https://www.faz.net/-gv6-a89kn

Lohnende Anlagen : Das sind die Familienperlen am Aktienmarkt

Stabile Marke: An der Familie Quandt kommt bei BMW niemand vorbei Bild: dpa

Unternehmen, die sich im Besitz von Familien befinden, sind an der Börse oft erfolgreicher als andere. Dieses Phänomen hat gute Gründe.

          3 Min.

          Das Gros der deutschen Unternehmen ist in Familienbesitz. Ihre Bedeutung für die deutsche Wirtschaft ist immens. Diese Unternehmen gelten häufig als besonders verantwortungsvoll und nachhaltig, was sie nicht nur für Arbeitnehmer, sondern auch für viele Anleger interessant macht. In Europa gibt es etwa bis zu 900 börsennotierte Familienunternehmen – allein hierzulande sind es etwa 150, deren Aktienkurse sich in den vergangenen 15 Jahren im Durchschnitt besser entwickelt haben als die breiten Aktienindizes. Dies ergibt eine Analyse der DZ Bank.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Nach Daten der Stiftung Familienunternehmen befinden sich in Deutschland mehr als 90 Prozent der Unternehmen im Besitz von Familien. Diese Gesellschaften stünden für gut die Hälfte der erzielten Umsätze und hätten zudem einen Anteil an der Gesamtbeschäftigung von 58 Prozent. Im Vergleich zu vielen anderen Industrienationen seien auch auffallend viele sehr große Unternehmen darunter.

          Auch Facebook & Co. zählen dazu

          Viele Familienunternehmen sind zwar nicht an der Börse notiert. Doch an den Aktienmärkten in Europa und in den Vereinigten Staaten spielten solche Unternehmen eine bedeutende Rolle, sagt Christian Kahler, Aktienstratege der DZ Bank. Bekannte Gesellschaften in Amerika seien unter anderem Wal Mart, Estée Lauder, Brown-Forman („Jack Daniels“) oder Ford Motors. Auch jüngere Unternehmen wie Amazon, Facebook oder Alphabet zählten dazu, blieben aber üblicherweise in entsprechenden Anlagestrategien noch unberücksichtigt. Sie befänden sich noch in der Hand der Generation der Gründer, Eigentum und Management seien meist eng gekoppelt.

          Und wie misst man den Börsenerfolg? Über einen Zeitraum von 15 Jahren habe zum Beispiel der Daxplus Family 30 Index der Deutschen Börse, der die 30 größten und liquidesten Aktien deutscher Unternehmen in Familienhand abbilde, im Durchschnitt 10,7 Prozent je Jahr zugelegt, rechnen die Analysten der DZ Bank vor. Zum Vergleich: Für den Dax seien es durchschnittlich 6,5 Prozent gewesen, für den M-Dax der mittelgroßen deutschen Aktiengesellschaften 9,8 Prozent und den Technologieindex Tec-Dax 11,4 Prozent. Dabei seien M-Dax und Tec-Dax für viele Weltmarktführer aus Deutschland bekannt, von denen viele familiengeführt seien, sagt die DZ Bank.

          Im Daxplus Family sind unter anderem Merck KGaA, Henkel oder Symrise enthalten. Voraussetzung für die Aufnahme in den Auswahlindex oder den 113 Unternehmen umfassenden Daxplus Family Index ist es unter anderem, dass die Gründerfamilie mindestens 25 Prozent der Stimmrechte hält oder mit einem Stimmrechtsanteil von mindestens 5 Prozent im Vorstand oder Aufsichtsrat vertreten ist. Die Unternehmen müssen zudem im Prime Standard, dem Qualitätssegment der Deutschen Börse, notiert sein.

          Warum sind viele Familienunternehmen so erfolgreich? Für die bessere Aktienkursentwicklung von inhabergeführten Unternehmen gebe es mehrere Gründe, sagt Kahler. Im Analystenalltag sei häufig zu beobachten, dass die Eigentümer einen klaren Fokus auf nachhaltiges und langfristiges Wachstum legen, nicht aber auf einzelne Quartalsergebnisse, wie es angestellte Manager mitunter tun. Divergenzen zwischen den Interessen von Eignern und Unternehmenslenkern träten deutlich seltener auf.

          Das Ziel sei oft ein „enkeltaugliches Investieren“, sagen Kahler und seine Analystenkollegen. Die sogenannten Ankeraktionäre hätten ein hohes Interesse daran, dass das Unternehmen langfristig profitabel sei und floriere. Mitunter werde dabei sehr auf die Kosten geachtet, für die Familien sei es schließlich das eigene Geld. Viele Mitarbeiter identifizierten sich zudem stärker mit dem Unternehmen, häufig gebe es eine gut ausgeprägte Unternehmenskultur. In der Praxis sei zudem die Fluktuation auf der Führungsebene oft gering. Die familienähnlichen Strukturen ermöglichen zudem schnellere Entscheidungsprozesse, heißt es.

          Rahmenbedingungen in Deutschland verschlechtert

          Doch es gibt nicht nur Erfolgsgeschichten, sagen auch die Analysten der DZ Bank. Viele inhabergeführte Unternehmen seien in den vergangenen Jahren gescheitert, nicht zuletzt aufgrund von Streitigkeiten innerhalb der Familie. Diese Misserfolge spiegelten sich natürlich nicht in den Kurslisten der inhabergeführten Unternehmen, den „Überlebenden“, wider. Besonders oft gibt es Schwierigkeiten, eine geeignete Nachfolge zu finden.

          Dabei sind die Rahmenbedingungen für Familienunternehmen in Deutschland zudem offenbar schlechter geworden. Dies ergab eine Analyse des Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen. Unter den 21 untersuchten Industrienationen lag Deutschland auf Platz 17 – binnen 15 Jahren ein Minus um fünf Plätze. Schwächen des Standorts liegen demnach in der Steuerpolitik und der Kategorie „Arbeitskosten, Produktivität und Humankapital“, der Infrastruktur und Energiekosten. Positiv hebe sich Deutschland in der Finanzierung hervor. Die finanzielle Stabilität von Staat und Privatwirtschaft sei „gerade in der Corona-Krise mit ihren enormen Finanzierungslasten stark zu würdigen.“

          Die Analysten der DZ Bank haben sich auch einige Familienunternehmen im Detail angeschaut. Zum Aktienkauf raten sie derzeit bei BMW, Hella, Kering, der Merck KGaA und Wacker Chemie.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Joe Biden am Mittwoch bei einer Fernsehansprache im Weißen Haus.

          Abzug aus Afghanistan : Biden zieht einen Schlussstrich

          Bis zum 11. September sollen die Soldaten aus Afghanistan abziehen – dann endet Amerikas längster Krieg. Zurück bleibt ein ungutes Gefühl. Doch der Präsident sieht Amerika mitten in einem weit größeren Konflikt.
          Im Mittelpunkt: Emre Can verursachte einen Handelfmeter, mit dem auf dem Rasen nicht alle einverstanden waren.

          Niederlage in Champions League : Aus der Traum für den BVB

          Keine „Weltsensation“: Dortmund gelingt im Viertelfinal-Rückspiel gegen Manchester City ein fulminanter Auftakt, am Ende aber muss sich der BVB geschlagen geben. Eine Szene sorgt für Diskussionen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.