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Scherbaums Börsenwoche : Lufthansa-Aktionäre in Turbulenzen

  • -Aktualisiert am

Internet-Hauptversammlung der Lufthansa im Mai Bild: dpa

Der querköpfige Unternehmer Thiele sorgt für Wirbel bei dem Krisen-Unternehmen – doch er ist kein gieriger „Gordon Gekko“ und seine Zweifel an der Staatsrettung sind angebracht. Sollten Anleger sich ernsthaft über die Aktie Gedanken machen?

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          In der kommenden Woche wird es für die Deutsche Lufthansa spannend. Es geht um die Zukunft der führenden europäischen Fluggesellschaft. Und für viele Aktionäre langfristig auch um ihre Rendite und Anteile an einem traditionsreichen Unternehmen. Es hätte im Vorfeld eigentlich ruhig bleiben können – so dachte sich das wohl zumindest die Vorstandsetage um Carsten Spohr. Schließlich hatte man noch halbwegs pünktlich, bevor die Liquidität des Konzerns dank der Corona-Krise gen Null geht, sich mit dem Bund auf einen Deal geeinigt.

          Der Vorstand des (künftigen M-)Dax-Konzerns scheint dabei aber wohl ein bisschen ihren neuen Großaktionär Heinz-Hermann Thiele und dessen eigenwilliges Geschäftsdenken unterschätzt zu haben. Dies verwundert, schließlich hat er dieser in der Vergangenheit schon als Hauptaktionär beim Bremsen-Spezialist Knorr-Bremse wirken lassen. Es brauchte genau ein Interview mit der F.A.Z., um die Lufthanseaten in Frankfurt so richtig nervös zu machen.

          Thiele ist kein Gordon Gekko

          Denn Heinz-Hermann Thiele zeigte sich gegenüber der F.A.Z. unzufrieden mit dem Rettungspaket, besonders mit dem geplanten Staatseinstieg. „Ich bin der festen Überzeugung, dass der Staat nicht der beste Unternehmer ist“, sagte er. Ebenso teilte Thiele mit, dass die Aufstockung seiner Anteile an der Lufthansa auf nun 15 Prozent kein Signal sei, auf der Hauptversammlung gegen irgendetwas zu stimmen. Zugleich kam von ihm aber auch (berechtigte) Kritik auf, dass der Vorstand des Kranich-Konzern nicht die mit dem Bund behandelten Alternativen benannt habe.

          Wie blank letztlich die Nerven bei Lufthansa liegen zeigte die Reaktion des Unternehmens. Unverzüglich warnte der Konzern in einer Mitteilung vor einem Scheitern des Rettungspaketes und rief seine Aktionäre auf, möglichst in großer Zahl am außerordentlichen Aktionärstreffen teilzunehmen. Lufthansa fürchtet, dass der Großaktionär Thiele wegen der üblicherweise schwachen Präsenz von Aktionären auf Hauptsammlungen den Rettungsplan blockieren könnte.

          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. : Bild: Christoph Scherbaum

          So ein bisschen erinnerte das Ganze an den Dieter Wedel -Dreiteiler „der große Bellheim“ aus den 1990er-Jahren, in dem der Vorstand der Bellheim-Kaufhäuser den gierigen Investor Karl-Heinz Rottmann versucht davon abzubringen, eine Revolte auf der Hauptversammlung zu starten. Doch Thiele scheint weder ein Rottmann, noch ein Gordon Gecko aus „Wall Street“ zu sein, der die in finanzielle Schwierigkeiten geraten Fluggesellschaft „Bluestar“ ausnehmen will.

          Der Milliardär Thiele mag über ein ausgeprägtes Ego verfügen, ein schwieriger Aktionär sein und auch ein bisschen der Fan von „einer gegen alle“, aber er hat durchaus die richtigen Fragen gestellt – wenn auch für viele Außenstehende zu einem verwirrenden Zeitpunkt. Gab es wirklich neben dem Bund-Rettungspaket keine bessere Alternative für den Konzern, seine mehr als 138.000 Mitarbeiter und dessen Aktionäre? Denkbar wäre ja durchaus eine Teil-Finanzierung über den Finanzmarkt gewesen und eben nicht eine Kapitalerhöhung - und diese noch zum Nennwert.

          Zweifel hat nicht nur der Großaktionär geäußert. Auch Aktionärsschützer sind skeptisch. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hatte bereits schon vor Wochen im Rahmen der Lufthansa-Verhandlungen mit der Bundesregierung immer wieder gefordert, dass die unternehmerische Einflussnahme des Staates verhindert werden muss, damit der Konzern überhaupt eine Chance hat, sich eigenständig aus der Krise zu manövrieren.

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