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Marktbericht : Dax rutscht unter 3.000 Punkte

  • Aktualisiert am

Die deutschen Börsen reagieren mit Verlusten auf den rot-grünen Wahlsieg. Auch langfristig sind die Anleger skeptisch. Umweltaktien profitieren.

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          Die Börsianer reagieren skeptisch auf die Wiederwahl des rot-grünen Regierungsbündnisses. Der Deutsche Aktienindex Dax startete am Montag mit Kursabschlägen in den Handel. Zwar drehte er zwischenzeitlich ins Plus, rutschte aber am späten Vormittag bis unter die 3.000-Punkte-Marke. Um 11.30 Uhr notierte er 2,4 Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag bei 2.991 Zählern. Der MDax legte mit 3.031 Zählern leicht zu, der Nemax hingegen verlor leicht auf 379 Punkte.

          Vom Wahlergebnis profitierten vor allem die Umweltaktien. Bis 11.10 Uhr gewinnt der Windkraftanlagen-Hersteller Nordex 16,9 Prozent auf 4,09 Euro. Der Windparkbetreiber Plambeck steigt um12,6 Prozent auf 9,98 Euro und gehört damit zu den stärksten Gewinnern am Neuen Markt, ebenso wie der Solarzellenproduzent Sunways mit einem Plus von 12,7 Prozent auf 2,40 Euro. Der Sunways-Konkurrent Solarworld legt 11,7 Prozent auf 7,25 Euro zu. Umweltkontor gewinnt 6,3 Prozent auf 3,19 Euro.

          Die Ökoaktien hatten vor der Wahl eine Berg- und Talfahrt erlebt: Bei Hochrechungen, die SPD und Grüne vorne sahen, wurden die Titel gekauft. Kippten die Hochrechungen zu Gunsten der Opposition, wurden sie wieder verkauft.

          Börse befürchtet Reformblockade

          Trotz der gelassenen Reaktion der Kurse befürchten Börsianer, der enge Wahlausgang könne nötige Reformen in der Arbeitsmarkt-, Renten- und Gesundheitspolitik erschweren. Die Unionsparteien haben die Mehrheit im Bundesrat, sie können Gesetzesvorhaben der rot-grünen Regierung blockieren. Anleger sorgen sich zudem, die Nähe der Sozialdemokraten zu den Gewerkschaften könnte die ihrer Ansicht nach notwendige Deregulierung des Arbeitsmarktes behindern. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit gehört zu den dringendsten Aufgaben der Regierung Schröder.

          Die fragile Situation schaffe Unsicherheit, sagt ein Händler von Lang & Schwarz. „Es reicht, um zu regieren, aber ich erwarte nicht, dass Schröder die Wirtschaftsprobleme Deutschlands lösen kann“, sagte Jörg Krämer, Chefstratege bei Invesco Asset Management.

          Konjunktur und Irak-Konflikt dürften stärker belasten

          Im Vorfeld der Wahl hatten Marktteilnehmer erwartet, dass die Börse eine Mehrheit für CDU/CSU und FDP positiver aufnehmen würde als eine rot-grüne Regierungskoalition. Vor allem Branchen wie der Automobilsektor, die Finanzdienstleister, der Einzelhandel und Versorger hätten von einer Schwarz-gelben Regierung profitiert, heißt es.

          Dennoch gelten derzeit andere Faktoren als wichtiger für die Börsen als das Wahlergebnis. Beispiele sind die weitere Entwicklung des Irak-Konflikts und die internationalen Konjunkturdaten. Für Deutschland ist der ifo-Geschäftsklimaindex besonders wichtig, der am kommenden Mittwoch veröffentlicht werden soll. Es wird erwartet, das der Index fällt - das dürfte die Börse belasten. Ohnehin drückt die lahmende Konjunktur seit Wochen auf die deutschen Aktienkurse. Der Dax ist in diesem Quartal um mehr als 30 Prozent gefallen, das ist die schlechteste Performance weltweit. Am vergangenen Freitag war der Dax erstmals seit Anfang 1997 zwischenzeitlich unter die Marke von 3.000 Punkten gefallen.

          Beiersdorf und Telekom im Blickpunkt

          Unabhängig von der Bundestagswahl stehen Beiersdorf im Blickpunkt der Börse. Sie legen um 16,3 Prozent auf glatt 100 Euro zu. Grund dürfte das Interesse von Procter & Gamble an dem 43,6-prozentigen Allianz-Anteil an Beiersdorf sein. Damit gibt es neben Tchibo einen weiteren ernstzunehmenden potenziellen Käufer. „Wenn es zu einer Bieterschlacht kommt - Tchibo ist ja nicht gerade arm und hat ein großes Intersse an Beiersdorf - wird das den Aktienkurs in die Höhe treiben“, so ein Marktteilnehmer.

          Die Deutsche Telekom könnte laut dem „Handelsblatt“ weniger Geld als erwartet für ihr Kabelnetz bekommen. Zudem werten Beobachter die vollständige Übernahme des niederländischen Mobilfunkanbieters Ben als teuer. Damit würden rund 3.000 Euro pro Kunde bezahlt, im derzeitigen Umfeld ein sehr hoher Preis. Zudem verschärfe sich damit die Schuldenlast um zwei Milliarden Euro. Das widerspreche der angekündigten Strategie des Schuldenabbaus. Die T-Aktie sinkt leicht um 0,3 Prozent auf 9,58 Euro.

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