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Marktbericht : Deutsche Aktien legen zu

  • Aktualisiert am

Der Dax ist am Freitag mit leichten Kursgewinnen in den Handel gestartet. Die Börse in Tokio hat nach Gewinnmitnahmen jedoch mit Verlusten geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte verlor 139,02 Punkte oder 1,57 Prozent auf 8707,99 Punkte. An der Wall Street war die Stimmung freundlich, die Kurse an den amerikanischen Börsen drehten aber erst nach Handelsschluss in Europa ins Plus.

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          Gestützt auf das freundliche Handelsende an den amerikanischen Börsen ist der deutsche Aktienmarkt am Freitag leicht erholt gestartet. Der Leitindex Dax legte in den ersten Handelsminuten um 0,27 Prozent auf 4.550,31 Punkte zu. Der MDax der mittelgroßen Werte gewann 0,28 Prozent auf 5.275,90 Punkte. Der TecDax stieg um 0,47 Prozent auf 562,65 Zähler.

          Nach den guten Vorgaben von der Wall Street war laut Heino Ruland, Analyst bei Ruland Research, mit einer höheren Eröffnung zu rechnen. Im weiteren Verlauf dürften dann das ifo-Geschäftsklima und die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter die weitere Richtung bestimmen. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft dürfte sich im April nach Einschätzung von Experten leicht aufhellen. Von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragte Ökonomen sehen einen leichten Anstieg auf 82,3 Punkte von 82,1 Punkten im Vormonat.

          Der Dow Jones verabschiedete sich mit plus 0,89 Prozent aus dem Handel. Der Future auf den amerikanischen Leitindex gewann seit dem Xetra-Schluss 1,11 Prozent. Der Nikkei-225-Index verbuchte in Tokio hingegen Verluste. Auf der Agenda stehen zum Wochenausklang noch Quartalszahlen der comdirect bank und die Hauptversammlung der Lufthansa. In den Vereinigten Staaten warten zudem Honeywell International und Schlumberger mit Zahlen auf.

          Bankentitel präsentierten sich besonders freundlich und bestätigten damit das Bild aus dem amerikanischen Handel mit ebenfalls festen Finanztiteln. Besonders besser als erwartete Ergebnisse kleinerer Regionalbanken hatten an der Wall Street Aufwärtsimpulse gegeben. Aber auch der geringer als befürchtet ausgefallene Gewinneinbruch des amerikanischen Kreditkartenanbieters American Express im Auftaktquartal wurde freundlich aufgenommen. Papiere der Deutschen Bank gewannen 2,24 Prozent auf 40,455 Euro und Commerzbank zogen um 1,92 Prozent auf 5,045 Euro an. Händler erwarten zudem im Tagesverlauf erste Aussagen zu den Ergebnissen des derzeit laufenden Stress-Tests bei amerikanischen Banken. Aktien der Allianz und Münchener Rück tendierten ebenfalls überdurchschnittlich fest.

          Ein unerwartet hoher operativer Quartalsverlust bei Volvo belastete indes MAN und Daimler, zumal sich auch die Nachfrageerwartungen des schwedischen Nutzfahrzeugherstellers eingetrübt haben. Für das laufende Jahr rechnet Volvo in Europa mindestens mit einer Halbierung der Nachfrage. MAN-Aktien gaben um 0,23 Prozent auf 44,15 Euro, Daimler als schwächster Dax-Wert verloren 1,69 Prozent auf 25,90 Euro.

          Deutsche Anleihen: Kursgewinne zum Start - Warten auf ifo Geschäftsklima

          Der deutsche Rentenmarkt ist am Freitag mit leichten Kursgewinnen in den Handel gestartet. Der für den Markt richtungsweisende Euro-Bund-Future kletterte am Morgen um 0,19 Prozent auf 122,40 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen lag bei 3,195 Prozent. „Heute könnten die Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter in den Vereinigten Staaten sowie der ifo Geschäftsklimaindex Impulse setzen“, heißt es im Morgenkommentar der HSH Nordbank. Dabei dürften die Auftragseingänge das Plus vom letzten Mal wohl nicht wiederholen. Alles andere wäre eine große Überraschung und könnte die Rentenmärkte auf Talfahrt schicken. Interessant sei außerdem, ob die ifo-Daten die von den ZEW-Konjunkturerwartungen und den Einkaufsmanagerindizes signalisierte Stimmungsaufhellung bestätigten. Eine positive Überraschung wäre durchaus möglich. Das Bankhaus sieht den Future zwischen 121,70 und 122,70 Punkten. Eine etwas weitere Spanne gibt Helaba-Rentenexperte Ulrich Wortberg mit 121,64 bis 123,47 Punkten an. Auch am Freitag dürfte das Bild der vergangenen Tage bestätigt werden, wonach Frühindikatoren für eine baldige Konjunkturstabilisierung sprechen, realwirtschaftliche Daten aber weiterhin zur Schwäche neigten. Insgesamt werde das fundamentale Umfeld für den Rentenmarkt zunehmend schwieriger.

