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F.A.Z. exklusiv : Berlin und Paris für Mark Carney als IWF-Chef

Mark Carney auf einer Pressekonferenz der Bank of England Bild: Reuters

Der scheidende britische Notenbankchef Mark Carney hat gute Chancen, Nachfolger von Christine Lagarde an der Spitze des Weltwährungsfonds IWF zu werden. Deutschland und Frankreich machen sich für ihn stark.

          Der scheidende britische Notenbankchef Mark Carney hat gute Chancen, Nachfolger von Christine Lagarde an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu werden. Nach Informationen dieser Zeitung stehen Deutschland und Frankreich hinter Carneys bisher noch nicht offizieller Bewerbung.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Berlin und Paris haben sich offenbar schon vor Längerem verständigt, den Kanadier mit britischem und irischem Pass nach dem Ausscheiden von Lagarde unterstützen. Die Französin soll neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) werden. Für das Amt an der IWF-Spitze war sie bis 2021 gewählt, sie lässt es nun aber ruhen.

          Bisher haben sich die EU-Staaten auf keinen Nachfolgekandidaten festgelegt, da der IWF die Lagarde-Nachfolge noch nicht ausgeschrieben hat. Die Finanzminister der 28 EU-Staaten gaben am Dienstag in Brüssel aber zu erkennen, dass sie möglichst schnell einen Bewerber finden wollen. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire hatte am Vorabend auf eine rasche Entscheidung gedrungen und gefordert, dass sich die EU hinter einem Kandidaten versammeln müsse. Zudem hatte er angekündigt, dass Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron bald bekanntgegeben werde, welchen Kandidaten Frankreich unterstützen wolle. Le Maires Sprecherin bestritt am Dienstag allerdings einen „Deal“ zwischen Berlin und Paris. Niemand könne sich darauf berufen, Frankreichs Unterstützung zu haben. Auch aus dem Bundesfinanzministerium hieß es, es gebe noch keine Positionierung.

          Der amtierende Vorsitzende des Finanzministerrats, der Finne Mika Litilä, sagte, die EU werde einen einzigen europäischen Kandidaten unterstützen. Ein britischer Kandidat ist auch nach dem Brexit nicht ausgeschlossen. Die Qualifikation des bisherigen Chefs der Bank von England steht außer Zweifel. Der 54 Jahre alte Carney wird den Posten in London im Januar räumen. Derzeit er außerdem Vorsitzender des internationalen Finanzstabilitätsrates mit Sitz in Basel. Nach einer informellen Übereinkunft der Europäer mit den Vereinigten Staaten wird die Weltbank bisher stets von einem Amerikaner geführt, der IWF von einem Europäer.

          Einige Schwellenländer wollen diese „Tradition“ überwinden. Sie dürften damit aber keinen Erfolg haben, solange Amerika und die EU die Übereinkunft aufrechterhalten und die Europäer mit einem einzigen Kandidaten ins Rennen gehen. Der luxemburgische Finanzminister Pierre Gramegna nannte am Dienstag den früheren Chef der Eurogruppe, den Niederländer Jeroen Dijsselbloem, für besonders geeignet. Der neue IWF-Chef müsse „große Erfahrung im Krisenmanagement haben“, sagte Gramegna.

          Lagardes Berufung an die EZB-Spitze wurde unterdessen offiziell auf den Weg gebracht. Die formal zuständigen EU-Finanzminister haben sie am Dienstag für das Amt offiziell vorgeschlagen und damit den Nominierungsprozess eröffnet. Die Französin ist Teil eines Personalpakets für die künftigen EU-Führungspositionen, auf das sich die EU-Staats- und Regierungschefs in der vergangenen Woche geeinigt hatten. Der bisherige EZB-Präsident Mario Draghi scheidet Ende Oktober aus dem Amt.

          Nach den EU-Verträgen muss der EZB-Präsident eine „in Währungs- oder Bankfragen anerkannte und erfahrene Persönlichkeit“ sein. Das Europäische Parlament und der EZB-Rat haben nun Gelegenheit, Lagarde anzuhören. Die Termine dafür stehen noch nicht genau fest. Der Wirtschafts- und Währungsausschuss des Parlaments wird den Termin in seiner ersten Sitzung an diesem Mittwoch festlegen.

          Voraussichtlich findet die Anhörung am 22. oder 23. Juli statt. Für den EZB-Rat ist ein Termin in den kommenden Wochen vorgesehen. Für die endgültige Wahl und Ernennung der neuen EZB-Präsidentin ist der Europäische Rat zuständig, der aus den Staats- und Regierungschefs besteht. Sie sollen Lagarde auf dem nächsten regulären EU-Gipfel im Oktober ernennen.

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