https://www.faz.net/-gv6-8fivb

IWF sagt voraus : China wird für die Weltbörsen immer wichtiger

China bestimmt die Weltwirtschaft mittlerweile in erheblichem Ausmaß und somit auch die Börsen. Bild: dpa

Chinas Konjunktur beeinflusst schon jetzt Anleger rund um den Globus. Noch aus einem anderen Grund wird der Einfluss des Landes wachsen, analysiert der IWF.

          2 Min.

          Zu Jahresbeginn rieben sich die Analysten an den Aktienmärkten in New York und Frankfurt verwundert die Augen: schon wieder hatten Kursabstürze an der größten chinesischen Festlandsbörse in Schanghai die Finanzmärkte in der westlichen Welt mit in die Tiefe gerissen  - genau wie fünf Monate zuvor, im Schanghaier Sommer des Schreckens, in dem die Kurse nach einem einjährigen Höhenflug und einer Steigerung um 150 Prozent plötzlich jäh abgestürzt waren und Kapital in Billionenhöhe vernichteten.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Nun vermasselte die Unsicherheit über die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft dem Rest der Welt den Start ins neue Jahr. Wieder einmal hatte Schanghai Schockwellen um den Erdball an die Finanzmärkte geschickt. Noch ein Jahr zuvor hatte die Kursentwicklung der chinesischen Festlandsbörsen gerade einmal die Spezialisten interessiert. Konnte es sein, dass das Geschehen auf dem Parkett an der Wall Street und in Frankfurt mittlerweile weniger von der Konjunkturentwicklung Amerikas und Europas bestimmt wurde, sondern verstärkt von jenem Land, das vor vierzig Jahren noch zu den ärmsten der Welt gezählt hat und keine Privatunternehmen kannte?

          Der Internationale Währungsfonds (IWF) mit Sitz in Washington sagt: Ja, China bestimmt die Weltwirtschaft mittlerweile in erheblichem Ausmaß. Und künftig noch viel mehr. Es sei „wahrscheinlich“, dass die Ansteckungsgefahr der chinesischen Malaise in den kommenden Jahren „erheblich steigen“ werde, schreibt der Fonds.

          IWF verlangt von Peking Transparenz in der Wirtschaftsstrategie

          Nach Einschätzung des IWF wird sich die Entwicklung des chinesischen Wachstums, das Pekings Führer in diesem Jahr in überaus ambitionierter Weise auf einen Wert zwischen 6,5 und 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr drücken wollen, in den kommenden Jahren immer stärker auf die internationalen Finanzmärkte auswirken. Durch den wachsenden finanziellen Einfluss der Volksrepublik und zunehmende globale Verflechtungen würden durch das Land ausgelöste Konjunkturschocks vermehrt spürbar, sagte der IWF in einem am Montag veröffentlichten Bericht zur weltweiten Finanzstabilität. Im vergangenen Jahr hatte eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in China weltweit nicht nur die Aktien-, sondern auch die Rohstoffmärkte auf Talfahrt geschickt.

          Was ist der Grund, dass nach Einschätzung des IWF die Finanzmärkte auf der Welt mittlerweile extrem sensibel auf Konjunktursignale aus China reagieren? Der IWF führt neben der schieren Größe der der chinesischen Wirtschaft und der weltgrößten Bevölkerung einer Nation mit 1,4 Milliarden Einwohnern auch den verstärkten Einsatz der chinesischen Währung Renminbi auf globaler Ebene an, die auch Yuan genannt wird.

          Als dritte Ursache für die steigende Bedeutung Chinas nennt der Fonds chinesische Unternehmen, die an ausländischen Aktienmärkten notiert sind, was zu einer engeren Verzahnung führe. So ist etwa der weltgrößte E-Commerce-Konzern Alibaba mit Sitz im südchinesischen Hangzhou an der New York Stock Exchange notiert. Alibaba aber macht über vier Fünftel seines Umsatzes in China: steigt dort die Arbeitslosigkeit und sinken die Löhne der Menschen, die noch eine Stelle haben, könnten Alibabas Kunden auch weniger Waren im Internet bestellen – das würde die Aktie des Unternehmens drücken und möglicherweise auch den Rest der an der Börse in New York notierten Werte beeinflussen.

          Der IWF verlangt deshalb von der Pekinger Führung Transparenz und Stringenz in ihrer Wirtschaftsstrategie. Gerade daran hatten es die autokratisch regierenden Kommunisten allerdings in den vergangenen zwölf Monaten deutlich mangeln lassen. Politische Beobachter glauben, dass eine größere Transparenz – auch in Wirtschaftsfragen – mit der Logik des auf nahezu vollständige Kontrolle ausgerichteten chinesischen Regierungssystems nicht vereinbar ist. Träfe dies zu, wäre das für die Weltwirtschaft keine gute Aussicht.

          Weitere Themen

          War die Bafin zu langsam?

          FAZ Plus Artikel: Krise der Greensill Bank : War die Bafin zu langsam?

          Der Bankenverband setzt die Finanzaufsicht unter Druck: Er hat sie schon Anfang 2020 über die Probleme bei der Greensill Bank unterrichtet. Vor allem Kommunen drohen nun herbe Verluste.

          „Bollwerk gegen Facebook“

          Geplante Kryptowährung : „Bollwerk gegen Facebook“

          Die EU–Kommission plant neue Kryptowährungen stärker zu regulieren, um die Finanzmarktrisiken zu minimieren. Die Brüsseler Entscheidungsträger sollen im Falle von währungspolitischen Gefahren eingreifen.

          Topmeldungen

          Angela Merkel im Bundestag bei der Debatte „Epidemische Lage von nationaler Tragweite“, einen Tag nach dem Bund-Länder-Gipfel

          Deutschlands Corona-Wette : Angela Merkel hisst die weiße Fahne

          Die gesamte Konstruktion, mit der Bund und Länder die Pandemie bewältigen wollten, hat Risse bekommen. Deutschland erlebt eine neue Form von politischem Kontrollverlust.
          Ein besonderes Tänzchen: Kneissl mit Putin auf ihrer Hochzeit in der Südsteiermark

          Kneissl geht zu Rosneft : Wer mit Putin tanzt

          Einst sorgte Österreichs frühere Außenministerin für Aufsehen, weil sie den russischen Präsidenten zu ihrer Hochzeit einlud. Nun zieht Karin Kneissl in den Aufsichtsrat von Rosneft ein – einem besonderen Unternehmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.