          Euro klettert Richtung 1,32 amerikanischen Dollar

          Die späte Erholung am amerikanischen Aktienmarkt hat den Euro am Freitag in Richtung 1,32 amerikanischen Dollar getrieben. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete im frühen Handel 1,3183 Dollar. Ein Dollar war 0,7584 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag noch auf 1,3050 (Mittwoch: 1,2947) Dollar festgesetzt. Im Mittelpunkt stehen aus Sicht der Helaba Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten und Deutschland: „Schwache amerikanischen Neubauverkäufe könnten den Euro belasten, während ein freundlicher ifo-Index temporär unterstützen sollte“, erwartet Helaba-Experte Ralf Umlauf. Trotz der düsteren Konjunkturprognosen gehen Experten davon aus, dass sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft leicht aufgehellt hat. Das wäre der erste Anstieg des ifo Geschäftsklimas nach zwei Rückgängen in Folge.

          Ölpreise sinken Richtung 49 US-Dollar

          Die Ölpreise sind am Freitag trotz der späten Erholung am US-Aktienmarkt weiter gesunken. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Juni kostete im frühen Handel 49,13 Dollar und damit 49 Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent fiel um 61 Cent auf 49,50 Dollar. Händler begründeten den Preisrückgang mit der Aussicht auf eine geringere Nachfrage im Sog der globalen Wirtschaftskrise. Der Handel müsse an bestimmten Punkten die fundamentalen Bedingungen berücksichtigen, sagte ein Händler. Diese sprächen für eine geringere Nachfrage, was auf einen weiteren Rückgang der Ölpreise schließen lasse.

          Japans Börse schließt mit Verlusten

          Die Börse in Tokio hat am Freitag nach Gewinnmitnahmen mit Verlusten geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte verlor 139,02 Punkte oder 1,57 Prozent auf 8707,99 Punkte. Der breit gefasste Topix verlor 9,45 Punkte oder 1,13 Prozent auf 830,05 Punkte. In der gesamten Woche fiel der Nikkei um 2,24 Prozent, der Topix verlor 1,84 Prozent.

          Die Börse in Hongkong zeigt sich am Freitagmittag (Ortszeit) etwas leichter. Der Hang-Seng-Index verliert 0,4 Prozent auf 15.148 Punkte, nachdem er im bisherigen Verlauf zwischen dem positiven und dem negativen Terrain geschwankt war. Bei der Stimmung der Anleger herrsche keine eindeutige Tendenz vor, heißt es. Marktexperten von Taifook kommentieren, dass geduldige Anleger eine vorsichtige Haltung beibehalten könnten und weiterhin auf die Volatilität achten.

          Nach Veröffentlichung der Quartalsergebnisse steigen China Life um 0,4 Prozent auf 27,45 Hongkong-Dollar. PetroChina verlieren dagegen 0,9 Prozent auf 6,73 Hongkong-Dollar nachdem J.P. Morgan die Aktie auf Underweight von Neutral herabgestuft hat.

          Wall Street schließt fester

          Mit einem Schlussspurt haben die Kurse an Wall Street am Donnerstag eine volatile Sitzung beendet und fester geschlossen. Zunächst war das Sentiment durch schwächer als erwartet ausgefallene amerikanischen Konjunkturdaten belastet worden. In der Folge erholten sich die Aktienkurse zwar von ihren Tagestiefs, pendelten aber zwischen positivem und negativem Terrain, so ein Händler. In der letzten halben Stunde kam es dann zu einem deutlichen Anziehen der Kurse und der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte (DJIA) stieg bis auf sein Tageshoch bei 7.979 Punkten.

          Der DJIA ging schließlich mit einem Plus von 0,9 Prozent oder 70 Punkte bei 7.957 aus der Sitzung. Im Tagestief war er schon bis auf 7.804 Punkte gefallen. Der S&P-500 stieg um 1,0 Prozent oder 8 Punkte auf 852 Stellen. Der technologielastige Nasdaq Composite kletterte um 0,4 Prozent oder sechs Punkte auf 1.652. Es wurden dabei an der New York Stock Exchange 1,56 (Mittwoch: 1,77) Milliarden Aktien umgesetzt. Auf 1.798 Kursgewinner kamen dabei 1.120 Verlierer. 98 Titel schlossen den Handel unverändert.

