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Blackrock-Chef : „Sind keine Umweltschützer, sondern Kapitalisten“

In diesem Jahr geht es Blackrock-Chef Larry Fink um „Stakeholder-Kapitalismus.“ Bild: Reuters

Larry Fink hat wieder einen Brief geschrieben. Der Blackrock-Chef mahnt mehr Nachhaltigkeit an – und prognostiziert, dass die nächsten 1000 „Einhörner“ weder Suchmaschinen noch Social-Media-Unternehmen sein werden.

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          Der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock , Larry Fink, nimmt die Vorstandsvorsitzenden von Unternehmen in die Pflicht, stärker auch die Interessen der Gesellschaft zu beachten. Das System nennt Fink „Stakeholder-Kapitalismus“. Schon seit einigen Jahren schreibt Fink, der einst Blackrock mitgründete und an der Wall Street reich wurde, zu Beginn des Jahres an die Vorstandsvorsitzenden einen Brief, in deren Unternehmen Blackrock investiert ist. Immer wieder greift er dabei aktuelle gesellschaftliche Debatten auf.

          Inken Schönauer
          Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Im Interview mit der F.A.Z. im vergangenen Sommer sagte Fink zu den Motiven seiner Briefe: „Ich hatte das Gefühl, dass es sich an den Märkten nur noch um den Kurzfristerfolg dreht. Das ganze Auf und Ab an den Börsen ist aber nicht wichtig. Es gab zu wenige Stimmen, die sich um das Thema Langfristigkeit gekümmert haben. Das wollte ich ändern.“

           „Das ist die Kraft des Kapitalismus“

          In diesem Jahr geht es dem Blackrock-Chef um „Stakeholder-Kapitalismus.“ Dabei gehe es nicht um Politik. Auch nicht um eine soziale oder ideologische Agenda. Er sei auch nicht „woke“, also aufgewacht. „Er ist Kapitalismus, angetrieben von Beziehungen von gegenseitigem Nutzen.“ Nutzen zwischen den CEOs, den Mitarbeitern, Kunden, Zulieferern und Gemeinschaften, ohne die die Unternehmen nicht erfolgreich sein und „gedeihen“ könnten. „Das ist die Kraft des Kapitalismus“, schreibt Fink.

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          In der heutigen global vernetzten Welt müsse ein Unternehmen für alle Stakeholder, also Anteilseigner, Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten, Werte schaffen und gleichzeitig deren Wertschätzung erhalten, schreibt Fink. Nur so könne es seinen Aktionären langfristig einen Wert bieten.

          Die Grundlage des Kapitalismus sei der Prozess der ständigen Neuerfindung. Unternehmen müssten sich weiterentwickeln und auf Veränderungen reagieren. Andernfalls drohten sie von neuen Wettbewerbern verdrängt zu werden. Die Pandemie habe die Rahmenbedingungen für nahezu jedes Unternehmen verändert.

          „Immer mehr Geld wird in Bewegung kommen.“

          Sie habe neue Unternehmen entstehen lassen, aber auch bestehende zugrunde gerichtet. Vor allem aber habe sie die vom technologischen Fortschritt angestoßenen Umwälzungen für unser Leben und die Geschäftswelt deutlich beschleunigt. Zugleich habe die Pandemie das Vertrauen in traditionelle Institutionen untergraben und die Polarisierung in vielen westlichen Gesellschaften verschärft. Nie sei es für CEOs von größerer Relevanz gewesen, Position zu beziehen und einen klar definierten Unternehmenszweck, eine kohärente Geschäftsstrategie sowie eine langfristige Perspektive zu haben.

          Wie schon in den Jahren zuvor ging Fink in seinem Brief auch auf das Thema Nachhaltigkeit ein. Vor zwei Jahren hatte Fink geschrieben, dass Klimarisiko auch ein Investmentrisiko sei. In dieser kurzen Zeitspanne sei es zu einer fundamentalen Umverteilung von Kapital gekommen. Nachhaltige Anlagen hätten inzwischen die Schwelle von 4 Billionen Dollar erreicht. Das sei erst der Anfang.

          Die tektonische Kapitalverschiebung hin zu nachhaltigen Anlagen nehme Fahrt auf. Ob es sich um Kapital für innovative Vorhaben im Energiesektor handele oder um Vermögen, das aus traditionellen Indexprodukten in maßgeschneiderte Portfolios und Produkte umgeschichtet werde. „Immer mehr Geld wird in Bewegung kommen.“

          Fink prognostiziert, dass die nächsten 1000 „Einhörner“, also Start-ups, mit einer Bewertung von mehr als 1 Milliarde Dollar weder Suchmaschinen noch Social-Media-Unternehmen sein werden. Es werden nach seiner Meinung anpassungsfähige Innovatoren sein: Start-ups etwa, die Lösungen für den Verzicht auf fossile Brennstoffe entwickeln und die Energiewende für alle erschwinglich machen. „Wir haben Nachhaltigkeit ins Zentrum unseres Handelns gerückt. Nicht etwa weil wir Umweltschützer, sondern weil wir Kapitalisten und Treuhänder unserer Kunden sind.“

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