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Londoner Börse : Dubai und Katar steigen bei der LSE ein

Bild: FAZ.NET

Die Londoner Aktienbörse (LSE) rückt wieder in den Mittelpunkt der internationalen Konsolidierung der Börsen. Dubai übernimmt den Anteil der Nasdaq an der LSE, insgesamt 28 Prozent. Katar konnte sich direkt in London 20 Prozent erwerben. Ein Übernahme sei aber nicht geplant.

          Die Londoner Aktienbörse (LSE) rückt wieder in den Mittelpunkt der internationalen Konsolidierung der Börsen. Am Donnerstag einigte sich die Börse Dubai mit der amerikanischen Nasdaq auf eine komplizierte Transaktion, in deren Rahmen sie unter anderem den Anteil der Nasdaq an der LSE von 28 Prozent übernimmt. Kurz darauf gab ein anderer Staat der Golfregion, Katar, über seine Gesellschaft Qatari Investment Authority den Erwerb von 20 Prozent an der LSE bekannt.

          Gerald Braunberger
          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Gleichzeitig versicherte Katar, keine Übernahme der LSE zu planen, jedenfalls solange keine dritte Partei eine Übernahme der LSE plane. In Londoner Finanzkreisen gilt der Überraschungscoup von Katar als ein Versuch, eine Übernahme der LSE durch Dubai zu verhindern. Der Aktienkurs der LSE stieg daraufhin um mehr als 10 Prozent.

          Nasdaq auf dem Vormarsch

          Die Rivalität zwischen den beiden Golfstaaten belegt zudem der Erwerb einer Beteiligung von 10 Prozent an der nordeuropäischen Börse OMX, für die Dubai ein Übernahmeangebot über 4 Milliarden Dollar abgegeben hat. Dubai will die OMX nach einer gelungenen Übernahme an die mit ihr verbündete Nasdaq weiterreichen. Katar forderte die Aktionäre der OMX auf, das Angebot von Dubai nicht anzunehmen.

          Im Gegenzug zu einer Weiterreichung der OMX durch Dubai an die Nasdaq erwirbt die Börse Dubai einen Anteil von 20 Prozent an der Nasdaq. Der Anteil an den Stimmrechten der Nasdaq ist allerdings auf 5 Prozent beschränkt. Umgekehrt beteiligt sich die Nasdaq mit 33 Prozent an der Dubai International Financial Exchange (DIFX), deren Holding-Gesellschaft die Börse Dubai ist. Diese Börse soll in ihrer Heimatregion zukünftig unter dem Namen Nasdaq DIFX auftreten.

          Für die Nasdaq ist die Transaktion ein weiterer Schritt auf dem angestrebten Weg zu einer weltumspannenden Börse. Sollte das Abkommen zum Abschluss kommen, wäre die Nasdaq in den Vereinigten Staaten, in Europa und im Nahen Osten vertreten. Wegen des hohen Ölpreises verzeichnen die Kapitalmärkte im Nahen Osten ein starkes Wachstum. „Nach Abschluss der Transaktionen werden wir die technologische Infrastruktur und die finanzielle Stärke haben, um unsere globalen Ambitionen zu verwirklichen“, teilte Nasdaq-Vorstandschef Robert Greifeld in einer Presseerklärung mit.

          „Diese Transaktion wirft ernste Fragen auf“

          Der Aktienkurs der Nasdaq reagierte mit kräftigen Aufschlägen von knapp 6 Prozent. Ein Abschluss der geplanten Geschäfte ist jedoch nicht gesichert. Die Börse Dubai gehört mehrheitlich der staatlichen Anlagegesellschaft von Dubai. Das Emirat Dubai wäre damit der erste arabische Staat, der einen bedeutenden Anteil an einer großen amerikanischen Börse besitzen würde. Das könnte in Washington zu Widerstand führen. „Diese Transaktion wirft ernste Fragen auf, die beantwortet werden müssen“, sagte der New Yorker Senator Charles Schumer in einer ersten Reaktion.

          Die Nasdaq hatte bereits Ende Mai die Übernahme der OMX für 3,7 Milliarden Dollar in Aktien und bar vereinbart. Mitte August hatte dann die Börse Dubai, die vom ehemaligen Stockholmer Börsenchef Per Larsson geführt wird, ein Gegenangebot in Höhe von 4 Milliarden Dollar in bar für die OMX unterbreitet. Im Rahmen der jetzt erreichten Einigung wird zunächst Dubai die OMX für den gebotenen Preis übernehmen. Danach wird Dubai die OMX für 1,7 Milliarden Dollar in bar und den Anteil von 20 Prozent an die Nasdaq verkaufen.

          Wettrennen um die globale Dominanz

          Zwischen der Nasdaq und ihrem größeren amerikanischen Konkurrenten Nyse Euronext gibt es ein Wettrennen um die globale Dominanz. Die Nyse Group, der Betreiber der größten amerikanischen Aktienbörse New York Exchange, hatte im April die europäische Mehrländerbörse Euronext übernommen. Zudem hat die Nyse eine strategische Zusammenarbeit mit der Börse Tokio vereinbart.

          Für die Nasdaq ist der geplante Erwerb der OMX bereits der zweite Versuch, in Europa Fuß zu fassen, nachdem eine geplante Übernahme der LSE jüngst an deren Widerstand gescheitert war. Nach britischem Übernahmerecht könnte die Nasdaq frühestens im kommenden Februar ein neues Angebot unterbreiten.

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