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Marktbericht : Dax und Dollar geraten in die Defensive

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Bild: F.A.Z.

Ein hoher Ölpreis, Terroranschläge und ein vergleichsweise schwacher amerikanischer Arbeitsmarkt bringen Börsen und Dollar in die Defensive, die Rentenmärkte haben wieder einmal dagegen Rückenwind.

          2 Min.

          Ein hoher Ölpreis, Terroranschläge und ein vergleichsweise schwacher amerikanischer Arbeitsmarkt bringen die Börsen und den Dollar in die Defensive, die Rentenmärkte haben dagegen Rückenwind.

          Anleger und Händler warteten am Freitag wie gebannt auf die amerikanischen Arbeitsmarktzahlen. Die Situation hat sich im September allerdings weniger verbessert als im Vorfeld angenommen worden war. So stieg die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft nur um 96.000. Volkswirte hatten einen Stellenzuwachs um 150.000 erwartet. Im Vormonat war ein Plus von revidiert 128.000 verzeichnet worden, nachdem zunächst ein Anstieg von 144.000 genannt worden war. Zugleich stagnierte die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vormonat wie erwartet bei 5,4 Prozent. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen den weiteren Angaben zufolge um 0,03 Dollar auf 15,78 Dollar. Die Prognose hatte hier bei einem Plus von 0,05 Dollar auf 15,82 Dollar gelegen. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit bleib unverändert bei 33,8 Stunden.

          Börsen drehen ins Minus

          Der Dax drehte nach dieser Enttäuschung und auch unter dem Eindruck einer etwas schwächeren Wall Street wieder ins Minus und ging mit einem Verlust von 0,69 Prozent bei 4.015.54 Zählern ins Wochenende. Der Euro dagegen ist deutlich angestiegen. Pendelte die Gemeinschaftswährung kurz vor den Zahlen noch um 1,23 Dollar, sprang sie nach Bekanntgabe auf zeitweise über 1,2420 Dollar. Die Marktteilnehmer gingen zwar zunächst nicht davon aus, daß ein Ausbruch über die obere Begrenzung der seit Monaten gültigen Spanne bei 1,2465/80 Dollar gelingen könne. “Bei Erreichen der 1,24 könnten noch einige Stopps ausgelöst werden, aber ich gehe nicht davon aus, daß wir weit über diese Marke steigen“, sagt ein Händler. Aber das dürfte angesichts der makroökonomischen Ungleichgewichte des Landes Zweckoptimismus sein.

          Der Bund-Future reagierte auf die enttäuschen Zahlen mit einem Kurssprung und legte 66 Stellen auf 116,12 Prozent zu. Hier gehen die Händler und Anleger wohl immer mehr davon aus, daß die Zinsen in Amerika und möglicherweise auch in Europa nicht allzufrüh steigen werden, um die sich wohl eher schon wieder eintrübende Konjunktur nicht völlig abzuwürgen. Möglicherweise übersehen die Marktteilnehmer allerdings die übergroßen Geldmengen weltweit und die inflationären Effekte, die vor allem im Rohstoffbereich erkennbar sind.

          Reise-Aktien leiden unter dem Ölpreis und Anschlägen

          Die Aktien von Lufthansa und Tui verbuchten nach den Anschlägen in Ägypten Verluste. „Nun steigt wieder die Terrorangst; dies belastet vor allem Touristiktitel“, hieß es am Markt. Bei einer Serie von Bombenanschlägen auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel wurden mindestens 26 Menschen getötet. Lufthansa-Papiere fielen mit minus 2,34 Prozent auf 9,59 Euro an das Dax-Ende. Trotz der Rekordpreise für Rohöl bleibt die Fluggesellschaft bei ihrer Gewinnprognose für das laufende Jahr. Auch die Anteilsscheine des Reiseunternehmens Tui büßten zunächst deutlich an Terrain ein. Allerdings gingen sie dann mit einem Plus von 0,45 Prozent bei 15,78 Euro aus dem Handel.

          Deutlich im Minus liegen dagegen die Technologiewerte wie Infineon und SAP, aber auch die Versicherer. Die Techwerte geraten immer dann ins Hintertreffen, wenn sich die Börsen aus Sorge über die konjunkturelle Entwicklung in der Defensive befinden.SAP-Aktien gaben 2,27 Prozent auf 128,24 Euro nach, Infineon-Papiere verloren 2,17 Prozent auf 8,57 Euro.

          Die Versorgerwerte dagegen waren gefragt. Eon gewannen 1,78 Prozent auf 62,39 Euro und schlossen damit an der Dax-Spitze. Das Energie-Unternehmen will trotz der geplanten Regulierung des Strom- und Gasmarktes seine Dividende in den kommenden Jahren erhöhen. „Die Aussagen sind zwar nicht neu, rücken aber dennoch die Versorger wieder in den Fokus“, sagte ein Händler. RWE-Titel zogen zunbächst ebenfalls an, gingen allerdings mit einem Minus von 0,17 Prozent bei 40,07 Euro ins Wochenende. Analyst Peter Wirtz sagte: „Die Diskussionen um eine drohende Verschiebung der Preiserhöhung belasten die Versorgerwerte nicht mehr, daher holen Eon und auch RWE heute auf.“

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