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Marktbericht : Dax schließt gut gehalten

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Trotz schwacher Konjunktur- und enttäuschender Unternehmensdaten aus den Vereinigten Staaten hat der Dax nach volatilem Handel gut gehalten geschlossen. Die Lage am spanischen Rentenmarkt sorgt für Verunsicherung.

          Trotz schwacher Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten ist der Dax am Mittwoch im späten Handeln ins Plus gedreht. Der deutsche Leitindex schloss mit einem Plus von 0,26 Prozent bei 6190,91 Punkten, nachdem er zwischenzeitlich auf 6143 Punkte gesunken war. Der MDax gab dagegen um 0,46 Prozent auf 8414,97 Punkte nach, der TecDax verlor 0,29 Prozent auf 773,52 Punkte. Börsianern zufolge stützte am Nachmittag eine leichte Erholung beim Euro die Kurse.

          Aus den Vereinigten Staaten waren unter anderem schwache Daten vom Häusermarkt gemeldet worden. Das zusammen mit hohen Risikoaufschlägen für spanische Staatsanleihen habe die Märkte im Tagesverlauf belastet, sagte Marktanalyst Patrick Pflüger von IG Markets.

          Zunehmende Sorgen über Spaniens Entwicklung

          Die Aufschläge waren am Mittwoch auf den höchsten Stand seit Gründung der Währungsunion geklettert. Das gilt als Zeichen dafür, dass die Sorgen um die Schuldenlast Spaniens wieder wachsen. Gerüchte hatten die Runde gemacht, dass an einem 250 Milliarden Euro schweren Rettungsplan gearbeitet wird. Sowohl die EU als auch die Spanier hatten das aber dementiert.

          Ein enttäuschender Ausblick des amerikanische Logistikers FedEx belastete die Aktien der Deutschen Post. Nach einem Schub im späten Handel notierten sie am Ende zumindest noch unverändert bei 12,560 Euro. FedEx hatte für das Geschäftsjahr 2011 ein Ergebnis je Aktie in Aussicht gestellt, das unter den Erwartungen des Marktes lag. Um 0,12 Prozent nach unten ging es für die Papiere von RWE. Der Versorger denkt Medienberichten zufolge über eine Senkung der Dividende nach, falls in Deutschland die Brennelemente-Steuer kommen sollte. An der Spitze des Dax lagen die Aktien von MAN, die 1,41 Prozent auf 68,36 Euro zulegten. Konkurrent Volvo hatte von einem soliden Absatzwachstum beim Lkw-Geschäft im Mai berichtet.

          Im MDax waren mit einem Plus von 4,60 Prozent auf 26,835 Euro vor allem die Aktien des Hamburger Hafenbetreibers HHLA gefragt. Firmenchef Klaus-Dieter Peters hatte auf der Hauptversammlung den Umsatz- und Gewinnausblick für das laufende Jahr bekräftigt. Um 4,31 Prozent auf 18,890 Euro nach oben ging es zudem für die Papiere von Celesio. Der Pharmahändler legt sein niederländisches Apothekengeschäft mit dem Geschäft des Konkurrenten Phoenix zusammen.

          Mit Abstand der größte Verlierer im Index mittelgroßer Werte waren die Titel von Sky Deutschland, die nach massiven Gewinnen am Vortag um mehr als siebeneinhalb Prozent abrutschten. Aktien von ProSiebenSat.1 fielen um 1,37 Prozent auf 12,615 Euro. Der TV-Konzern trennt sich endgültig vom Nachrichtensender N24, der von einer Manager-Gruppe um den früheren „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust übernommen wird. Im Zuge dessen fallen für ProSiebenSat.1 einmalige Kosten und Abschreibungen in Höhe von 53 Millionen Euro an.

          Europas Börsen schließen mehrheitlich im Plus

          Eine leichte Erholung beim Euro hat den europäischen Börsen am Mittwoch den sechsten Gewinntag in Folge beschert. Auch weitere Gewinne bei den amerikanischen Technologiewerten stützen die Kurse diesseits des Atlantiks. Negative Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten aber dämpften das Plus. In den Vereinigten Staaten war die Zahl der Baugenehmigungen und -beginne im Mai deutlich niedriger als gedacht ausgefallen. Zudem verschärfte sich die Lage am spanischen Rentenmarkt, was sich in steigenden Risikoaufschlägen für Staatsanleihen dieses Landes niederschlug. Zuvor hatte die Europäische Kommission einen Pressebericht über einen Rettungsplan für Spanien in Höhe von bis zu 250 Milliarden Euro zurückgewiesen. Auch Spanien selbst dementierte erneut, dass der Internationale Währungsfonds oder die Europäische Union einen Rettungsplan für das Land vorbereiten. Zum Handelsschluss stieg der EuroStoxx 50 um 0,09 Prozent auf 2.718,73 Punkte. Der Pariser Cac 40 rückte um 0,39 Prozent vor auf 3.675,93 Punkte und der Londoner FTSE 100 legte um 0,39 Prozent zu auf 5.237,92 Punkte. Dagegen verbuchten die Märkte in Spanien und Italien leichte Kursverluste. Der Ibex gab um 0,6 Prozent nach, während der MIB-Index 0,1 Prozent seines Wertes abgab.

