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Großbritannien : Labour will Boni für Banker verbieten

Spätestens seit der Finanzkrise tobt der Streit um Bonus-Zahlungen, vor allem in der Finanzbranche. Bild: dpa

Die britische Labour-Partei beklagt „ein groteskes Niveau von Ungleichheit“. Ihr finanzpolitischer Sprecher findet, normale Bürger würden durch die hohen Boni „beleidigt“.

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          Ein Wahlsieg der Labour-Partei könnte die Topverdiener in britischen Banken Milliarden Euro kosten. Der finanzpolitische Sprecher und somit der Schatten-Schatzkanzler der Partei, John McDonnell, bekräftigte nun, dass Labour strikte Beschränkungen für Boni und möglicherweise sogar ein Verbot plane. McDonnell kritisierte, die Banken schüfen ein „groteskes Niveau der Ungleichheit“. Die Londoner City müsse freiwillig die Boni beenden, andernfalls werde Labour politische Maßnahmen treffen. „Wenn das weitergeht und die City ihre Lektion nicht gelernt hat, dann werden wir aktiv werden. Ich warne sie“, sagte McDonnell in der Zeitung „Financial Times“. Die normalen Bürger würden durch die hohen Boni „beleidigt“.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Aus der Bankenwelt heißt es zur Verteidigung, wenn am Finanzplatz London nicht so hohe Boni bezahlt werden könnten, würden Top-Banker zu anderen Finanzplätze wie New York, Singapur, Paris oder Frankfurt abwandern. Stephen Jones, Chef der Lobbyorganisation UK Finance, sagte, die Boni-Politik der Banken habe sich schon geändert, Boni setzten nicht mehr so kurzfristige, sondern eher langfristige Anreize. Top-Boni werden seit der Finanzkrise eher über mehrere Jahre gestreckt in einen Topf gelegt und nur ausgezahlt, wenn vereinbarte Ziele längerfristig erreicht werden. Eine scharfe gesetzliche Beschränkung würde die britische Finanzindustrie beschädigen. „Es wäre enttäuschend und schädlich, wenn die gegenwärtige Politik so geändert würde, dass es die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Branche schädigen würde und den Rang des Vereinigten Königreichs als weltführender Standort für Finanzdienstleistungen“, sagte er.

          Die Bankenaufseher der Bank of England haben eine differenzierte Sicht auf die Boni. Einerseits können sie Leistungsanreize setzen, aber sie könnten auch zu Fehlverhalten anregen, zu kurzsichtigem und riskantem Verhalten. Nach Angaben der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA vom Frühjahr gibt es in der britischen Finanzbranche die meisten Einkommensmillionäre. Mehr als 3500 Beschäftigte haben demnach 2017 Gehalt und Boni von mehr als einer Million Euro erhalten. Im Durchschnitt bekamen sie rund 2 Millionen Euro ausgezahlt, ihr Gesamteinkommen erreichte 10 Milliarden Euro.

          Scharfe Linkswende unter Corbyn

          In der gesamten Finanz- und Versicherungsbranche stiegen die Boni im Geschäftsjahr 2017 laut Statistikamt ONS auf rund 15 Milliarden Pfund. Das war ein Drittel aller im Königreich gezahlten Boni über alle Branchen hinweg – ein Anstieg um 6,5 Prozent. In der Gesamtwirtschaft machen die Zusatzzahlungen gut 6 Prozent der Einkommen aus, in der Finanzbranche durchschnittlich ein Viertel. Für nicht wenige Spitzenbanker bringen Boni eine Verdoppelung oder Vervielfachung ihrer Gehälter.

          Allein Barclays gab Bankern im vergangenen Jahr 1,65 Milliarden Pfund Boni, ein Anstieg um 9 Prozent. Sechzehn Barclays-Banker erhielten mehr als 5 Millionen Pfund Einkommen. Der seit vier Jahren amtierende Chef Jes Staley lockerte die zuvor geltende verzögerte Auszahlung. Nur Boni über einer Million Pfund werden komplett zurückgehalten, bis Ziele längerfristig erreicht sind. Staley erhielt 2018 knapp mehr als eine Million Pfund Bonus. Im August kündigte Barclays an, das Boni-Volumen für die Belegschaft zu kürzen. Dies ist Teil eines Sparprogramms, um profitabler zu werden. Im ersten Halbjahr hat Barclays 456 Millionen Pfund für Boni bereitgestellt, 23 Prozent weniger als im Vorjahrszeitraum.

          Die Ankündigungen von Labour sorgen in der City für gewisse Unruhe. Unter Parteichef Jeremy Corbyn hat Labour eine scharfe Linkswende gemacht. Corbyn hat zwar schlechte persönliche Umfragewerte, Labour liegt deutlich hinter der Konservativen Partei. Angesichts des Zerfalls der Konservativen in den Brexit-Wirren ist eine Machtübernahme durch Labour aber nicht ausgeschlossen. Neuwahlen finden vermutlich im November statt, ein Termin steht noch nicht fest.

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