https://www.faz.net/-gv6-qdr0

Lebensversicherung : Die Überschußbeteiligung hat Fallstricke

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Wer kann einer angeblichen Rendite von 6 Prozent heute noch wiederstehen? Aber die Kosten für Verwaltung und Abschluß schmälern die Rendite von Lebensversicherungen beträchtlich.

          3 Min.

          Die Höhe der Überschußbeteiligung ist für viele Sparer ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl ihres Lebensversicherers. Doch diese Kennzahl gibt nur Auskunft über die aktuelle Rendite, nicht aber über die Erfolgsaussichten während der gesamten Laufzeit. Beim Abschluß langjähriger Verträge kann sie deshalb in die Irre führen, zumal die Überschußbeteiligung nicht berücksichtigt, wieviel Geld dem Sparer bei der Deckung von Abschluß- und Verwaltungskosten verlorengeht.

          Bei rund 6 Prozent Rendite wird so mancher Anleger schwach. Soviel gibt es nicht etwa für die riskante Anleihe eines bonitätsschwachen Unternehmens, sondern es handelt sich um die aktuelle Gesamtverzinsung bei den Lebensversicherern Europa und Asstel. Die Gesamtverzinsung resultiert aus der Summe von Garantiezins und Überschußbeteiligung. Zählt man die Zuweisungen zum Fonds für Schlußgewinnanteile hinzu, kann die errechnete Rendite der Ablaufleistung sogar noch etwas höher liegen.

          „Schulden“ beim Versicherer

          „Aber was heißt das schon?“ fragt Lilo Blunck, Geschäftsführerin des Bundes der Versicherten (BdV). Entscheidend seien nicht Überschuß und Gesamtverzinsung, sondern die Rendite auf die von den Versicherten geleisteten Prämien. Der Einwand ist berechtigt. Mancher Lebensversicherer bietet zwar überdurchschnittlich hohe Überschußbeteiligungen, aber auf eine üppige Ablaufleistung dürfen die Kunden dennoch nicht hoffen.

          Zu teuer ist der Verwaltungsapparat, und zuviel Geld streichen die Vermittler ein. An diese gehen in Extremfällen 6 Prozent aller künftigen Prämien aus einem Vertrag - und das zu Beginn der Laufzeit und auf einen Schlag. So kommt es, daß die Versicherten zu Beginn der Vertragslaufzeit gar nicht von der Verzinsung profitieren. Ihr Deckungskapital beim Versicherer ist zunächst negativ. Sie müssen in den ersten Jahren die Abschlußkosten abstottern, erst dann beginnt der Vermögensaufbau.

          Abschluß- und Verwaltungskosten

          Auch die Verwaltungskosten wirken wie eine Bremse und sind unter den mehr als 100 Lebensversicherern in Deutschland höchst unterschiedlich. Der Marktdurchschnitt der Relation zwischen Verwaltungsaufwendungen und Prämieneinnahmen liegt für die vergangenen zehn Jahre bei rund 3,7 Prozent. Die Spanne ist groß und reicht nach Daten des Branchendienstes Map-Report von 1 Prozent bei Europa und Neue Leben bis 8 Prozent bei der Berlinischen Leben.

          Ähnlich ist das Bild bei den Abschlußkosten. Die Relation zu den Prämieneinnahmen beträgt zum Beispiel beim Direktversicherer Hannoversche 2 Prozent und bei der Ideal mehr als 8 Prozent, während der Durchschnitt bei rund 5 Prozent liegt. Die Folge: Von der Höhe der Überschußbeteiligung läßt sich nicht ohne weiteres auf die Renditeaussichten schließen. Meist liegt die Rendite auf den Sparbeitrag niedriger, was zumindest bei den Kapitallebensversicherungen nicht nur an den Kosten für Vermittlung und Verwaltung liegt, sondern auch an den Aufwendungen für den Risikoschutz, den die Sparer genießen - anders etwa als bei der Anlage in Fonds.

          Geringere Rendite

          Trotz dieser Einschränkungen geben die Höhe der Überschußbeteiligung und die daraus resultierende Gesamtverzinsung wichtige Signale für die Auswahl des richtigen Lebensversicherers. Wer vor zehn Jahren einen Vertrag bei einem Lebensversicherer mit überdurchschnittlicher Gesamtverzinsung abgeschlossen hat, ist meist gut gefahren. Die meisten dieser Anbieter können heute immer noch überdurchschnittliche Werte vorweisen. Es gibt aber auch Ausnahmen: So lag die Provinzial Nord in den Jahren von 1996 bis 2000 mit 7,8 Prozent zwar weit vorn, hat aber seit 2003 nur noch 4 Prozent und damit deutlich weniger als der Durchschnitt gutgeschrieben. Umgekehrt zählte zum Beispiel die Basler vor zehn Jahren mit einer Gesamtverzinsung von 6,75 Prozent zu den Nachzüglern. Heute schreibt sie mit 4,50 Prozent einen überdurchschnittlichen Wert gut.

          Auch wenn man von solchen Ausnahmen absieht, ist die Auswahl ausschließlich nach dem Gesichtspunkt der aktuellen Gesamtverzinsung gewagt. Zunächst stellt sich die Frage, ob eine Verzinsung von 6 Prozent auf Dauer gewährt werden kann. Denn die Versicherer haben mehr als 80 Prozent ihres Kapitals auf dem Anleihemarkt investiert. Dort sind bei mittleren Laufzeiten aber nur noch Renditen von weniger als 4 Prozent möglich. Es ist also damit zu rechnen, daß die Spitzenreiter über kurz oder lang ihre Überschußbeteiligungen deutlich senken müssen.

          Hinzu kommt, daß die Rangliste nach Gesamtverzinsung, also nach der Summe aus Garantie und Überschuß, einige Gesellschaften schlechter aussehen läßt, als sie sind. So liegt der Maklerversicherer LV 1871 mit einer aktuellen Gesamtverzinsung von knapp 4 Prozent im unteren Drittel des Marktes. Das Unternehmen verwendet allerdings überdurchschnittlich viel für den Schlußgewinnanteil, der erst bei Ablauf des Vertrages gutgeschrieben wird. Bezieht man diesen Wert mit ein und nimmt an, daß er bis zum Ende des Vertrags durchgehalten wird, kommt die LV 1871 auf eine Rendite von rund 4,2 Prozent, gerechnet auf die Prämienzahlungen. Der Durchschnitt der Versicherer liegt mit dieser Prämienrendite bei rund 3,8 Prozent.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          F.A.Z. Exklusiv : Hanauer Attentäter suchte Hilfe bei Detektei

          Der Attentäter von Hanau hat sich im Oktober 2019 mit einem Detektiv getroffen. Er bat ihn um Hilfe, weil er sich von einem Geheimdienst beschattet sah. Die Aussagen, die Tobias R. damals machte, stützen das Bild eines geisteskranken Täters.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.