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Marktbericht : Die Aktienrally macht eine Pause

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Aktienmärkte sind schwächer in die neue Handelswoche gestartet. Italien kann sich auch für zehn Jahre günstiger Geld leihen. Sorgen um Portugal wachsen.

          2 Min.

          Die europäischen Börsen haben zu Wochenbeginn schwach tendiert. Der Euro Stoxx 50, der die 50 wichtigsten börsennotierten Unternehmen des Euroraums abbildet, und der deutsche Standardwerteindex Dax verloren mehr als 1 Prozent gegenüber ihrem Schlussstand vom Freitag der vergangenen Woche. Finanztitel wie etwa die Aktien  der französischen Großbanken BNP Paribas und Société Générale, aber auch der Deutschen Bank gehörten zu den schwächsten Werten. Der Kurs der BNP-Titel sank um mehr als 5 Prozent.

          Am Wochenende kündigte der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy an, notfalls auch im Alleingang eine Finanztransaktionssteuer einführen zu wollen - und zwar schon im August. Nicht klar ist indes, inwieweit der nun in den Wettstreit um seine Wiederwahl eintretende Präsident dies aus wahltaktischen Gründen tut. Außerdem wurde unter Marktteilnehmer diskutiert, was das erste Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs an diesem Montag in Brüssel bringe werde. Mit Ausnahme Großbritanniens wollen sich die EU-Länder auf einen Fiskalpakt einigen, der ihnen helfen soll, die Staatshaushalte zu konsolidieren.

          Italien kann auch langfristig Geld leihen

          Vergleichsweise erfreulich verlief die Auktion neuer italienischer Staatsanleihen mit langen Laufzeiten.  Die drittgrößte Volkswirtschaft des Euoraums nahm während einer Auktion fünf- und zehnjähriger Anleihen mehr als 7,5 Milliarden Euro ein. Für die zehnjährigen Papiere musste das Schatzamt in Rom eine durchschnittliche Verzinsung von gut 6 Prozent bieten, für die fünfjährige Laufzeit eine von 5,4 Prozent. Die zehnjährige Verzinsung in der entsprechenden Auktion im Dezember betrug noch einen ganzen Prozentpunkt mehr - also mehr als 7 Prozent.

          Mit der Auktion hat auch Italien seine Feuertaufe im langen Laufzeitbereich in diesem Jahr bestanden. Die Auktion an diesem Montag war dabei mit  Spannung erwartet worden, weil sich hier neues Vertrauen in die Politik des Ministerpräsidenten Mario Monti und seiner Regierung eher zeigt. Auf den kürzeren Laufzeitenbereich dürfte sich hingegen die großzügigere Hilfe der Europäischen Zentralbank an die Geschäftsbanken stärker auswirken. Die EZB verlieh im Dezember beinahe 490 Milliarden Euro an die Geschäftsbanken für drei Jahre zum Leitzins von 1 Prozent. Ein zweites solches Finanzierungsgeschäft ist für Ende Februar bereits von den Währungshütern in Frankfurt angekündigt worden.

          Sorgen um Portugal wachsen

          Größer geworden sind unterdessen die Sorgen, die sich Anleger um Portugal zu machen scheinen. Die Kurse portugiesischer Staatsanleihen fallen weiter, die Rendite zehnjähriger Titel stieg am Montag auf 17 Prozent. Das ist Rekord für die Zeit, in der es den Euro schon gibt. Die Zweijahresrendite legte sogar auf mehr als 19 Prozent zu - höhere kurzfristige als langfristige Zinsen gelten für sich genommen schon als ein Alarmzeichen. Darüber hinaus verteuerten sich auch die Kreditausfallderivate (CDS) weiter, mit denen Anleger sich gegen einen Zahlungsausfall des Landes absichern können. Aus ihren Kursen ergibt sich dem Finanzportal Bloomberg zufolge eine Ausfallwahrscheinlichkeit von mehr als 70 Prozent in den kommenden 5 Jahren.

          An den Aktienmärkten haben sich neben den bekannten politischen Themen, die Anleger immer wieder als Grund für Kursänderungen nennen, auch einzelne Unternehmensergebnisse ausgewirkt. Die Aktie des im marktbreiten F.A.Z.-Index notierten Baukonzerns Hochtief verlor in der Spitze mehr als 6 Prozent ihres Wertes, nachdem das Unternehmen schlechtere Geschäftsergbenisse verkündete als zuvor von Marktteilnehmern offenbar erwartet worden waren. Der Aktienkurs des Stahlhändlers Klöckner verringerte sich sogar um mehr als 7 Prozent nach Nachrichten über eine mögicherweise sinkende Stahlnachfrage in diesem Jahr. Die Thyssen-Aktie gab um 6 Prozent nach, nachdem die Arbeitnehmervertreter des Konzerns dem Käufer der Edelstahlsparte, der finnischen Outukumpu, ein Ultimatum gestellt hatten.

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