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F.A.Z. exklusiv : Lücken in der Geldwäscheaufsicht bei Wirecard

Was wird aus Wirecard? Bild: dpa

In Sachen Geldwäsche wurde die Muttergesellschaft des Zahlungsabwicklers offenbar von keiner deutschen Aufsichtsbehörde überwacht. Heute muss der Bafin-Chef Rede und Antwort stehen.

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          Trotz zahlreicher Warnsignale gab es beim von der Zahlungsunfähigkeit bedrohten Zahlungsverkehrsdienstleister Wirecard bis zuletzt aufsichtsrechtliche Lücken in der Geldwäsche-Bekämpfung. Für die Konzern-Muttergesellschaft Wirecard AG sah sich nach Recherchen der F.A.Z. in Sachen Geldwäsche offenbar keine deutsche Aufsichtsbehörde zuständig – und dies, obwohl der im Aktienindex Dax geführte Wirecard-Konzern in seinem Geschäftsbericht für das Jahr 2018 das Volumen der global abgewickelten Kundentransaktionen mit ungefähr 125 Milliarden Euro beziffert hat.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch beim Thema Geldwäsche verweist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) auf die Bezirksregierung Niederbayern: Diese habe darüber zu entscheiden gehabt, ob die Wirecard AG mit Hauptsitz in Aschheim bei München den Regeln des Geldwäschegesetzes (GwG) unterliege oder nicht. Diese Behörde wäre gegebenenfalls die zuständige Aufsichtsbehörde, sagte ein Bafin-Sprecherin.

          Bafin-Chef im Bundestag

          Die Bezirksregierung  wiederum erklärte auf Anfrage der F.A.Z., man habe die Einhaltung der Geldwäsche-Regeln durch Wirecard nicht kontrolliert: „Eine Zuständigkeit der Bezirksregierung liegt nicht vor“, teilte eine Behördensprecherin mit. „Die Wirecard AG ist nicht Verpflichtete des Geldwäschegesetzes im Zuständigkeitsbereich der Bezirksregierung.“ Die Bafin ist derweil nach eigenen Angaben für die Überwachung der Anti-Geldwäsche-Maßnahmen in der Tochtergesellschaft Wirecard Bank zuständig, die jedoch vergleichsweise klein ist.

          Dass die Konzernmutter Wirecard AG in ihrem Heimatland offenbar nicht der Geldwäscheaufsicht unterlag, überrascht auch deshalb, weil es seit Jahren immer wieder Geldwäsche-Vorwürfe gegen Wirecard gegeben hat. Im Dezember 2015 kam es deshalb sogar zu einer Razzia bei der Wirecard AG durch die Staatsanwaltschaft München.

          Die damalige Durchsuchung von Büros sei im Rahmen einer Rechtshilfe für das amerikanische Justizministerium erfolgt, teilte die zuständige Oberstaatsanwältin Anne Leiding jetzt der F.A.Z. mit. Weitere Auskünfte zu diesem Verfahren seien nicht möglich, weil die amerikanische Seite auf Vertraulichkeit poche.

          Der Wirecard-Skandal beschäftigt am Mittwoch auch die Abgeordneten des Deutschen Bundestages: Bafin-Präsident Felix Hufeld stellt sich in einer Anhörung den Fragen des Finanzausschusses. Die Fraktion der Grünen hat außerdem eine Aktuelle Stunde des Bundestags zum Fall Wirecard beantragt. Das Unternehmen hat in der vergangenen Woche einen Insolvenzantrag gestellt. Zuvor hatte Wirecard eingestanden, dass Guthaben auf asiatischen Treuhandkonten im Volumen von 1,9 Milliarden Euro unauffindbar seien.

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