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Marktbericht : Kursgewinne der Auto- und Finanzwerte treiben Dax

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Nach den andauernden Verlusten der vergangenen Tage hat sich am Mittwoch die Stimmung am deutschen Aktienmarkt gedreht. Der Leitindex Dax schaffte den Sprung in die Gewinnzone, auch die Nebenwerte legten deutlich zu.

          Kursgewinne der Auto- und Finanzwerte haben dem europäischen Aktienmarkt am Mittwoch kräftigen Rückenwind gegeben. Der Dax drehte im Tagesverlauf ins Plus und schloss 2 Prozent höher bei 5984 Zählern. Der breiter gefasste MDax legte um 3 Prozent auf 7981 Zähler zu, der TecDax stieg um 2,8 Prozent auf 740 Punkte.

          Für einen ordentlichen Schlussspurt sorgten auch Kursgewinne an den amerikanischen Börsen, weil der amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke für gute Stimmung sorgte. Der oberste Zentralbanker geht nach eigenen Angaben mit einer weiteren Wirtschaftserholung in den kommenden Monaten aus. Vor allem der private Verbrauch trage den Aufschwung, betonte Bernanke. Auch aus China kamen positive Konjunktursignale: Berichten zufolge hat das Land im Mai 50 (April: 30,5) Prozent mehr exportiert als im Vorjahr.

          Nicht wirklich fundamental begründet

          Dennoch sei es schwer, rein fundamentale Gründe für die Dynamik der Dax-Aufwärtsbewegung zu finden, sagten Händler. „Es gibt aber heute vergleichsweise wenig Störfeuer für Optimisten und nun wollen diese austesten, was charttechnisch nach oben hin möglich ist“, sagte ein Börsianer.

          Fraglich bleibt nach Meinung von Marktteilnehmern, wie nachhaltig die Kursgewinne sind. „Das Umfeld ist momentan einfach nur ein Alptraum, und die Anleger schwanken zwischen Angst und Hoffnung“, sagte ein Händler. In Europa gesellten sich zu den negativen Schlagzeilen um Griechenland und Ungarn Bedenken der EU-Kommission bezüglich der Qualität der bulgarischen Statistiken.

          Absatzzahlen helfen Autowerten

          Zu den größten Dax-Gewinnern zählten am Mittwoch die Papiere der Autokonzerne Daimler und BMW, die sich um 4,2 Prozent beziehungsweise 3,3 Prozent verteuerten. Die Absatzzahlen vom Mai seien vor allem bei BMW ermutigend, sagten Börsianer.

          Finanzwerte konnten sich dank Schnäppchenkäufern von den Kursverlusten der vergangenen Tagen erholen. Der europäische Bankenindex legte 2,6 Prozent zu. Der Verlust seit Jahresbeginn beträgt allerdings mehr als 15 Prozent. Societe Generale stiegen um 4,7 Prozent, Unicredit-Titel um 2,8 Prozent. Hierzulande gewannen Deutsche Börse 1,7 und Deutsche Bank 2,1 Prozent.

          Auch einen Tag nach dem Großauftrag der Fluggesellschaft Emirates hatten die Aktien von EADS weiter Oberwasser. EADS-Titel stiegen in Paris und Frankfurt jeweils um mehr als sechs Prozent.

          Ein optimistischer Ausblick des amerikanischen Chipherstellers Texas Instruments (TI) gab den Aktien von Infineon Auftrieb. Die Aktien des Halbleiter-Herstellers legten 3,3 Prozent auf 4,57 Euro zu. Die Auftragslage der Chip-Branche bleibe gut - unter anderem
          dank der anhaltend starken Nachfrage nach Smartphones, schrieb DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer in einem Kommentar. TI-Großkunde Nokia konnte von der positiven Stimmung nur kurz profitieren. Spekulationen über eine bevorstehende Gewinnwarnung drückten die Papiere um 2,3 Prozent.

          Versorger weiter unter Druck

          Unter Druck blieben auch die Versorger Eon und RWE, auf die im Zuge der Sparpläne der Bundesregierung neuen Abgaben zukommen dürften. Die Aktien lagen jeweils rund 0,3 Prozent im Plus und damit deutlich schwächer als der Gesamtmarkt.

          Spekulationen über eine Aussetzung der Dividende setzten den ohnehin schwer gebeutelten Aktien des britischen Ölkonzerns BP zu. Die Titel rutschten um 4,2 Prozent auf 392,47 Pence ab. Seit der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ Ende April haben die Aktien des Ölkonzerns damit rund 40 Prozent an Wert verloren. Die amerikanische Regierung übt Druck auf den Konzern aus, die Dividendenzahlung auszusetzen und das Geld für Schadenersatzklagen und zur Beseitigung von Umweltschäden vorzuhalten.

          Bernanke und China sorgen für Optimismus an amerikanischen Börsen

          Die Äußerungen des amerikanischen Notenbankchefs Ben Bernanke und die Exportentwicklung Chinas verhelfen auch der Wall Street zu Gewinnen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte steigt um 1,1 Prozent auf 10.050 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 legt 1,2 Prozent auf 1075 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewinnt 1,4 Prozent auf 2201 Punkte.

          Technologie-Werte gehören zu den Gewinnern. Dank besser als erwarteter Geschäftsaussichten legen Aktien des Chip-Herstellers Texas Instruments um 2,4 Prozent zu. Anteilsscheine des Kommunikationsausrüsters Ciena gewinnen 8,4 Prozent. Das Unternehmen rechnet mit einem geringer als zuvor befürchteten Verlust im zweiten Quartal und mit steigenden Verbraucherausgaben. Auch über die Aussichten dieser Branche war der Schatten der europäischen Schuldenkrise gefallen und hatte die Kurse belastet. Die Firmen verkaufen viel in Europa. Händler hatten befürchtet, die Geschäfte könnten leiden.

          Im Handelsverlauf erwarteten Börsianer noch Hinweise zur weiteren Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft durch die Veröffentlichung des Konjunkturberichts der Notenbank Fed, dem sogenannten Beige Book.

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