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Kritik an Grenke-Leerverkauf : „Marktmanipulation, wie sie im Buche steht“

Turbulenzen: Anzeigetafel an der Frankfurter Börse Bild: dpa

Der Leerverkaufs-Angriff auf Grenke sorgt auch in der Fondsbranche für Aufruhr. Einige deutsche Fonds sind stark bei dem unter Druck geratenen Leasingunternehmen investiert.

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          Hinter vorgehaltener Hand wird der Mitarbeiter einer großen deutschen Fondsgesellschaft deutlich: „Wenn ein Analysehaus eine negative Analyse zu einem Unternehmen herausgibt, auf das es selbst Leerverkäufe laufen hat, ist das für mich Marktmanipulation, wie sie im Buche steht“, wettert er. „Wir sprechen hier von einer Gesetzeslücke und brauchen dringend einen Diskurs, wie man solche Vorgänge unterbinden kann.“

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Fall Grenke ist nach Wirecard die nächste große Belastungsprobe für die deutsche Börsenlandschaft und sorgt auch in der Fondsbranche für Aufruhr. Mit einem Bericht seines Analysehauses Viceroy unter anderem über Betrug und Geldwäsche bei Grenke hat der bekannte Leerverkäufer Fraser Perring den Aktienkurs von Grenke in dieser Woche um mehr als die Hälfte einbrechen lassen, von gut 55 bis auf unter 24 Euro. Er selbst dürfte über seine Wetten auf fallende Kurse prächtig daran verdient haben; Anleger, die von dem Bericht überrascht wurden, hatten das Nachsehen. Die Finanzaufsicht Bafin ermittelt nach eigenem Bekunden in alle Richtungen: Sowohl, ob an Perrings Vorwürfen etwas dran ist, als auch, ob dem Investor selbst Insiderhandel oder Marktmanipulation nachgewiesen werden kann.

          Nennenswerte Beträge

          Auch einige Investmentfonds haben nennenswerte Beträge in Grenke investiert. Zu den größten Aktionären von Grenke zählen Allianz Global Investors, also die Anlagegesellschaft des Versicherungskonzerns, mit rund 3 Prozent der Anteile. Die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken hält über ihre Union Investment Privatfonds knapp 3 Prozent und mit dem UniDeutschlandXS noch einmal 1,6 Prozent der Anteile.

          In der Fondsgesellschaft, die auch bei Wirecard schon ungewöhnlich hohe Positionen hielt, sorgt der Fall Grenke für Unruhe. „Zunächst gilt es nun, weitere Informationen zu sammeln und nicht vorschnell auf Anschuldigungen zu reagieren“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. „Derzeit überprüfen wir daher die Validität der Vorwürfe und haben deshalb Kontakt mit dem Unternehmen aufgenommen. Sobald wir hierzu einen tieferen Einblick haben, werden wir unsere Einschätzung zu Grenke überprüfen und gegebenenfalls Anpassungen in den Fonds vornehmen.“ Zugleich verteidigte er das Engagement bei der Leasinggesellschaft: „Grenke zeichnete sich in den vergangenen Jahren durch starkes Wachstum und Expansion ins Ausland aus.“ Die Haltung zu der Aktie sei zuletzt wegen der Corona-Pandemie und dem starken Geschäft Grenkes in Italien angepasst worden.

          GRENKE AG NA O.N.

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          Bei Allianz Global Investors will man sich nicht zum Fall Grenke äußern – aus Compliancegründen. Offenbar hat man dort Angst, dass alles, was man zu dem Fall sagen könnte, als Kauf- oder Verkaufempfehlung aufgegriffen werden könnte.

          Deutlich offensiver geht der kleine Vermögensverwalter Acatis an die Öffentlichkeit. Einer der Acatis-Fonds bestand nach dessen Angaben kurz vor dem Kurssturz zu knapp 4 Prozent aus Grenke-Aktien. Allein der erste Kursrückgang um 20 Prozent habe den Fondspreis um 0,8 Prozent verringert. Acatis stellte sich klar vor Grenke: „Wir halten das Unternehmen und sein Geschäftsmodell weiterhin für solide und sehen aktuell keine Veranlassung für eine Reduzierung der Grenke-Positionen in unseren Fonds“, ließ das Unternehmen wissen. Nach dem jüngsten Kurssturz habe man sogar weitere Grenke-Aktien nachgekauft.

          Bei der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, DWS, ist die Erleichterung mit Händen zu greifen, dass man dieses Mal – anders als im Fall Wirecard – keine nennenswerten Positionen hatte. Als der Kurs im Zuge der Analyse zusammenbrach, habe man das gleich im ganzen Haus abgefragt, sagt ein Sprecher auf Anfrage. Alles in allem habe man einen kleinen Millionen-Betrag investiert, was bei der Größer der DWS-Fonds ein überschaubares Risiko darstellt.

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