          Es sei ein „Wettkampf zwischen Bullen und Bären gewesen“, so ein Händler. Während die Bullen der Ansicht sind, dass die jüngste Stärke des Marktes ein Zeichen für eine konjunkturelle Wende sei, deuten die jüngsten Daten zur amerikanischen Konjunktur nach Ansicht der Bären auf eine erneute Verschlechterung hin. Die schwachen Daten vom amerikanischen Immobilienmarkt hatten die Kurse zwischenzeitlich auch etwas belastet. Die Zahl der Verkäufe bestehender Häuser ist im März stärker gesunken als erwartet.

          Die Verkäufe gingen verglichen mit dem Vormonat um saisonbereinigt 3,0 Prozent auf 4,57 Millionen zurück. Ökonomen hatten dagegen mit 4,69 Millionen Einheiten gerechnet. Zudem sind auch die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe wieder deutlich gestiegen. Hier wurde ein Anstieg um 27.000 verzeichnet, die Prognose der Analysten lag bei 30.000. Das Interesse sei allerdings bereits auf die Bekanntgabe der Kriterien für den Stresstest der amerikanischen Banken durch die Federal Reserve am Freitag gerichtet gewesen.

          Die zuständigen amerikanischen Behörden werden dann die amerikanischen Banken über ihr Abschneiden bei den von der Regierung durchgeführten Stresstests informieren. Damit solle den Banken Zeit gegeben werden, über die Ergebnisse der Tests zu sprechen, bevor diese zumindest dann in Teilen am 4. Mai veröffentlicht würden, berichtete das „Wall Street Journal“ bereits am Mittwoch unter Berufung auf Regierungsvertreter. Dem Zeitungsbericht zufolge wird die amerikanischen Regierung an diesem Freitag bekannt machen, wie die Tests durchgeführt wurden. Am 4. Mai dürften einige Ergebnisse der Test veröffentlicht werden, wobei noch unsicher sei, in welchem Umfang.

          Zahlreiche Unternehmensergebnisse

          Am Berichtstag sorgten zudem eine ganze Reihe von Unternehmensergebnissen für Bewegung. Apple erhöhten sich um 3,2 Prozent auf 125,40 Dollar. Der starke Absatz von „iPods“ und „iPhones“ hat dem Unternehmen ein Gewinnwachstum von 15 Prozent im zweiten Quartal 2008/09 beschert. Damit stemmte sich Apple gegen die Rezession und übertraf die Markterwartungen.

          eBay legten sogar um 12,3 Prozent auf 16,62 Dollar zu. Das Online-Auktionshaus hatte im ersten Quartal ohne Berücksichtigung von Sondereinflüssen 0,39 Dollar je Aktie verdient, während Analysten im Mittel 0,33 Dollar geschätzt hatten. General Motors gaben dagegen um 4,1 Prozent auf 1,62 Dollar nach und waren schwächster Wert im DJIA. Das Unternehmen will die meisten seiner Fabriken im Rahmen einer zusätzlichen Sommerpause für zwei Monate schließen.

          Qualcomm legten um 1,5 Prozent auf 40,73 Dollar zu. Der Telekomausrüster teilte am Vorabend mit, in fortgeschrittenen Gespräche mit dem Wettbewerber Broadcom über eine Beilegung aller rechtlichen Streitigkeiten mit Broadcom zu stehen. Daher hat Qualcomm auch die Bekanntgabe ihrer Quartalszahlen auf Montag verschoben. Broadcom-Aktien verbesserten sich um 3,3 Prozent auf 23,35 Dollar.

          Philip Morris verteuerten sich um 2,1 Prozent auf 37,00 Dollar. Der Tabakkonzern hat im ersten Quartal einen Gewinn von 0,74 Dollar erzielt. Analysten hatten lediglich mit 0,69 Dollar je Aktie gerechnet. Coca-Cola notierten unverändert bei 42,92 Dollar. Das Unternehmen verhandelt wieder mit dem chinesischen Getränkehersteller China Huiyuan Juice Group. Dabei könnte es nun auch um eine Minderheitsbeteiligung an dem chinesischen Unternehmen gehen, berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen.

          Nach der Schlussglocke veröffentlichten mit Amazon, American Express und Microsoft drei weitere Schwergewichte Quartalszahlen. Amazon gewannen in der regulären Sitzung 1,8 Prozent auf 80,61 Dollar, American Express verbesserten sich um 7,9 Prozent auf 20,97 Dollar und Microsoft stiegen um 0,7 Prozent auf 18,92 Dollar. Die Aktien von American Express legten in einer ersten Reaktion nachbörslich weiter zu, da die Ergebnisse für das erste Quartal über den Erwartungen der Analysten lagen.

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