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Rekordbörsengang : Batterien für Elektroautos locken Südkoreas Investoren

Ladesäulen für Elektroautos Bild: dpa

LG Energy Solution will den Abstand zum Weltmarktführer China im Bereich Batterien für Elektroautos verringern. Der Rekordbörsengang in dieser Woche legt beste Voraussetzungen dafür.

          3 Min.

          Die Aussicht auf immer mehr Elektroautos in der Welt erhitzt die Gemüter an der Börse in Seoul. Bei seinem Rekordbörsengang eröffnete der Batteriehersteller LG Energy Solution am Donnerstag den Handel fast zum Doppelten des Ausgabepreises von 300.000 Won (222 Euro). Schon in den vergangenen Wochen hatten Investoren und Millionen privater Anleger ein reges Interesse an der Aktie gezeigt. LG Energy, eine Ausgründung der Muttergesellschaft LG Chemical, sammelte mit dem Börsengang 12,8 Billionen Won (9,5 Milliarden Euro) ein.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Das ist der mit Abstand größte Börsengang in Südkorea. Rekordhalter war bisher Samsung Life Insurance, das 2010 umgerechnet 3,8 Milliarden Euro eingenommen hatte. Es ist auch der größte Börsengang in Asien seit 2019, als der chinesische Internethändler Alibaba 2019 in Hongkong umgerechnet 11,5 Milliarden Euro aufnahm.

          LG-Energy ist Zweiter auf dem Markt

          LG Energy Solution, abgekürzt LGES, will das neue Kapital in den Ausbau der Produktionskapazitäten stecken und den Abstand zum Weltmarktführer für Batterien für Elektroautos, Chinas Contemporary Amperex Technology (CATL), verringern. Die Südkoreaner sehen sich dabei in einem fundamentalen Vorteil, weil sie im Gegensatz zu CATL mit ihrem Netzwerk an Kunden und ihren Produktionsstätten global aufgestellt sind. Das kann sich nach Einschätzung von Analysten dann auszahlen, falls im Handelsstreit zwischen China und dem Westen das Interesse an chinesischen Herstellern sinken sollte. Auch CATL bedient ausländische Kunden, erwirtschaftet das Gros seines Umsatzes aber im chinesischen Markt. Besser aufgestellt gegenüber CATL sei LG Energy auch in der Materialforschung und in der Zahl der Patente, argumentiert der Chef Kwon Young-soo. LG Energy hält einen Anteil von rund 21 Prozent am Markt für Batterien für Elektroautos. Chinas CATL steht nach einer Analyse von SNE Research mit rund 32 Prozent auf der Spitzenposition. Auf dem dritten Platz liegt Japans Panasonic mit etwa 13 Prozent. Kleinere südkoreanische Anbieter sind SK Innovation und Samsung SDI.

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          Zu den Kunden von LG Energy zählen unter anderem Volkswagen und Audi, Tesla und General Motors und die Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi Motors. Erst am Mittwoch hatte das Unternehmen angekündigt, zusammen mit General Motors im amerikanischen Michigan eine 2,6 Milliarden Dollar teure Batteriefabrik zu errichten. Für die Südkoreaner ist es die dritte Fabrik in den Vereinigten Staaten. Sie betreiben auch Werke in Polen und China. Mit Stellantis baut LG Energy eine Batteriefabrik in Kanada und mit Hyundai Motor in Indonesien.

          Schnelles Wachstum bringt Probleme

          Die Wachstumsperspektiven werden allgemein als gut eingeschätzt. Kwon betont, dass das Unternehmen langfristige Aufträge im Wert von 260 Billionen Won (192 Milliarden Euro) eingesammelt habe. Die Neuausrichtung hin zu Batterie-Elektroautos in China, Europa und in den Vereinigten Staaten bietet viel Potential. Kwon will die Produktionskapazität binnen drei Jahren auf 400 Gigawattstunden um das 2,6-Fache ausweiten.

          LG Energy kennt andererseits auch die Probleme des schnellen Wachstums. Im vergangenen Jahr verschob es den Börsengang, nachdem GM 142.000 Elektroautos des Typs Chevrolet Bolt wegen brennender Batterien zurückgerufen hatte. Der Schaden kostete LG Energy fast 2 Milliarden Dollar. Es war nicht der einzige Rückruf in den letzten Jahren. Mit Siemens arbeitet LG Energy an einer Verbesserung des Produktionsprozesses.

          Aktie konnte Kurs nicht halten

          Mit dem erfolgreichen Börsengang schob LG Energy sich mit einer Börsenkapitalisierung von umgerechnet 88 Milliarden Euro auf Rang zwei an der Börse in Seoul. Der Neuling ordnete sich zwischen dem Marktführer Samsung Electronics und SK Hynix ein. Das Mutterunternehmen, LG Chemical, rangiert auf Platz 7. LG Chemical hält weiter 81,8 Prozent an der Tochtergesellschaft.

          Die Aktie von LG Energy konnte am Donnerstag den Eröffnungskurs aber nicht halten. Kleinanleger beeilten sich, den Kursgewinn zu Geld zu machen. Manche Wertpapierhäuser in Seoul hatten nach Medienberichten zeitweise Schwierigkeiten mit ihren Datenservern. Zum Börsenschluss lag die Aktie 15 Prozent im Minus mit 505.000 Won, aber immer noch 68 Prozent höher als der Ausgabekurs. Eine Rolle spielte, dass die geldpolitischen Straffungssignale der amerikanischen Notenbank Federal Reserve den Markt in Seoul generell belasteten. Der Kospi-Aktienindex beendete den Handel mit einem Minus von 3,5 Prozent.

          Das große Interesse der Anleger wird nicht zuletzt durch die expansive Geldpolitik der Bank von Korea befeuert, die sich auch im starken Zuwachs privater Kredite und der Hauspreise im Großraum Seoul zeigt. Im vergangenen Jahr zog die Börse in Südkorea so viele Unternehmen an. Mehr als 20 Neuzugänge nahmen insgesamt rund 17 Billionen Won (12,6 Milliarden Euro) auf. Damit wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2010 gebrochen.

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