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Marktbericht : Amerikanische Konjunkturdaten nähren Hoffnung

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Hoffnungen auf eine Stabilisierung der amerikanischen Wirtschaft haben die deutschen Aktienmärkte am Mittwoch angeschoben. Die Anleger seien zwar nicht übermäßig optimistisch, aber sie hinterfragten den extremen Pessimismus, sagte ein Börsianer.

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          Hoffnungen auf eine Stabilisierung der amerikanischen Wirtschaft haben die deutschen Aktienmärkte am Mittwoch angeschoben. Der Dax schloss 0,9 Prozent höher bei 4223 Punkten und verbuchte damit den siebten Handelstag in Folge Kursgewinne. Der MDax legte 1,7 Prozent auf 4538 Zähler zu. Der TecDax gewann 2,1 Prozent auf 471 Punkte.

          Aufgehellt wurde die Stimmung von als überraschend gut ausgefallen interpretierten amerikanischen Konjunkturdaten. Die Anleger seien zwar nicht übermäßig optimistisch, aber sie hinterfragten den extremen Pessimismus, der vor wenigen Wochen geherrscht habe, sagte ein Börsianer.

          Siemens belastet mit Warnungen

          In der amerikanischen Wirtschaft mehrten sich mit einem überraschenden Auftragsplus für die Industrie und einem Anstieg der Immobilienverkäufe die Anzeichen für ein Nachlassen der scharfen Rezession, so die gängige Interpretation. „Damit zeichnet sich eine Bodenbildung ab“, kommentierte Postbank-Volkswirt Thilo Heidrich die Daten vom amerikanischen Immobilienmarkt, wo die weltweite Wirtschaftskrise ihren Ausgangspunkt genommen hatte.

          Weniger zur Kenntnis genommen wurden negative Nachrichten vom deutschen Markt. Der Aktienkurs des Elektrokonzerns Siemens rutschte um vier Prozent ab. Konzernchef Peter Löscher hatte in einem Interview gesagt, seit Januar habe sich das wirtschaftliche Umfeld für Siemens noch einmal erheblich verschlechtert.

          „Siemens hat den Markt auf eine Gewinnwarnung vorbereitet, das drückt die die Stimmung“, sagte ein Händler. DZ-Bank-Analyst Karsten Oblinger erklärte, schon seit der Vorlage der letzten Quartalszahlen sei nicht mehr damit zu rechnen gewesen, dass Siemens seine Geschäftsziele erreicht. Die Aussagen Löschers lasteten auf den ganzen Sektor. In Paris fielen die Aktien des Konkurrenten Alstom um 4,6 Prozent und in Zürich ABB um 0,3 Prozent.

          Schlechte Nachrichten von BASF und Ifo

          Belastet von der schwachen Auftragslage in der Chemiebranche gaben die zuletzt gefragten Aktien von Weltmarktführer BASF um 1,9 Prozent nach. BASF will wegen der Auftragsflaute eine Anlage in Ludwigshafen zur Herstellung von Petrochemikalien
          vorübergehend abstellen.

          Für etwas Enttäuschung bei Investoren sorgte auch der Ifo-Konjunkturindex. Zwar fiel der Gesamtindex im Rahmen der Erwartungen aus, der erneut gestiegene Teilindex Erwartungen, der die Einschätzung der deutschen Firmen für die kommenden sechs
          Monate misst, lag aber unter den Prognosen von Experten.

          Commerzbank und VW im Aufwind

          Europäische Bankaktien legten eine Atempause ein, der Branchenindex verlor 0,9 Prozent. „Die Bankaktien sind soweit vorgelaufen, das ist jetzt ganz normal“, sagte ein Händler. Gegen den Branchentrend schossen im Dax Commerzbank-Aktien 15,7 Prozent auf 3,82 Euro nach oben. Seit ihrem Tiefststand von 2,22 Euro am 6. März haben die Papiere damit rund 40 Prozent an Wert gewonnen.

          Händler verwiesen auf das im Vergleich zu Konkurrenten noch immer bestehende Nachholpotenzial der Aktie sowie auf einen Zeitungsbericht, wonach die Bank der EU-Kommission noch vor ihrer Hauptversammlung am 15. Mai einen umfassenden Restrukturierungsplan vorlegen will. „Das schafft Sicherheit“, kommentierte ein Börsianer.

          In Mailand legten die Aktien von Banco Popolare trotz Bekanntgabe eines Verlustes 2008 fast zehn Prozent zu. Händlern zufolge setzt der Markt darauf, dass nun das Schlimmste hinter der italienischen Bank liege.

          Gefragt waren auch Volkswagen-Papiere, die gut zehn Prozent anstiegen. Händler verwiesen darauf, dass Großaktionär Porsche von Banken neue Kredite über zehn Milliarden Euro erhält.

          Amerikanische Börsen beflügelt

          Ein unerwartetes Auftragsplus in der Industrie sowie ein unerwarteter Anstieg der Immobilienverkäufe schüren an der Wall Street die Hoffnung, die Talsohle könne erreicht sein. Von den Nachrichten profitieren vor allem die Aktien von Industriekonzernen, Banken und Immobilienfirmen.

          Der Dow-Jones-Index der Standardwerte steigt um 1,5 Prozent auf 7777 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 gewinnt 1,2 Prozent auf 815 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq tendiert 1,1 Prozent höher bei 1532 Stellen.

          Präsident Obama verbreitete ebenfalls Optimismus und versicherte, die Bekämpfung der Wirtschaftskrise zeige erste Erfolge. „Wir werden uns von dieser Rezession erholen“, machte Obama den Amerikanern Mut. Die Verkäufe von Einfamilienhäusern stiegen im Februar unerwartet um knapp fünf Prozent. Dieses als Zeichen für eine Belebung am Immobilienmarkt interpretierte Plus katapultiert viele Titel aus der Branche mehr als zehn Prozent in die Höhe. Dazu zählen etwa die Aktien der Hausbauer DR Horton und Lennar.

          Von der positiven Entwicklung der Industrieaufträge profitierten vor allem Industriekonzerne wie Caterpillar und 3M, die um knapp 2 beziehungsweise gut 3 Prozent zulegen. Auch viele Titel der Finanzbranche setzen ihre jüngste Rally fort:
          Die Papiere der Bank of America legen um mehr als 8 Prozent zu, die Aktien von JPMorgan um gut 6 Prozent.

          Ford-Aktien notieren 3,5 Prozent im Plus, nachdem der Autobauer sich optimistisch zum Verkauf seiner schwedischen Tochter Volvo geäußert hatte. Ford führt nach eigenen Angaben mit mehreren Interessenten bereits detaillierte Gespräche und ist
          zufrieden mit der Anzahl und Qualität der potenziellen Käufer.

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