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Kursstürze an den Börsen : Spanien und Italien verbieten Leerverkäufe

  • Aktualisiert am

Erschrockene Börsianer in Madrid. Bild: dpa (Archiv)

Nach heftigen Kursrückgängen haben Spanien und Italien Leerverkäufe verboten. Das drückt die Kurse noch tiefer: Der Deutsche Aktienindex sackt zeitweise um mehr als drei Prozent ab.

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          So tief sind die Kurse an der spanischen und italienischen Börse am Montag gesunken, dass die Behörden die Spekulation auf fallende Kurse verboten haben. In Spanien wurden so genannte Leerverkäufe auf alle Aktien für drei Monate verboten. Auch die italienische Börsenaufsicht hat am Montag Leerverkäufe von Finanz-Aktien verboten.

          Zuvor war der Leitindex FTSE-MIB an der Mailänder Börse am Morgen vorübergehend um mehr als fünf Prozent abgestürzt. Bis zum Mittag erholte sich der Index wieder leicht auf ein Minus von 2,8 Prozent. Der Handel mit Aktien einiger Banken und Finanzgruppen wurde nach starken Verlusten vorübergehend ausgesetzt. Grund für die Verluste war die Furcht vor einer weiteren Verschärfung der Schuldenkrise in Europa. Investoren befürchten, dass auch Spanien unter den internationalen Rettungsschirm schlüpfen muss. Für eine Hilfe für Italien wäre dann nicht mehr ausreichend Geld vorhanden. Die spanische und italienische Börsenaufsicht setzte aber am späten Montagmittag noch einen drauf: Sie erteilten ein  Leerverkaufsverbot für heimische Finanzwerte und erhöhten somit den Druck auf den DAX und die deutschen Banken-Titel.

          In der Vergangenheit hatten Anleger während solcher Phasen verstärkt auf fallende Kurse deutscher Finanzwerte gewettet, um derartige Verbote in anderen europäischen Staaten zu umgehen. Im Zuge dieser neuesten Nachrichten fiel der deutsche Leitindex fiel um bis zu 3,5 Prozent auf 6395,45 Punkte. Damit verlor er binnen zweier Handelstage gut 5,4 Prozent, was zugleich der stärkste Kursrutsch seit Anfang November 2011 ist.

          Zu den großen Tagesverlierern gehört auch die europäische Gemeinschaftswährung. Der Euro rutschte unter 1,21 US-Dollar, auf ein neues Tief seit Juni 2010. Mit den düsteren Aussichten der Euro-Krise auf die Ölnachfrage geriet auch der Ölpreis erheblich unter Druck, das Entgelt für ein Fass US-Leichtöl der Sorte WTI fällt Richtung 88 Dollar. Vermeintliche Sicherheit an den Finanzmärkten ist dagegen Trumpf, davon profitieren die Notierungen der US-Staatsanleihen. Diese zogen im frühen US-Handel deutlich an, die Renditen für die langen Laufzeiten von zehn und 30 Jahren fielen auf Rekordtief. Eine zehnjährige US-Staatsanleihe rentierte nur noch mit 1,41 Prozent.

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