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Marktbericht : Sparpaket belastet deutschen Aktienmarkt

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Sparpläne der Bundesregierung sind von Aktienanlegern in Deutschland mit Skepsis aufgenommen worden. Neben den direkten Auswirkungen sorgten die Sparpläne auch für neue Verunsicherung bezüglich der volkswirtschaftlichen Perspektiven, heißt es.

          Das mit Skepsis aufgenommene Sparpaket der Bundesregierung hat am Dienstag den deutschen Aktienmarkt belastet. Nach einem freundlichen Handelsstart griff erneut Nervosität um sich und der Dax drehte ins Minus. Mit einem Abschlag von 0,6 Prozent auf 5869 Punkten ging der Leitindex aus dem Tag. Der MDax verlor 1,5 Prozent auf 7744 Punkte und der TecDax sank um 1,5 Prozent auf 720 Punkte.

          „Die Bundesregierung mit ihrem milliardenschweren Sparpaket und die Ratingagentur Fitch haben erneut Unsicherheit geschürt und damit den Gesamtmarkt belastet“, urteilte Marktanalyst Patrick Pflüger von IG Markets. Darunter litten vor allem die im Dax schwer gewichteten Versorger, aber auch die Lufthansa-Aktie. Zudem habe sich die Ratingagentur Fitch sehr besorgt über die hohe öffentliche Verschuldung Großbritanniens geäußert, was für zusätzlichen Druck gesorgt habe.

          Versorger und Lufthansa leiden besonders

          Die Papiere von Eon und RWE waren folglich die größten Dax- Verlierer, da die Bundesregierung eine Brennelemente-Steuer einführen will. Während der Kurs der Eon-Aktien 3,6 Prozent einbüßte, sank der von RWE um 2,9 Prozent. UBS-Analyst Patrick Hummel wies darauf hin, dass eine solche Steuer den Gewinn je Aktie bei Eon um zehn und bei RWE um elf Prozent schmälern könnte.

          Von einem „schwarzen Tag“ sprach die Lufthansa nach den Plänen von Schwarz-Gelb zu einer Luftverkehrsabgabe. Die Titel der größten deutschen Fluggesellschaft sackten an drittletzter Stelle im Dax um 2,2 Prozent auf 10,515 Euro ab.

          Die Papiere der Munich Re erholten sich bis Börsenschluss von ihren frühen Verlusten. Nachdem sie am späten Vormittag bis auf 98,38 Euro gefallen waren, gingen sie mit minus 0,2 Prozent auf 100,65 Euro aus dem Handel. Der weltgrößte Rückversicherer hatte seine Schadensschätzung für das Erdbeben in Chile angehoben, aber die Gewinnprognose für das Gesamtjahr beibehalten.

          Dialog Semiconductor an der TecDax-Spitze

          Die Aktien von ProSiebenSat.1 gingen mit 6,4 Prozent auf Talfahrt, nachdem das Fusionsverbot des Bundeskartellamtes zwischen Axel Springer und dem TV-Konzern vom Bundesgerichtshof bestätigt worden war. Mit Abschlägen von 1,1 Prozent reagierten die Aktien des Baukonzerns Bilfinger Berger auf neue Details zum geplanten Börsengang seines Australiengeschäfts.

          Im TecDax dagegen setzten sich die Titel von Dialog Semiconductor mit einem Plus von 3,5 Prozent auf 8,62 Euro an die Spitze. Der Schaltkreis-Hersteller gilt als einer der Hauptprofiteure des überdurchschnittlichen Wachstums bei Smartphones. Zudem dürfte er laut einer positiven Studie der Commerzbank wichtigster Zulieferer von Stromversorgungslösungen für die neue Generation von iPhone und iPod Touch von Apple bleiben.

          Mit Blick auf die europäischen Börsen gab der Eurostoxx 50 um 0,8 Prozent auf 2511 Punkte nach und auch die Börsen in Paris und London schlossen etwas schwächer. Am deutschen Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 2,09 (Montag: 2,12) Prozent. Der Kurs des Euro erholte sich bis zum frühen Abend und stieg auf 1,1976 Dollar.

          Wall Street uneinheitlich

          Die Zuversicht von amerikanischen Notenbankchef Ben Bernanke hinsichtlich der amerikanischen Konjunktur und eine Lösung der europäischen Schuldenkrise beflügelt am Dienstag die amerikanischen Standardwerte. Bernanke zeigte sich optimistisch, dass die Vereinigten Staaten nicht erneut in eine Rezession abgleiten werden. Die Euro-Länder hätten zudem die Mittel zur Rettung hoch verschuldeter Mitglieder der Währungsgemeinschaft.

          „Die Märkte bleiben nervös“, beschrieb Frank Lesh von Future Path Trading die Lage. „Aber seine Äußerungen haben die Märkte zunächst stabilisiert.“ Der Dow-Jones-Index der 30 Industriewerte (DJIA) gewinnt 0,5 Prozent auf 9866 Punkte und der S&P-500 0,4 Prozent auf 1054 Punkte. Der Technologieindex Nasdaq Composite fällt dagegen um 0,8 Prozent auf 2157 Punkte, nachdem die Bank of America-Merrill Lynch die Kursziele von sieben Internet-Aktien reduziert hat.

          Die Markteilnehmer wiegen zuversichtliche Aussagen des amerikanischen Notenbankchefs Ben Bernanke gegen besorgte Äußerungen der Ratingagentur Fitch zu den britischen Staatsfinanzen ab, heißt es.

          Exxon-Mobil legen mit einem anziehenden Ölpreis um 2,5 Prozent zu auf 60,78 Dollar zu und stellen sich damit an die Spitze des DJIA. McDonald's gewinnen 1,2 Prozent auf 67,58 Dollar. Die Fast-Food-Kette hat für Mai einen bereinigten Umsatzanstieg um 4,8 Prozent berichtet, aber gewarnt, dass negative Währungseffekte, insbesondere wegen des fallenden Euros, die Ergebnisse des laufenden Jahres belasten werden.

          Caterpillar legen um 1,5 Prozent auf 56,679 Dollar zu, nachdem der Baumaschinenhersteller in einem Strategie-Update mitgeteilt hat, ein jährliches Wachstum des Gewinns je Aktie um 15 Prozent bis 20 Prozent anzustreben.

          Internet und Tiefseebohrungen wenig gefragt

          Auf den Verkaufslisten der Börsianer stehen indes die Aktien von Amazon. Der Kurs fällt um 2,5 Prozent. Zuvor hatte die Bank of America-Merrill Lynch wegen des Dollar-Anstiegs das Kursziel für den Internet-Händler abgesenkt.

          Zu den Verlierern gehören auch Titel von Unternehmen aus der Tiefsee-Ölförderung. Goldman Sachs hatte zuvor die Erwartung geäußert, dass das sechsmonatige Moratorium auf Tiefsee-Bohrungen verlängert werden wird. Der Kurs der Transocean-Aktie fällt um mehr als 9 Prozent, der von Diamond Offshore Drilling um mehr als 6 Prozent.

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