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Marktbericht : Dax auf höchstem Stand seit Mai 2008

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Angetrieben von positiv interpretierten Unternehmenszahlen und Aussagen des Ifo-Instituts ist der Dax am Donnerstag auf den höchsten Stand seit Mai 2008 geklettert. Die deutsche Wirtschaft könne sich günstig refinanzieren, hieß es.

          Der Dax ist am Donnerstag auf den höchsten Stand seit Mai 2008 geklettert. Positiv interpretierte deutsche Unternehmenszahlen und Aussagen des Ifo-Instituts hatten Börsianern zufolge den Leitindex gestützt. Der Dax beendete den Handel mit einem Plus von 0,40 Prozent auf 7155,58 Punkte. Für den MDax ging es um 0,58 Prozent auf 10 273,29 Punkte nach oben, der TecDax legte um 0,60 Prozent auf 879,17 Punkte zu.

          Marktanalyst Frank Geilfuß vom Berliner Bankhaus Löbbecke sagte: „Die Märkte schauen sehr stark auf die Quartalszahlen.“ So habe die Software AG ein starkes Ergebnis vorgelegt. Zudem wirke die Aussage des Ifo Instituts positiv, wonach deutsche Unternehmen wieder besser an Bankkredite kommen. Etwas auf die Stimmung drückte der überraschend deutliche Anstieg der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den Vereinigten Staaten .

          Börsen Europas verzeichnen Kursgewinne

          Die wichtigsten europäischen Aktienindizes sind am Donnerstag überwiegend mit Gewinnen aus dem Handel gegangen. Neben der bestätigten Geldpolitik der amerikanische Notenbank Fed, die schon an der Wall Street für einen freundlichen Handelsausklang gesorgt hatte, habe die laufende Berichtssaison laut Händlern die Stimmung an den Aktienmärkten hoch gehalten. Eine am Morgen vermeldete Abstufung der Kreditwürdigkeit Japans durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) habe die Märkte dagegen nur kurzfristig zum Auftakt belastet. „Das ist angesichts der hohen Verschuldung Japans keine größere Überraschung“, so ein Börsianer. Der EuroStoxx 50 gewann 0,74 Prozent auf 2.989.75 Punkte. In Paris legte der Cac 40 um 0,26 Prozent auf 4.059,57 Punkte zu. In London verlor der FTSE 100 hingegen 0,07 Prozent auf 5.965,08 Punkte.

          Deutsche Anleihen von neuer EZB-Inflationswarnung belastet

          Am deutschen Anleihenmarkt sind die Kurse am Donnerstag nach neuen Inflationswarnungen der Europäischen Zentralbank (EZB) unter Verkaufsdruck geraten. Der für den Anleihemarkt richtungweisende Euro-Bund-Future sank bis zum späten Nachmittag um 0,28 Prozent auf 123,27 Punkte. Bereits am Vortag war der Future kräftig unter Druck geraten. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 3,211 Prozent. „Die jüngsten Aussagen aus den Reihen der EZB haben die Zinsfantasie in der Eurozone am Leben gehalten“, sagte Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). EZB-Direktoriumsmitglied, Lorenzo Bini Smaghi, hatte zuvor erneut vor Inflationsgefahren in der Eurozone gewarnt. Mit den Aussagen habe der Notenbanker die Kursen am Rentenmarkt belastet, sagte Umlauf.

          Bini Smaghi hatte gewarnt, dass die Importpreise für Waren aus den Boomregionen Asiens künftig noch stärker steigen könnten als in den vergangenen zehn Jahren. Dies könnte die Importpreise weiter antreiben und zu gefährlichen so genannten Zweitrunden-Effekte in der Eurozone führen. Mit einem Zweitrundeneffekt wird das Überspringen von Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen auf fertige Produkte, den Transport oder auch steigende Lohnkosten bezeichnet. In Deutschland war die Inflationsrate im Januar hingegen wegen steigender Energiepreise von 1,7 Prozent im Vormonat auf 1,9 Prozent gestiegen. Von dpa-AFX befragte Volkswirte hatten jedoch mit einem etwas stärkeren Anstieg auf 2,0 Prozent gerechnet. Die in den Vereinigten Staaten enttäuschend ausgefallenen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe belasteten den Markt nur kurzzeitig.

          Euro tendiert fester - Musik spielt im Yen

          Der Euro hat am Donnerstag gegenüber dem Dollar wie gegenüber dem Yen fester tendiert. Die Nachricht des Tages lief im frühen Handel über die Ticker und hat die japanische Währung unter Druck gesetzt (siehe auch: Herunterstufung belastet den Yen kurzfristig). Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit Japans wegen der steigenden Staatsverschuldung um eine Stufe gesenkt. Die Bonitätsnote wird auf „AA-“ von „AA“ abgestuft. Der Schritt wurde damit begründet, dass das Staatsdefizit in den nächsten Jahren hoch bleiben werde, was den fiskalischen Spielraum der Regierung weiter verenge. Den Ausblick bezeichnete S&P jedoch als „stabil“, was signalisiert, dass vorerst keine weitere Abstufung droht. Die Staatsverschuldung Japans liegt derzeit bei rund 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und ist damit so hoch wie in keinem anderen Industrieland. Die Verluste beim Yen hielten sich aber in Grenzen. „Solange die japanischen Schulden fast ausschließlich von einheimischen Anlegern gehalten werden, sind größere Einbrüche bei japanischen Bonds unwahrscheinlich“, sagt einer notorisch optimistischen Händler.

          Keine überzeugende Daten kamen am Nachmittag aus den Vereinigten Staaten , was den Dollar belastete. In der laufenden Berichtssaison lieferten Unternehmen wie Procter & Gamble wie auch AT&T keine überzeugenden Zahlen. Schwache Daten kamen zudem vom amerikanische Arbeitsmarkt. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg in der abgelaufenen Woche auf 454.000 von 403.000 und fiel damit deutlich oberhalb der Erwartungen aus. Leichte Entspannung lieferten die Auftragseingänge langlebiger Güter aus den Vereinigten Staaten , die im Dezember um 2,5 Prozent zurückkamen. Damit liegt der Zuwachs zwar deutlich unterhalb der Erwartungen, dafür sind vor allem schwache Flugzeugbestellungen verantwortlich. Ohne den schwankungsanfälligen Transportsektor ergibt sich ein kleines Plus von 0,5 Prozent. Die Zahlen weisen nach Einschätzung der Helaba darauf hin, dass für das vierten Quartal 2010 ein leicht beschleunigtes amerikanische Wirtschaftswachstum am Freitag gemeldet wird. Allerdings resultiere dies aus den guten Konsumdaten. Die Investitionstätigkeit zeige sich vermutlich verlangsamt. Die Feinunze Gold notiert zum Nachmittags-Fixing in London bei 1.334,50 Dollar, nachdem sie am Vormittag mit 1.337,50 Dollar festgestellt wurde.

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