          Euro wenig verändert - Warten auf Spanien

          An den Devisenmärkten verändern sich die Kurse auch am Mittwochnachmittag nur noch wenig. Der Euro steht gegen 17.05 Uhr bei 1,2313 Dollar nach 1,2302 Dollar am Mittag. Händler sprechen von einer Verschnaufpause, nachdem der Euro zum Dollar in den vergangenen sechs Handelstagen deutlich zugelegt hat. Wie schon am Dienstagabend ist der Euro gegen 9.00 Uhr MESZ am Versuch, über die technische Widerstandsmarke bei 1,2350 Dollar zu springen, gescheitert und daraufhin etwas zurückgefallen. Auch zum Yen hat der Euro leicht nachgegeben. „Konsolidierung ja, Trendwende nein“, merkt Armin Mekelburg vom UniCredit zum Euro an. Risiko-Indikatoren wie die Volatilität an den Aktienmärkten oder die Risikoprämien im Anleihenhandel seien zwar auf dem Rückzug. Für eine „völlige Entwarnung“ bewegten sie sich aber noch immer auf zu hohem Niveau. Die Blicke der Marktteilnehmer richten sich besonders intensiv auf Spanien, denn dort steht am Donnerstag eine Schlüsselauktion zehn- und dreißigjähriger Staatsanleihen auf der Agenda.

          „Sobald sich die Anzeichen für eine mögliche Ausweitung der Schuldenkrise verstärken würden, in erster Linie Spanien betreffend, geriete die aktuelle Konsolidierungsbereitschaft kräftig ins Wanken“, prognostiziert Mekelburg mit Blick auf die als risikoreich geltenden Währungen wie den Euro und die Dollars aus Neuseeland, Australien und Kanada. Auch der Gipfel der EU-Regierungschefs in Brüssel könnte am Donnerstag für Impulse sorgen, heißt es am Markt. Unterschiedliche Ziele Frankreichs und Deutschlands in den Vorstellungen zur Haushaltskontrolle könnten den Euro schwächen, so Händler. Daten zum amerikanische Immobilienmarkt sind am Nachmittag sehr schwach ausgefallen mit einem Minus der Neubauverkäufe um 10 Prozent. Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung sind dagegen besser ausgefallen als erwartet. Impulse könnten am Donnerstag von den amerikanischen Verbraucherpreisen, den Erstanträgen auf amerikanische Arbeitslosenhilfe und dem Konjunkturindex der Notenbank-Filiale in Philadelphia ausgehen, heißt es am Markt. Außerdem werden die amerikanische Frühindikatoren veröffentlicht. Aus technischer Sicht liegt oberhalb von 1,2350 Dollar laut einem Beobachter bei 1,25 Dollar ein weiterer technischer Widerstand für den Euro. Dort verläuft die gleitende Durchschnittslinie der vergangenen 38 Handelstage. Unterstützt sei der Euro bei den Tiefständen im Mai bei 1,2150 bis 1,2140 Dollar. Die Feinunze Gold ist am Nachmittag in London mit 1.234,50 Dollar gefixt worden nach 1.235,50 Dollar zum Vormittag-Fixing.

          Rentenmarkt zeigt sich freundlich

          Die Renten-Futures zeigen sich am Mittwoch im Verlauf des Nachmittaghandels freundlich. Der Bund-Future gewinnt gegen 16.53 Uhr 40 Ticks auf 128,52 Prozent. Das Tageshoch liegt bei 128,70 Prozent und das Tagestief bei 127,92 Prozent. Der Umsatz ist mit 717.000 Kontrakten niedrig. Der Bobl-Future steigt um 26 Ticks auf 120,60 Prozent. „Der Bund-Future ist nicht klein zu kriegen“, so ein Marktteilnehmer. Der niedrige Umsatz deute allerdings auch auf eine technische Reaktion auf die Verluste vom Dienstag hin. Die Nachfrage nach der Aufstockung der zehnjährigen Bundesanleihe mit 3 Prozent Kupon war laut Händlern zufrieden stellend, sie war 1,6-fach überzeichnet. Die Durchschnittsrendite liegt bei 2,67 Prozent. Neue Daten aus den Vereinigten Staaten sind unterschiedlich ausgefallen, so ist die Industrieproduktion um 1,2 Prozent gewachsen bei einer Prognose von 1,0 Prozent, die Neubaubeginne sind dagegen unerwartet stark um 10 Prozent eingebrochen. Aus technischer Sicht ist der Bund-Future laut der Helaba bei 128,00 Prozent und bei 127,50 Prozent unterstützt. Bei 129,00 Prozent liege ein Widerstand.

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