https://www.faz.net/-gv6-aa6ch

Britischer Vermögensverwalter : Die große Macht der Abstimmung

Vermögensverwalter erheben als Aktionäre immer öfter ihre Stimme gegen Unternehmen, die wie etwa Duke Energy Kohle verfeuern. Bild: Reuters

Der Vermögensverwalter LGIM gehört zu den größten Vermögensverwaltern der Welt. Am Mittwoch legt er seinen zehnten Active Ownership Report vor – und erhöht den Druck auf die Unternehmen, nachhaltiger zu sein.

          2 Min.

          Den großen Fondsgesellschaften kommt bei den Forderungen rund um das Klima, das Soziale und die Grundsätze guter Unternehmensführung, die in der Finanzbranche mit den drei Buchstaben ESG abgekürzt werden, eine immer wichtigere Rolle zu. Allein im vergangenen Jahr verfügten die 500 größten Vermögensverwalter der Welt über mehr als 104 Billionen Dollar. Das geht aus einer Studie des Thinking Ahead Institute im Auftrag von Willis Towers Watson hervor.

          Antonia Mannweiler
          (mann), Wirtschaft

          Als Großaktionäre vieler Unternehmen können sie damit maßgeblich Einfluss auf die Nachhaltigkeitsausrichtung der Konzerne nehmen. Als Druckmittel werden dabei auch die Abstimmungen auf Hauptversammlungen genutzt. Sie können dann etwa gegen das Management stimmen oder auch bestimmten ESG-Aktionärsanträgen zustimmen.

          „Active Ownership“ – aktives Aktionärstum

          Mit einem verwalteten Vermögen von 1,7 Billionen Dollar gehört auch die britische Fondsgesellschaft Legal & General Investment Management (LGIM) zu den größten Vermögensverwaltern der Welt. Am Mittwoch veröffentlicht das Unternehmen seinen zehnten „Active Ownership Report“. In dem Bericht legt das Unternehmen Daten zum aktiven Aktionärstum offen, im Finanzjargon auch „Active Ownership“ genannt. Dabei engagieren sich Investoren aktiv, um etwa die CO2-Reduktion im Portfolio oder auch die Einhaltung von Menschenrechten voranzutreiben.

          „Wir haben eine große Abstimmungsmacht“, sagt dazu Sacha Sadan, Direktor bei LGIM. Im Pandemiejahr 2020 hat LGIM gegen 4700 Unternehmensvorstände aufgrund von Governance-Bedenken gestimmt und sein Engagement, also den Dialog mit den Unternehmen bezüglich deren Nachhaltigkeit, um 21 Prozent erhöht. Man nehme seine Aufgaben bei der Abstimmung sehr ernst und praktiziere auch, was man predige, so Sadan.

          Gerade das ist aber nicht immer der Fall. Die britische Denkfabrik Influence Map verfolgt, wie Unternehmen und die Finanzbranche die Klimakrise beeinflussen. So sei die Unterstützung von Klima-Resolutionen im Jahr 2020 im Vergleich zu den beiden Vorjahren zwar insgesamt gestiegen. Doch entgegen dem Trend verweigerten vor allem große amerikanische Vermögensverwalter, darunter Blackrock, Vanguard, Capital Group und Fidelity, die Unterstützung von 75 oder mehr Prozent der Klima-Resolutionen.

          LGIM habe knapp 500 Unternehmen mit schwachen Klima-Resultaten angeschrieben, geht aus dem Bericht des britischen Vermögensverwalters hervor. Unternehmen, die Mindeststandards künftig nicht einhalten, sollen mit Abstimmungen sanktioniert werden. Neben den Klimasorgen sei in der Pandemie gerade das „S“ von ESG in der Vordergrund gerückt, sagt Sadan, etwa auch in der Frage, ob Vorständen Boni gezahlt werden sollten, wenn das Unternehmen Hilfen vom Staat erhalten oder Dividenden gekürzt oder ausgesetzt habe. Ende letzten Jahres habe man aufgrund des hohen Vergütungsniveaus im Vorstand auch gegen die Muttergesellschaft von British Airways und Quantas gestimmt.

          Deutsche Unternehmen sanktionieren

          Zudem spielt die Governance bei der Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle. Im vergangenen Jahr hat LGIM gegen 411 Unternehmen gestimmt, in denen Aufsichtsrat und Vorstand in Personalunion geführt wurden. Konzernlenker sollten nicht den Aufsichtsrat führen, sagt Sadan dazu. Dies stehe dem Interesse der Kunden entgegen.

          In Deutschland will LGIM im laufenden Jahr dagegen Unternehmen sanktionieren, in denen Aufsichtsratsmitglieder für mehr als vier Jahre gewählt werden. Auf der Website von LGIM werden die Abstimmungen aller Unternehmen minutiös aufgelistet. Man habe rund 3000 institutionelle Kunden, so Sadan. Man könne nicht auf der einen Seite mehr Transparenz fordern und sie auf der anderen Seite nicht selbst bieten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Dennis Aogo

          Dennis Aogo : Die große Verunsicherung nach dem Sturm

          Dennis Aogo steht im Mittelpunkt einer turbulenten Fußballwoche. Was darf man als Profi oder Experte sagen? Welche Formulierungen sind korrekt, welche idiotisch? Und wie geht es weiter?
          Wer hat uns bloß den Impfneid eingepflanzt?

          Fraktur : Der implantierte Impfneid

          Lammfromm zur Impfbank: Wäre die Nachricht von der Gates-Scheidung bloß früher gekommen!

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.