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Lira-Krise : Erdogan und die „kapitalistische Logik des Westens“

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Recep Tayyip Erdogan im Novemer Bild: AP

Die türkische Lira hat enorm an Wert verloren. Doch Präsident Erdogan verteidigt weiter die Niedrigzinspolitik – und fordert die Bevölkerung auf, Goldersparnisse ins Bankensystem einzuspeisen.

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          Vor dem Hintergrund der Lira-Krise hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die gängige ökonomische Lehre zu Zinsen als „kapitalistische Logik des Westens“ kritisiert und seine Niedrigzinspolitik verteidigt. Selbst Menschen, die ihm nahe stehen, glaubten, dass hohe Zinsen eine hohe Inflation bekämpfen könnten. „Aber solange ich lebe, behaupte ich fest: Leitzinsen sind der Grund und Inflation die Folge“, sagte Erdogan am Freitag.

          Erdogan bemühte abermals den Koran, um seine Niedrigzinspolitik zu verteidigen. Der Islam verbietet sehr hohe Zinssätze oder Spargewinne und Wucher. Gelehrte sind allerdings gespalten in der Frage, wie ein angemessener Gewinn formuliert werden kann. Mit Blick auf die ökonomischen Turbulenzen sagte Erdogan, es tue ihm leid, dass es Verluste gegeben habe. „Aber es ist unsere Pflicht, das Richtige für das Wohl unseres Landes und unseres Volkes zu tun.“

          Mehr als zwei Milliarden Dollar aufgebracht

          Erdogan forderte die Bevölkerung zudem dazu auf, Goldersparnisse ins türkische Bankensystem einzuspeisen. „Je mehr von den 5000 Tonnen, die unter den Kissen aufbewahrt werden, in die Wirtschaft eingebracht wird, umso mehr erstarken wir als Land und als Volk.“

          In Folge der Abwertung der Lira hatten viele Menschen in der Türkei in Alternativen wie Gold investiert. Auch türkische Firmen, die nicht mit Fremdwährungen handeln, sollten kein anderes Finanzinstrument als die Lira verwenden, sagte Erdogan. Mit Blick auf die hohe Fluktuation bei Wechselkursen und die Preisschwankungen im Land sagte er, er erwarte eine „rapide Normalisierung“.

          Die türkische Zentralbank hat im laufenden Monat fünf Mal am Kapitalmarkt interveniert. Angaben der Zentralbank vom Freitag zufolge wurden bei den ersten drei Malen mehr als zwei Milliarden Dollar aufgebracht.

          Die türkische Zentralbank folgt seit Spätsommer ungeachtet einer hohen Inflation von zuletzt gut 21 Prozent einem strikten Zinssenkungskurs. Durch die Kursverluste der Lira wird die Teuerung noch weiter angefacht. Präsident Erdogan übt fortlaufend Druck auf die Notenbank aus, um die Zinsen weiter zu senken. Er hat bereits mehrfach ranghohe Notenbanker entlassen, die sich seinem Kurs widersetzt haben.

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