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Londoner Börse : LSE will wohl Mailänder Börse verkaufen

Die Börse Mailand könnte zum Verkaufsobjekt werden. Bild: Reuters

Die Börsenbetreiberin profitiert vom hektischen Handel angesichts der Corona-Krise. Die EU könnte jedoch den Verkauf der italienischen Börse erzwingen. Eine Chance für die Konkurrentin Deutsche Börse?

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          Die wegen der Corona-Krise stark schwankenden Märkte bescheren den Börsenbetreibern hohe Handelsvolumina und Einnahmegewinne. Nach der Deutschen Börse meldet nun auch die Londoner Börse LSE gute Halbjahreszahlen. Sie hat ihre Einnahmen um 4 Prozent auf 1,06 Milliarden Pfund gesteigert und wird ihre Dividende um 16 Prozent auf 23,3 Pence erhöhen. Die Aktie des Börsenbetreibers lag am Freitag im Handel um fast 2 Prozent im Plus.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Für Interesse sorgte die Mitteilung der LSE, dass sie Gespräche über den Verkauf der Borsa Italiana zur Gänze oder der Anleihesparte MTS führt. Dies steht im Zusammenhang mit der Prüfung des Kaufs des Finanzdatenanbieters Refinitiv durch die Wettbewerbshüter der EU-Kommission. Der Refinitiv-Deal für 27 Milliarden Dollar ist das wichtigste Projekt von LSE-Chef David Schwimmer. Er sagte, die Übernahme mache „gute Fortschritte“.

          Brüssel hat Einwände

          Es gibt aber Einwände von Wettbewerbshütern in Brüssel und anderswo. Die EU sieht kritisch, dass bei einem LSE-Refinitiv-Zusammenschluss die Londoner mit dem italienischen Anleihehandel MTS und Tradeweb, an dem LSE eine Mehrheit hält, zu viel Marktmacht im Bereich des Handels mit europäischen Staatsanleihen bekommen. Daher könnte die LSE gezwungen sein, die Borsa Italiana abzugeben.

          Zuvor hatte die LSE noch betont, sie wolle sich nicht von der 2007 für 1,7 Milliarden Euro übernommenen italienischen Tochter trennen, die die Börse Mailand betreibt. Als wichtigster Interessent für den italienischen Handelsplatz gilt die europäische Börsengesellschaft Euronext, die sechs Börsen betreibt, darunter Paris und Amsterdam. Auch die Deutsche Börse hat Interesse, zumindest sprach Konzernchef Theodor Weimer bei der Bilanzpressekonferenz im Februar davon.

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