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Batterien-Boom : Die Welt im Lithium-Rausch

Laut dem Analysehaus Morningstar wird die Nachfrage, die 2015 bei 175.000 Tonnen lag, um 16 Prozent jährlich steigen und 2025 bei 775.000 Tonnen liegen. Das würde bedeuten, dass zu jenem Zeitpunkt 100.000 Tonnen fehlen. Von einer „eher mittelfristige Verengung des Angebots“ spricht Commerzbank-Analyst Weinberg.

Kein Mangel an Lithium erwartet

Auf Sicht von mehreren Jahrzehnten jedoch wird an Lithium kein Mangel herrschen. Anders als viele andere Rohstoffe ist das Leichtmetall auf der Erde reichlich vorhanden, verteilt auf nur acht Länder. Die drei wichtigsten von ihnen – Australien, Chile und Argentinien – sind für 85 Prozent der Gesamtförderung verantwortlich. Die auf 41 Millionen Tonnen geschätzten Ressourcen in Gesteinen oder Salzseen würden selbst dann noch 200 Jahre oder länger reichen, wenn sich die Nachfrage wie von Experten angenommen demnächst vervierfachen sollte.

Bild: F.A.Z.

Um den in absehbarer Zeit stark steigenden Lithium-Bedarf der Autoindustrie zu decken, versuchen die Förderer, so schnell wie möglich neue Lagerstätten zu erschließen. Allerdings dauern Abbau und Verarbeitung ziemlich lange und sind teuer. So hat der australische Produzent Orocobre sieben Jahre gebraucht, bis er endlich in einem großen argentinischen Salzsee Lithium fördern konnte. Für Minen werden inzwischen sogar geradezu astronomische Preise aufgerufen. 78 Millionen Dollar hat sich vor wenigen Wochen eine chinesische Firma ein Lithium-Vorkommen in Westafrika kosten lassen – der australische Verkäufer hatte das Gebiet ein Jahr zuvor für lediglich 40.000 Dollar erworben. Es ist ein wahres Wettrennen um geeignete Lagerstätten entstanden.

Es wurde kein Wertpapier gefunden!

Die Lithium-Produktion ist in der Hand von vier Firmen, die für 90 Prozent der Produktion verantwortlich sind: Albemarle und FMC aus den Vereinigten Staaten sowie Sociedad Quimíca y Minera de Chile und Tianqi Lithium aus China bilden ein Oligopol. Folglich gehören deren Aktien zu jenen, die bei Anlegern hoch im Kurs stehen und unlängst Rekordhochs erreichten. Der amerikanische Chemieriese Albemarle ist erst vor drei Jahren ins Lithium-Geschäft eingestiegen und mittlerweile der größte Produzent. Die Lithium-Sparte, die 14 Prozent des Albemarle-Umsatzes ausmacht, ist zuletzt um rund ein Drittel gewachsen, die Ergebnisse des vierten Quartals 2016 werden am Dienstag veröffentlicht.

Experten warnen vor Überhitzung des Marktes

Angesichts des großen Lithium-Vorkommens auf der Welt, der stark steigenden Investitionskosten und des hohen Preises für das Leichtmetall warnen einige Branchenkenner vor einer drohenden Überhitzung des Marktes. Charlie Thomas, Fondsmanager des Jupiter Global Ecology Growth, sieht „Parallelen zwischen dem derzeitigen Aktivismus bei der Batterietechnologie und dem, was wir Ende des vergangenen Jahrzehnts in der Solarbranche erlebt haben“. Der Hype um die Sonnenenergie führte zu erheblichen Überkapazitäten. Die Preise fielen stark, die Firmengewinne schrumpften, viele Anleger verloren Geld.

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Anleger, die trotz vereinzelter Warnungen vor Übertreibungen von der Zukunft der Elektromobilität überzeugt sind, können vom Lithium-Boom profitieren. Ein Handel mit dem Rohstoff an sich ist für sie zwar nicht möglich, doch über die Aktien von Lithiumproduzenten oder Fonds können sie an der hohen Nachfrage Geld verdienen.

Unter den Förderern, die ganz vom Lithium-Geschäft leben, werden gerne Orocobre und Neometals von Marktbeobachtern herausgehoben. Während Orocobre in Salzvorkommen fördert, baut Neometals in Minen ab. Zu den Profiteuren des Lithium-Booms gehören auch Batteriehersteller wie Panasonic und im besten Falle auch Automobilhersteller. Die Tesla-Aktie hat binnen eines Jahres 50 Prozent gewonnen – allein drei Prozent, nachdem das Unternehmen am vergangenen Mittwoch gute Zahlen fürs vergangene Quartal veröffentlichte. Allerdings müssen Anleger gegebenenfalls das Wechselkursrisiko beachten.

Name Kurs %
PANASONIC -- --
TESLA INC. DL -,001 -- --
NEOMETALS LTD -- --

Für Anleger, denen Einzelaktien zu gewagt sind, gibt es einige Fonds, die in die Wertschöpfungskette der Lithium-Branche investieren. Der Structured Solutions Lithium Index Strategie Fonds der Schweizer Fondsboutique Commodity Capital hat auf Jahressicht 135 Prozent an Wert gewonnen. Der Fonds orientiert sich am S-Box Lithium Index, in dem die 25 größten Lithium-Firmen der Welt vereinigt sind.

StrucSol Nx Gen Res Fd A

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