteren Stimmrechtsmitteilung hervorging.

          Braun hatte in der vergangenen Woche große Aktienpakete verkaufen müssen, nachdem der Wirecard-Aktienkurs auf Talfahrt ging. Auch diese Aktienverkäufe prüft die Finanzaufsicht Bafin, wie eine Behördensprecherin sagte.

          Braun stand fast zwei Jahrzehnte an der Spitze von Wirecard und war der größte Aktionär des Zahlungsdienstleisters. Am vergangenen Donnerstag schockierte der Dax-Konzern mit der Mitteilung über fehlende 1,9 Milliarden Euro, Braun nahm seinen Hut. Inzwischen steht fest, dass das Geld aller Wahrscheinlichkeit nach gar nicht existierte.

          Wegen des Kursabsturzes musste Braun vergangenen Donnerstag und Freitag Wirecard-Aktien für 155 Millionen Euro veräußern, um Nachschusspflichten gegenüber Kreditgebern (Margin Calls) zu erfüllen, wie aus Pflichtmitteilungen vom Dienstagabend hervorging. „Selbstverständlich schaut sich die Bafin die veröffentlichten vier Aktienverkäufe aufgrund von Margin Calls an“, sagte die Bafin-Sprecherin.

          Fahndung nach Marsalek läuft

          Schon zuvor stand Braun, gegen den die Staatsanwaltschaft München inzwischen wegen des Verdachts der Bilanzfälschung und der Marktmanipulation ermittelt, wegen seiner Aktiengeschäfte im Visier der Finanzaufsicht. Er hatte Ende Mai Wirecard-Papiere gekauft, obwohl Personen mit Führungsaufgaben 30 Tage vor der Veröffentlichung des Geschäftsberichts keine Aktien des eigenen Unternehmens erwerben dürfen, um möglichen Insiderhandel einen Riegel vorzuschieben.

          Der mehrmals verschobene Geschäftsbericht 2019 sollte eigentlich am 18. Juni veröffentlicht werden – liegt aber immer noch nicht vor. Brauns Investmentvehikel hatte damals erklärt, der Aktienkauf sei rechtlich nicht zu beanstanden.

          Unterdessen fahnden Ermittler weiter nach dem ehemaligen Vorstand Jan Marsalek. Der Manager, der das Unternehmen an der Seite des früheren Konzernchefs Braun rund 20 Jahre lang geprägt hat, muss mit einer Verhaftung rechnen, wie mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten. Es gebe Hinweise darauf, dass sich Marsalek auf den Philippinen aufhalte, sagte Justizminister Menardo Guevarra.

          Der öffentlichkeitsscheue Marsalek galt als graue Eminenz von Wirecard. Er kam im Jahr 2000, zwei Jahre vor Braun, zu dem Unternehmen. Er machte dort rasch Karriere und war in den vergangenen Jahren im Vorstand für das Tagesgeschäft verantwortlich, darunter auch die Asien-Aktivitäten. Am Montag war er fristlos entlassen worden.

          Angeblich stehen die deutschen Strafverfolger und Marsalek direkt oder indirekt im Kontakt miteinander. Die Staatsanwaltschaft München und Marsaleks Anwalt in München wollten sich nicht äußern. Grund eines Haftbefehls kann außer Fluchtgefahr auch die Befürchtung der Justiz sein, dass der Beschuldigte Beweise vernichtet oder Zeugen beeinflusst. Zudem muss die Staatsanwaltschaft einen dringenden Tatverdacht hegen.

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