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Lateinamerika : Die Nervosität an Mexikos Börse steigt

  • Aktualisiert am

Kreuzung in Mexiko-Stadt Bild: picture-alliance / dpa

Auch die Börse in Mexiko-Stadt hat sich der allgemeinen Schwäche an den internationalen Aktienmärkten angeschlossen. Zudem wirft die Präsidentenwahl am 2. Juli bereits ihren Schatten voraus.

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          Auch die Börse in Mexiko-Stadt hat sich der allgemeinen Schwäche an den Aktienmärkten angeschlossen. Dennoch glänzt sie mit einer eindrucksvollen Hausse, die wenigstens aus technischer Sicht ungebrochen ist. Doch die Nervosität an Mexikos Börse steigt, denn am 2. Juli wird in Mexiko der nächste Präsident gewählt.

          Politische Beobachter vermuten mit Blick auf bereits abgehaltene Wahlen in Lateinamerika einen sich noch verstärkenden Linksruck. Selbst wenn er Mexiko nicht direkt erfassen sollte, könnte sich das allgemeine politische Klima in der gesamten Region derart verändern, daß institutionelle Investoren Lateinamerika ihre Gelder zunehmend entziehen. Immerhin zeichnen sich in einigen Ländern klare Verstaatlichungstendenzen ab, und wo dies nicht der Fall ist oder sein wird, steht eine unternehmensfeindlichere Politik zu befürchten.

          Rekordhoch erreicht

          Die Hausse des mexikanischen Aktienmarktes reicht inzwischen gut 15 Jahre zurück. Im Jahr 1990 begann sie bei einem Stand des IPC-Index von rund 400 Punkten. Sie führte auf das bisherige Rekordhoch von 21.823 Punkten, das am 9. Mai 2006 erreicht wurde. Der dynamische Teil der Aufwärtsbewegung setzte im März 2003 bei knapp 6.000 Punkten ein.

          Ohne Zweifel ist diese Hausse von enormen Kapitalzuflüssen finanziert worden, die in den vergangenen Jahren in die bereits recht hoch entwickelten oder stark aufstrebenden Schwellenländer geflossen sind. Als Sammelbegriff dient hier die griffige Abkürzung BRIC, die für „Brasilien, Rußland, Indien und China“ steht. Mexiko zählt aber nicht mehr zu dieser Gruppe, sondern hat bereits höhere Weihen erfahren, was sich in der von den Rating-Agenturen festgesetzten Bonität seiner Staatsanleihen ausdrückt.

          Analysten zunehmend vorsichtig

          Das Land gilt schon seit einigen Jahren mehr als Industrie- denn als Schwellenland. Dazu hat unter anderem die Mitgliedschaft im Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (Nafta) beigetragen. Besonders in der gehobenen mexikanischen Unternehmenswelt mit ihren weltweit bekannten Konzernen gelten Standards wie in beim Nachbarn Amerika. Den starken Einfluß, den Amerika in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht auf Mexiko nimmt, drückt schon von alters her der auch in Börsianerkreisen umgehende Spruch „Armes Mexiko! So fern von Gott und so nahe an Amerika“ aus.

          Es ist unbestritten, daß die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Amerika und Mexiko sehr eng sind. Da die Perspektiven für die amerikanische Wirtschaft auf Sicht von etwa zwölf Monaten weithin als nicht rosig beschrieben werden, sagen Ökonomen dämpfende Einflüsse auf Mexiko aus. Dies wiederum bewirkt, daß sich die Analysten bei ihren Prognosen zu den Ergebnissen mexikanischer Unternehmen zunehmend vorsichtig verhalten. Damit stellen sich kritische Fragen zur gegenwärtigen Bewertung mexikanischer Aktien.

          Gefahr des Niedergangs der Ölindustrie

          Weitgehend frei gewesen von solchen Überlegungen sind bis zuletzt die Aktien mexikanischer Rohstoffproduzenten, die wesentlich zu der Hausse an der Börse dort beigetragen haben. Doch auch hier rührt sich nach den jüngsten Turbulenzen besonders an den Metallmärkten Skepsis. Mexiko ist bedeutender Produzent und Exporteur einer Reihe von Metallen, darunter besonders Kupfer und Silber. Gleiches gilt für Rohöl.

          In diesem Bereich hat der staatlich kontrollierte Konzern Petroleos Mexicanos (Pemex) das Sagen, doch der Segen der steil gestiegenen Einnahmen aus der Förderung von Öl und dessen Ausfuhr ist indirekt auf die gesamte mexikanische Wirtschaft niedergegangen. Mexiko zählt zu den gemäßigten Produzenten, die immer wieder als Mittler zwischen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und den Einfuhrländern in Erscheinung getreten sind. Daß das Land nicht der Opec angehört, wird mit der Nähe zu Amerika begründet, das einen solchen Schritt nie geduldet hätte.

          Doch die mexikanische Ölindustrie wird weithin mit Sorge betrachtet. Ihr werde dank des leichten Zugriffs der Politik auf die Pemex notorisch Kapital entzogen, das dringend für Investitionen in die Erforschung neuer Vorkommen und deren Erschließung benötigt würde, heißt es. Sollte dies so bleiben, wäre ein schwer umkehrbarer Niedergang der Ölindustrie mit weitreichenden Konsequenzen für die gesamte mexikanische Wirtschaft und auch für den Peso zu befürchten.

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