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Marktbericht : Schuldenkrise hält Märkte in Atem

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Im Bann der Schuldenkrise hat der deutsche Aktienmarkt seine Talfahrt fortgesetzt. Indes erholte sich der Markt im Tagesverlauf zusehends von seinen Tiefständen.

          Die Schuldenkrise in Europa hat die Finanzmärkte am Dienstag durchgerüttelt. Vor allem in den ersten Handelsstunden fürchteten Anleger, dass sich ein Übergreifen auf andere Sorgenkinder der EU kaum noch vermeiden lässt. „Weil nun auch Italien massiv unter Druck steht, ist die Unsicherheit einfach wahnsinnig groß“, sagte ein Händler.

          Im Tagesverlauf machten sich aber Hoffnungen auf Fortschritte bei der Bekämpfung der Krise breit, nachdem sich ein EU-Sondergipfel zu dem Thema für Freitag abzeichnete. Der Dax rutschte bei hohen Umsätzen zeitweise um mehr als drei Prozent ab unter die Marke von 7000 Punkten und schloss 0,8 Prozent schwächer bei 7174 Punkten. Der marktbreite FAZ-Index gab 0,7 Prozent auf 1610 Zähler nach. . Für den MDax ging es um 0,6 Prozent auf 10.745 Punkte nach unten, der TecDax büßte 0,8 Prozent auf 871 Punkte ein.

          Euro grenzt Verluste ein

          Der italienische Leitindex rauschte in der Spitze um 4,8 Prozent die Tiefe und notierte damit so niedrig wie seit April 2009 nicht mehr. Zum Handelsschluss hatte er seine Verluste aber wettgemacht und beendete den Tag 1,2 Prozent fester. Der Euro fiel auf ein Vier-Monats-Tief von 1,3838 Dollar, kämpfte sich bis zum Börsenschluss in Europa aber wieder auf Sichtweite zur Marke von 1,40 Dollar heran. Dazu trug auch ein unerwartet hohes amerikanisches Außenhandelsdefizit im Mai bei, was die Gewinne des Dollar abschmelzen ließ.

          Am Rentenmarkt kletterte die Rendite der italienischen zehnjährigen Staatsanleihen mit sechs Prozent auf den höchsten Stand seit 14 Jahren. Auch hier beruhigten sich die Kurse wieder, nachdem eine Auktion von italienischen Staatsanleihen mit zwölfmonatiger Laufzeit nach Einschätzung von Börsianern erfolgreich verlaufen war. Allerdings war die Rendite der Papiere mit 3,67 Prozent so hoch wie seit September 2008 nicht mehr.

          EU-Diplomat: Sondergipfel am Freitag

          Die wachsenden Sorgen vor einer Staatspleite Italiens hatten den Ausverkauf an den Märkten zuletzt beschleunigt. Das Mittelmeerland drückt ein Schuldenberg von rund 120 Prozent des jährlichen Bruttoinlandprodukts. Sollte Italien nun in den Teufelskreislauf steigender Zins- und Schuldlasten geraten, wären die Folgen weitaus gravierender als beim kleineren Griechenland. Experten gehen davon aus, dass der Euro-Rettungsschirm mit einer faktischen Staatspleite dieser Größe überfordert wäre.

          Nach Einschätzung von Händlern hoffen die Märkte jedoch, dass die EU die Krise doch noch in den Griff bekommt. Auf einer Marathonsitzung hatten die Finanzminister der Eurogruppe in der Nacht zum Dienstag beschlossen, die Finanzhilfen für das ebenfalls schwer angeschlagene Griechenland länger und zu niedrigeren Zinsen als bisher geplant zu gewähren. Das zweite Rettungspaket für das Land wurde noch nicht beschlossen, soll aber bald stehen. Eine Staatspleite Griechenlands wird von EU-Regierungsmitgliedern erstmals nicht mehr ausgeschlossen.

          Autowerte und MAN koppeln sich vom Gesamtmarkt ab

          Eine Achterbahnfahrt erlebten vor allem die Finanztitel: Der europäische Bankenindex verlor zunächst mehr als 2 Prozent, drehte dann aber ins Plus und schloss 0,1 Prozent im Minus. Unicredit fielen in Mailand in der Spitze um 8 Prozent auf 1,06 Euro, schlossen dann aber 5,9 Prozent höher. In Frankfurt kamen die Deutsche Bank und die Commerzbank zeitweise mit Abschlägen von mehr als 5 Prozent unter die Räder, bevor sie auf Erholungskurs gingen. Die Commerzbank wies zum Handelsende ein Minus von 0,3 Prozent und die Deutsche Bank einen Abschlag von 1 Prozent aus.

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