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Marktbericht : Erholung am Aktienmarkt hält an

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Ein Vertrauenssignal Chinas zugunsten des Euro hat die Stimmung an den Börsenplätzen in Europa und den Vereinigten Staaten am Donnerstag deutlich aufgehellt. Im Fahrwasser einer klaren Kurserholung an der Wall Street zog der Dax kräftig an.

          Die deutschen Aktienmärkte haben ihren Erholungskurs am Donnerstag fortgesetzt und kräftige Gewinne verzeichnet. Der Dax stieg um 3,1 Prozent auf 5937 Punkte. Der MDax legte um 3,7 Prozent auf 7950 Punkte zu und der TecDax kletterte um 3,5 Prozent auf 741 Punkte.

          Die gute Stimmung begründeten Börsianer mit dem Bekenntnis der chinesischen Zentralbank zu ihren Beständen an europäischen Staatsanleihen. Auch die zuletzt leichte Erholung des Euro wirkt Händlern zufolge positiv.

          Knappe Mehrheit im spanischen Parlament für Sparpaket

          „Wir haben heute beim Dax einen überraschend starken Auftakt gehabt - da sind diejenigen Anleger wohl auf dem falschen Fuß erwischt worden, die auf fallende Kurse gesetzt hatten“, sagte Aktienstratege Christian Schmidt von der Helaba. Die Aufwärtsbewegung habe sich noch einmal beschleunigt, als die charttechnische Marke von 5775 Punkten überschritten worden sei.

          Zur optimistischeren Stimmung der Anleger trug die Verabschiedung von Sparmaßnahmen im spanischen Parlament bei. „Das Ergebnis beruhigt den Markt, denn eine Ablehnung hätte sehr viel Unsicherheit hervorgerufen. Das enge Votum deutet allerdings an, was Spanien noch bevorstehen könnte“, sagte Citigroup-Stratege Jose Luis Martinez. 169 Abgeordnete stimmten für die milliardenschweren Einschnitte im Staatshaushalt des von Schuldenproblemen geplagten Landes, 168 dagegen.

          Finanzwerte en vogue

          Vor allem Finanzwerte waren gefragt. Der europäische Bankenindex stieg um 3,1 Prozent. Die Titel der Man Group führten den britischen Footsie-Index nach überraschend starken Geschäftszahlen mit einem Aufschlag von rund 11 Prozent an. Die Ergebnisse übertrafen die Erwartungen und könnten ein Zeichen dafür sein, dass der weltweit größte börsennotierte Hedgefonds aus dem Gröbsten heraus sei, sagten die Analysten der Credit Suisse.

          Im deutschen Leitindex gewannen Allianz und Münchener Rück jeweils rund 4 Prozent. Die Aktien der Deutschen Bank gewannen am Tag der Hauptversammlung 4,6 Prozent auf 49,37 Euro. Vorstandschef Josef Ackermann betonte, die Stärkung der Kapitalbasis habe oberste Priorität. Die Papiere der Deutschen Börse stiegen um 1,3 Prozent. Vorstandschef Reto Francioni sieht den Frankfurter Börsenbetreiber gestärkt aus der Finanzkrise hervorgehen.

          Daimler und MAN gefragt

          Gewinner im Dax waren die Papiere von Daimler mit plus 4,4 Prozent auf 39,935 Euro. Der Autobauer vereinbarte mit seinem chinesischen Partner BYD die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens. Die neu gegründete Gesellschaft soll die Entwicklung von Elektrofahrzeugen für China voranbringen.

          MAN rückten um 4,3 Prozent auf 68,85 Euro vor. Ein Händler begründete den Kursgewinn mit der weiteren Erholung des Nutzfahrzeugmarktes in der EU. Die Zahl der Neuzulassungen war im April nach Angaben des Branchenverbandes ACEA im Vergleich zum Vorjahresmonat um 9,1 Prozent gestiegen.

          Heute höhere Stahlpreise?

          Einmal mehr im Blick standen Stahlwerte. ThyssenKrupp verteuerten sich um 3,8 Prozent auf 21,995 Euro. Salzgitter gewannen 3,5 Prozent. Einem Bericht zufolge hebt der japanische Konkurrent Nippon Steel seine Stahlpreise um bis zu 15 Prozent an. Entsprechend hatte der Sektor bereits im japanischen Handel zu den Favoriten gehört.

          Pfleiderer gewannen im MDax mehr als 10 Prozent. Das Papier des Holzwerkstoff-Spezialisten profitierte laut Händlern vor allem von einer Hochstufung durch die HSBC von „Underweight“ auf „Neutral“.

          Im TecDax setzten Singulus, Aixtron und Kontron ihre Aufholjagd vom Vortag fort. Sie legten zwischen 6 und 8 Prozent zu. Zu den schwächeren TecDax-Werten zählten SMA Solar mit plus 0,4 Prozent. Weil andere Solartitel mit dem Markt fest tendierten, vermutete ein Börsianer einen Zusammenhang mit der Hauptversammlung am Donnerstag und der am Freitag folgenden Dividendenzahlung von 1,30 Euro je Aktie. „Vielleicht machen einige vor der Ausschüttung noch Kasse“, so der Händler.

          Chinas Unterstützung für Europa beflügelt amerikanische Börsen

          Chinas Unterstützung für Europa gibt den amerikanischen Börsen am Donnerstag Auftrieb. Die chinesische Zentralbank wies einen Zeitungsbericht zurück, wonach das Land angesichts der Euroschwäche seine Strategie auf den Prüfstand stelle. Der Bericht hatte den amerikanischen Börsen am Vortag zugesetzt und sie deutlich ins Minus gedrückt.

          Die Aussagen der Chinesen hätten geholfen, den Druck wegen der Schuldenlage in Europa zu einem großen Teil aus dem Markt zu nehmen, sagte Dan Cook, Analyst von IG Markets. Zudem erklärte der Chef der Federal Reserve von St. Louis, James Bullard, er rechne nicht mit einem Übergreifen der Krise in Europa auf die Vereinigten Staaten.

          Der Dow-Jones-Index der Standardwerte steigt um 2,1 Prozent auf 10.184 Punkte. Der S&P-Index gewinnt 2,35 Prozent auf 1093 Zähler, der Index der Technologiebörse Nasdaq 2,7 Prozent auf 2255 Zähler.

          Amerikanische Wirtschaft erholt sich nicht so stark wie erwartet

          Dass sich die amerikanische Wirtschaft im ersten Quartal 2010 nicht so stark erholte wie erwartet, dämpft die Stimmung der Anleger nicht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft stieg von Januar bis März mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,0 Prozent. Eine frühere Schätzung hatte noch plus 3,2 Prozent ergeben. Analysten hatten erwartet, dass dieses Ergebnis auf 3,4 Prozent nach oben korrigiert wird.

          Bei den Einzelwerten stehen die Finanzbranche und Rohstofffirmen im Blickpunkt. Die Aktien von Citigroup legten beispielsweise um 3,9 Prozent zu. Die Papiere der United States Steel klettern gar um 5 Prozent. Händler sprechen von einer Erholung, nachdem Anteilsscheine von Kreditinstituten und Rohstoffkonzernen bei der jüngsten Verkaufswelle auf den Markt geworfen wurden.

          Beim amerikanischen Einzelhändler Costco zogen die Geschäfte im dritten Quartal an, der Umsatz stieg um 12 Prozent. Der Aktienkurs legt um 4,75 Prozent zu. Gefragt sind auch Hochtechnologiewerte wie Microsoft und Intel mit Aufschlägen von jeweils rund fünf Prozent.

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