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Marktbericht : „Spanische Grippe“ belastet den Dax

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die deutschen Aktienindizes haben am Mittwoch weiter an Boden verloren. Anhaltende Sorgen um die Verschuldung von Griechenland bis Dubai hätten durch einen negativen Kommentar der Ratingagentur S&P zu Spanien neue Nahrung erhalten, heißt es.

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          Die deutschen Aktienindizes haben am Mittwoch weiter an Boden verloren. Anhaltende Sorgen um die Verschuldung von Griechenland bis Dubai hätten durch einen negativen Kommentar der Ratingagentur Standard & Poor's zu Spanien neue Nahrung erhalten und die Börsen hätten daraufhin ihren Erholungsversuch aus dem frühen Handelsverlauf abgebrochen. Der Dax verlor schließlich 0,72 Prozent auf 5.647,84 Punkte. Im Verlauf kletterte der Leitindex noch bis auf ein Hoch bei 5.712 Zählern. Der MDax endete mit einem Minus von 0,84 Prozent bei 7.228,36 Punkten. Der Technologieindex TecDax sackte um 0,78 Prozent auf 806,52 Zähler ab.

          „Die schlechtere Nachrichtenlage und der Drang, Aktien noch vor dem Jahresende zu kaufen, heben sich derzeit auf“, sagte Marktanalyst Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel. Aus dieser Pattsituation resultiere die aktuelle Seitwärtsbewegung zwischen 5.600 und 5.850 Punkten im Dax. Auf Tagessicht habe sich die Unsicherheit wegen der negativen Tendenz bei der Bonitätsentwicklung in Spanien wieder erhöht. Somit trübe sich das fundamentale Bild spürbar ein und das Risiko wachse - dies belaste derzeit die Börsen. Der Euro dürfte unterdessen aus Sicht von Schutter solange stabil bleiben, bis die Notenbanken beginnen, an der Zinsschraube zu drehen. Von dieser Seite erwartet der Analyst entsprechend kurzfristig kein neues Störfeuer.

          Ein negativer Ausblick der Ratingagentur S&P für die Bonität Spaniens hat dazu beigetragen. Sie hatte ihren Ausblick auf „negativ“ von „stabil“ gesenkt, allerdings die Einstufung der langfristigen Bonität mit „AA+“ und der kurzfristigen Bonität mit „A-1+“ bestätigt. Der Renditeaufschlag der zehnjährigen spanischen Staatsanleihe gegenüber der Bundesanleihe mit gleicher Laufzeit weitete sich leicht auf 63,4 Basispunkte aus, der spanische Ibex-Index liegt im späten Handel 2,5 Prozent in Minus.

          „Wir rauschen mit guten Umsätzen im Future nach unten“, meint ein Händler. Nach dem Bruch der Unterstützung bei 5.642 im Futures sei ein Rückgang bis in den Bereich von 5.580/90 Punkten nicht auszuschließen. Die Rückstufung habe die Erholungsansätze vom Vormittag wieder einmal zunichte gemacht.

          Finanzwerte unter Druck

          Bankenwerte zählten zu den größten Verlierern und brachen nach der Spanien-Meldung ebenfalls einen Erholungsversuch ab. Die Anteile an der Deutschen Bank verloren 1,74 Prozent auf 47,500 Euro, Commerzbank-Titel gaben am Dax-Ende sogar 2,30 Prozent auf 5,950 Euro ab. Börsianern zufolge drückt die Schuldenkrise in dem arabischen Emirat Dubai und die Sorge um Griechenland und nun auch Spanien weiter auf die Stimmung in dem Sektor. Zwar drohten infolge der Zahlungsschwierigkeiten vor allem britischen Banken hohe Abschreibungen, hieß es, die negativen Nachrichten belasteten aber die gesamte Branche. Der Schuldenberg des Bauunternehmens Nakheel, Tochter des Staatsfonds Dubai World, beläuft sich offiziellen Angaben zufolge auf umgerechnet 13,5 Milliarden Euro. Auch die Schuldenlast von Griechenland und die Entwicklung der Kreditwürdigkeit des EU-Mitglieds habe weiter belastet.

          Siemens setzten unterdessen ihre zu Monatsbeginn mit der Vorlage von Zahlen eingeleitete Kursschwäche fort: Die Aktien des Mischkonzerns büßten 2,29 Prozent auf 60,61 Euro ein und hielten sich nur knapp über 59,50 Euro, die letztmalig Anfang September unterboten wurden. Zu Monatsbeginn waren noch 68,10 Euro bezahlt worden. Ebenfalls aus dem Technologiesektor rutschten Infineon-Aktien zur Schlussauktion mit 0,15 Prozent ins Minus auf 3,370 Euro auf Tagestief. Der Halbleiterkonzern erhofft sich für die Zeit nach dem September 2010 ein überproportionales Ergebnisplus, was von Börsianern positiv gewertet worden war. Uneindeutig war die Auswirkung Texas Instruments. Der US-Konzern schätzt seine Ergebnissituation zwar optimistischer ein als zuvor, die Aktien quittierten dies aber mit minus 2,58 Prozent, hatten sie doch einen noch besseren Ausblick erwartet.

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