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Marktbericht : Anleger gönnen sich eine Pause von der Krise

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Nach den Kursturbulenzen des Vortages ist der deutsche Aktienmarkt am Mittwoch wieder in ruhigeres Fahrwasser zurückgekehrt. Am Ende schloss der Dax mit 1,3 Prozent im Plus. Die Abstufung des Ratings für Irland auf „Ramsch-Niveau“ belastete einem Börsianer zufolge kaum.

          Nach den jüngsten Turbulenzen ist an den Aktienmärkten wieder etwas Ruhe eingekehrt. Die Anleger haben ihre Angst vor einer Eskalation der Schuldenkrise erst einmal ad acta gelegt. „Nach den Kursverlusten der vergangenen Tage ist Durchatmen angesagt“, sagt ein Händler. Der Dax, der seit Wochenbeginn an Wert verloren hat, kletterte um 1,3 Prozent auf 7270 Punkte. Der hundert Werte umfassende marktbreite FAZ-Index legte um 1,4 Prozent auf 1630 Zähler zu. Unterstützend wirkten sich offenbar Äußerungen des Präsidenten der amerikansichen Notenbank Ben Bernanke aus, nach denen die Federal Reserve die Wirtschaft weiter untersützen könnte, sollte sie abermals in eine Rezession abzurutschen drohen.

          Kopfzerbrechen bereitete demgegenüber die Herabstufung Irlands durch Moody's auf Ramschniveau. Die Ratingagentur hatte den Schritt am Dienstagabend beründet mit der höheren Wahrscheinlichkeit, dass auch Irland ein zweites Hilfspaket brauchen werde.

          Autowerte profitieren von robustem Wachstum in China

          In punkto Griechenland warten die Anleger nach Angaben von Marktteilnehmern weiter auf klare Signale von Seiten der europäischen Spitzenpolitiker. Die Euro-Finanzminister hatten bei ihrem jüngsten Treffen angesichts der drohenden Staatspleite des Landes auch eine Umschuldung nicht mehr ausgeschlossen. Spekulationen auf einen kurzfristigen Sondergipfel zur Schuldenkrise wurden am Mittwoch durch die Bundesregierung gedämpft. Am Vorabend hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble noch erklärt, womöglich müssten die Staats- und Regierungschefs der EU persönlich zusammentreffen, um den Finanzmärkten mehr Vertrauen zu geben.

          Gestützt wurde der deutsche Aktienmarkt von den Autowerten. BMW-Aktien verteuerten sich um mehr als 4 Prozent, Daimler-Aktien um beinahe 3 Prozent. Nach Angaben von Händlern reagieren die Kurse auf das weiterhin robuste Wirtschaftswachstum in China. Das Bruttoinlandsprodukt das Landes erhöhte sich im zweiten Quartal nach offiziellen Angaben um 9,5 Prozent verglichen mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das war zwar der geringste Zuwachs seit knapp zwei Jahren, doch wurden die Prognosen der Analysten leicht übertroffen.

          Positiv wirkte sich auch noch die Anhebung der Prognose von BMW vom Vortag aus. Der Automobilkonzern erhöhte bereits am Dienstag seinen Ausblick für das laufende Jahr und rechnet nun mit einem Rekordabsatz von mehr als 1,6 Millionen Autos.

          Zahlen von L'Oreal drücken Kurse von Beiersdorf und Henkel

          Abschläge mussten dagegen die Aktien von L'Oreal hinnehmen, deren Kurs um mehr als 3 Prozent fiel. Dem weltgrößten Kosmetikersteller macht die schwache Nachfrage in Nordamerika und Osteuropa zu schaffen. Auch wenn L'Oreal an seinen Jahreszielen festhalte, sorge die enttäuschende Entwicklung für schlechte Laune im gesamten Sektor, sagte ein Händler.

          Uneinheitlich entwickeln sich die Bankenwerte, die zu Wochenbeginn noch deutlich unter Druck gestanden hatten. Der Aktienkurs der Deutschen Bank sank um 0,5 Prozent auf 37,90 Euro, die Commerzbankaktie tendierte leicht schwächer. Die italienischen Bankentitel Unicredit und Intesa Sanpaolo legten demgegenüber zu.

          Gut laufende Geschäfte mit der Pharmaindustrie treiben den Kurs der Aktien von Gerresheimer auf ein Drei-Jahres-Hoch. Die Papiere des Spezialverpackungsherstellers verteuern sich um 7 Prozent auf 34,75 Euro. Mit seinen Zuwächsen im zweiten Quartal übertraf der Düsseldorfer Konzern die Analystenschätzungen. „Das Gesamtbild stimmt, damit könnte auch das zweite Halbjahr positiv überraschen“, sagte ein Händler.

          Die Aktien des Kartonherstellers Youbisheng Green Paper lagen an ihrem ersten Handelstag im Regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Wertpapierbörse zuletzt bei geringem Umsatz bei 6,72 Euro und damit über ihrem Ausgabepreis von 6,50 Euro. Analyst Christoph Schmidt vom Asset Manager N.M.F. AG betonte, dass weniger als vier Prozent der Aktien platziert worden seien und das auch noch zum Tiefstpreis der Spanne. Die Kursaufschläge seien auf den „fast nicht vorhandenen Freefloat“ zurückzuführen.

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