https://www.faz.net/-gv6-2gn8

Markteinschätzung : Licht am Ende des Tunnels?

  • -Aktualisiert am

Zum ersten Mal seit einiger Zeit hat die Nasdaq wieder eine freundliche Woche erlebt und mehr als neun Prozent zugelegt. Noch ist die Gefahr jedoch nicht gebannt.

          3 Min.

          Die Nasdaq hat eine lange Durststrecke überwunden. Zum ersten Mal seit Monaten hat sie wieder eine freundliche Woche erlebt und 9,6 Prozent zugelegt. Erstaunlich ist dabei, dass die US-Technologiebörse gerade dann zum Gegenschlag ansetzt, wenn es nur so von negativen Nachrichten hagelt. Die im Vorfeld sehnlichst erwarteten Geschäftsergebnisse von Yahoo enttäuschten auf ganzer Linie.

          Am Donnerstag nach Börsenschluss warnte Hewlett Packard dann ebenfalls vor unter den Prognosen liegenden Ergebnissen. Die IT-Ausgaben der privaten Haushalte und der Industrieunternehmen seien rückläufig, ein Zeichen für den nachlassenden Konjunkturaufschwung in Amerika. Gateway verfehlte mit den Quartalsergebnissen die Vorhersagen der Analysten, Rambus kann für das laufende Quartal kein Wachstum versprechen. Lauter Hiobsbotschaften, die aber nicht mehr zu Kursverlusten auf breiter Front führen. Haben die Börsianer die schwächelnde US-Konjunktur bereits abgearbeitet und die Kurse die Talsohle durchschritten?

          Bessere Aussichten

          Eindeutige Signale gibt es leider nicht, aber zumindest stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Nasdaq den Boden gesehen hat und die Technologiewerte zum Kontern ansetzen. Aber dies bedeutet nicht, dass die Anleger bereits wieder Gewehr bei Fuß stehen müssen, um die nächste Hausse nicht zu verpassen. Noch ist Vorsicht geboten. Für die Börsen spricht, dass die Federal Reserve Bank mit ihrer überraschenden Zinssenkung in der vergangenen Woche ein klares Zeichen gesetzt hat: Fed-Chairman Greenspan kümmert sich um die drohende Rezession. „Greenspan wird's schon richten“, meint ein Händler und bringt damit das Vertrauen der Kapitalmärkte in Greenspan zum Ausdruck. In seiner 13-jährigen Amtszeit hat der Fed-Chairman jedes Mal den Geldhahn aufgedreht, wenn's für die Börse eng wurde.

          Auch ist das Schreckgespenst Inflation erst einmal verdrängt. Der Ölpreis dürfte die Höchstkurse hinter sich gelassen haben und der Euro berappelt sich. Damit sinkt die Gefahr einer importierten Inflation. Ungelöst für die Aktienmärkte ist bislang allerdings, welche Bewertungsniveaus für Technologiewerte gerechtfertigt sind. Hatte Yahoo in der Hausse im vergangenen Jahr noch ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 400, liegt es nunmehr bei rund 50. DaimlerChysler kommt gerade einmal auf elf, Siemens auf 27.

          „Für strategische Investments noch zu früh“

          Wenn fundamental 'mal wieder schwierig ist, lohnt ein Blick auf die Charts. Hier gibt sich kurzfristig ein optimistisches Bild für die Technologietitel. „Wenn die Nasdaq den Abwärtstrend bei 2.683 Punkten knackt, hat der Index Potenzial bis auf 3.000 Punkte“, meint Stefan Schilbe, technischer Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Danach werde die Luft jedoch dünn. Kurzfristige Investoren, die unabhängig von Steuergesichtspunkten ein paar Mark verdienen möchten, könnten derzeit durchaus einige Positionen aufbauen. Für ein strategisches Investment ist es seiner Meinung nach jedoch noch zu früh. Er stuft die erwartete Erholung noch als Bärenmarkt-Rally ein.

          „Unter Risikogesichtspunkten können im Nasdaq erste Positionen aufgebaut werden“, meint auch Klaus Tafferner. Der technische Analyst leitet aus seinen Untersuchungen zwei Szenarien ab. Entweder die Korrektur ist bereits abgeschlossen und nun erfolgt ein neuer Aufwärtstrend, der die Nasdaq bis 2005/2006 auf neue Höchststände führt. Oder der Abwärtstrend korrigiert nur bis auf 2.800 bzw. 3.100 Punkte und setzt dann zu einem neuen Abwärtstrend an, der schlimmstenfalls erst bei 1.860 Punkten gestoppt wird.

          Kurzfristige Situation aufgehellt

          In beiden Fällen sieht es zumindest kurzfristig besser aus als noch in den vergangenen Wochen. Frederik Altmann traut der Nasdaq ebenfalls einen Marsch bis auf 3.000 Punkte zu, dann könnten jedoch wieder Gewinnmitnahmen einsetzen. Der Analyst von Hornblower Fischer macht sogar Anzeichen für eine Trendwende aus. „Die jüngste Volatilität bei den Einzelwerten spricht durchaus für das Ende des Bärenmarktes“, so Altmann. Denn in der Vergangenheit seien Stimmungsumschwüngen an den Aktienmärkten immer hohe Schwankungsbreiten vorausgegangen.

          Für eine mittelfristig freundlichere Tendenz an den Aktienmärkten spricht auch das derzeitige Bewertungsniveau. „Der Dax ist aktuell mit einem KGV von 19 bewertet, während das vergleichbare KGV für Renten bei 21 liegt“, meint Gerhard Schwarz, Aktien-Stratege bei der HypoVereinsbank. Der Abschlag gegenüber den Renten eröffne für die Aktien Spielraum nach oben. Schwarz rechnet mit einer Bodenbildung an den Aktienmärkten und Kursgewinnen im zweiten Halbjahr, die eine Erholung der Technologiewerte implizieren. Kurzfristig dürften die Märkte jedoch volatil bleiben: „Und eines ist klar, ein neuer Aufschwung wird wesentlich selektiver von Einzelwerten getragen als die vergangene Hausse.“ Eine blinde Prämie für TMT-Titel werde es nicht mehr geben.

          Weitere Themen

          Geld her!

          FAZ Plus Artikel: Kapitalerhöhung für Lufthansa : Geld her!

          Der deutsche Staat will sich mit 20 Prozent an der angeschlagenen Lufthansa beteiligen. Die Kapitalerhöhung soll unter dem Ausschluss von Bezugsrechten für Altaktionäre stattfinden. Das wird ihre Anteile verwässern. Was passiert in diesem Fall eigentlich?

          Topmeldungen

          Noch ist der Rote Platz in Moskau menschenleer, doch ab Juni will die russische Regierung die Corona-Restriktionen lockern.

          Trotz hoher Corona-Zahlen : Russland beginnt mit größeren Lockerungen

          Seit mehr als zwei Monaten gibt es in Moskau – Europas größter Stadt – strenge Ausgangssperren. Obwohl die Corona-Zahlen weiter viel stärker steigen als etwa in Deutschland, dürfen die Menschen zumindest zeitweise auf die Straße gehen, Läden sollen öffnen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.