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Marktbericht : Dax erneut belastet durch die Schuldenkrise

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Ernüchterung nach dem Finanzministertreffen und wieder verstärkte Sorgen um Griechenland haben die Kurse am deutschen Aktienmarkt am Montag auf Talfahrt geschickt. Der Dax ging mit einem Minus von 2,83 Prozent aus dem Handel.

          Ernüchterung nach dem Finanzministertreffen und wieder verstärkte Sorgen um Griechenland haben die Kurse am deutschen Aktienmarkt am Montag auf Talfahrt geschickt. Der Dax beendete damit seinen Erholungskurs der vergangenen Woche und ging mit einem Minus von 2,83 Prozent mit 5.415,91 Punkten aus dem Handel.

          Zwischenzeitlich war er sogar bis auf 5.362 Punkte gesunken, konnte dann aber zumindest einen Teil der Verluste im späten Handel wieder wettmachen. Die vergangene Woche hatte der Leitindex noch mit einem Plus von mehr als sieben Prozent - dem größten Wochenplus seit Mitte Juli 2009 - beendet. Der marktbreite F.A.Z.-Index verlor 2,71 Prozent seines Wertes auf 1.234,31 Zähler, der MDax verlor am Montag 2,13 Prozent auf 8.720,81 Punkte und der TecDax büßte 2,35 Prozent auf 689,81 Punkte ein.

          Der Markt sei enttäuscht, dass bei dem Finanzministertreffen am Wochenende keine Lösung gefunden worden sei, sagte Aktienhändler Markus Huber von ETX Capital. Vielmehr sei die Unsicherheit noch gestiegen, ob die Hilfsgelder an Griechenland ausgezahlt würden oder nicht. Marktbeobachterin Anita Paluch von Gekko Global Markets beurteilte die Lage im Fall Griechenland ähnlich. Eine Auszahlung dringend benötigter Hilfsgelder stehe weiterhin auf der Kippe. „Die Sparmaßnahmen haben die Schuldenkrise bislang nicht eindämmen können, und es ist unwahrscheinlich, dass Griechenland das Ziel für das Defizit in diesem Jahr erfüllen kann.“

          Finanzwerte einmal mehr unter Druck

          Deutlich unter Druck gerieten angesichts dieser Lage europaweit die Finanzwerte. Entsprechend zählten die Titel deutscher Banken und Versicherungen zu den schwächsten Werten im Dax. Die Titel der Deutschen Bank schlossen mit einem Minus von 4,54 Prozent auf 23,960 Euro, die der Commerzbank büßten 4,13 Prozent auf 1,693 Euro ein. Allian-Aktien verloren sogar mehr als fünf Prozent.

          Auch der Autosektor zeigte sich europaweit größtenteils sehr schwach, die Vorzugsaktien von Volkswagen etwa verbilligten sich am Dax-Ende um 5,43 Prozent auf 108,75 Euro. Ein negativer Analystenkommentar der Credit Suisse schickte die Kurse von Stahlwerten in den Keller. ThyssenKrupp verbilligten sich um 4,03 Prozent auf 20,610 Euro, im MDax zählten Klöckner & Co (KlöCo) mit einem Minus von rund siebeneinhalb Prozent zu den schwächsten Werten.

          Gegen den schwachen Gesamtmarkt stemmten sich im Index mittelgroßer Werte die EADS-Aktien mit plus 2,78 Prozent auf 22,200 Euro. Sie profitierten davon, dass das Emirat Katar Anteile an dem Luft- und Raumfahrtkonzern übernehmen will. Der „Spiegel“ hatte berichtet, dass das Emirat den bei Banken geparkten 7,5-Prozent-Anteil von Daimler übernehmen möchte.

          Im TecDax rutschten die Aktien von SMA Solar um 12,26 Prozent auf 49,250 Euro ab. Der Solartechnik-Hersteller hatte wegen der anhaltenden Absatzschwäche seine Gewinn- und Umsatzprognosen für dieses Jahr gesenkt. Um 11,59 Prozent auf 24,450 Euro sprangen die Aktien des SDax-Neulings Derby Cycle nach oben. Sie profitierten Börsianern zufolge vor allem von Übernahmefantasien. Der Fahrradhersteller hatte mitgeteilt, sich in fortgeschrittenen Verhandlungen über eine Zusammenschlussvereinbarung mit einem strategischen Partner zu befinden, der derzeit nicht Aktionär des Unternehmens sei.

          Für den Eurostoxx 50 ging es um 2,59 Prozent auf 2.096,10 Punkte nach unten, auch die Leitindizes in Paris und London gingen mit Verlusten aus dem Handel. In New York lag der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss ebenfalls klar im Minus.

          Euro baut Verluste zum Dollar aus - Sorge um Griechenland

          Der Euro hat am Montag deutliche Kursverluste zum Dollar und zum Yen verzeichnet. Die Verluste weiteten sich im Verlauf auf ein Sieben-Monats-Tief zum Dollar und ein Zehn-Jahres-Tief zum Yen aus. Die europäischen Finanzminister hatten sich auf ihrem Treffen in Breslau nicht auf einen Plan zur Beendigung der Staatsschuldenkrise in der Eurozone geeinigt. Die Nachfrage nach sicheren Anlagen wie dem Dollar wurde daneben von schwachen Aktienmärkten gestützt. Der Euro wurde am frühen Abend bei 1,3610 Dollar gehandelt, das waren 1,4 Prozent weniger als am Freitag. Der Schweizer Franken gewann 0,2 Prozent zum Euro auf 1,2058 Franken. Gegenüber dem Dollar verlor der Franken 1,1 Prozent auf 88,58 Rappen. Der Yen kletterte 1,8 Prozent zum Euro auf 104,01 Yen und gewann gegenüber dem Dollar 0,5 Prozent auf 76,42 Yen. „Die Kommentare am Wochenende waren nicht gerade unterstützend für den Euro“, sagte Vassili Serebriakov, Devisenstratege bei Wells Fargo & Co. in New York. Es gebe einen Mangel an Fortschritten, der enttäuschend sei, fügte er an.

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