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Kursgewinner des Jahres : Warum Deutsche Bank und Commerzbank einen Lauf haben

Sewing wertete es als Erfolg, dass die Erträge im Investmentbanking im vierten Quartal sogar erstmals seit drei Jahren gewachsen sind – allerdings bereinigt um Sondereffekte und gegenüber dem äußerst schwachen Vorjahresquartal. Mit 22 Prozent Ertragsplus, davon mit 30 Prozent überdurchschnittlich viel in der Sparte Festverzinsliche und Wertpapiere, blieb die Deutsche Bank hinter Rivalen wie Crédit Agricole zurück, die dort ihre Erträge um 60 Prozent steigern konnte.

Zeig-mir-Aktie Deutsche Bank

Analysten wie Michael Seufert (NordLB) lassen denn auch Zweifel anklingen, ob es der Deutschen Bank gelingt, bis 2023 wie geplant gleichzeitig die Kosten zu drücken und die Erträge zu steigern. Während Sewing die Kosten anscheinend im Griff hat, nennt Abouhossein die Deutsche Bank eine „Zeig-mir-Aktie“: Es brauche mehr Beweise für eine Ertragswende. Schließlich seien weite Teile der Kernbank – Investmentbanking, Vermögensverwaltung für Privatkunden und Unternehmenssparte – von Marktbedingungen abhängig. Auch die LBBW hält die Deutsche Bank für besonders anfällig für geopolitische Risiken wie den Welthandel, den Brexit und Italien, steckt aber wegen der niedrigen Substanzbewertung mit 8,30 Euro eines der höchsten Kursziele.

Noch niedriger an der Börse bewertet gemessen am Eigenkapital ist die Commerzbank. Während die Deutsche Bank auf einen Kurs-Buch-Wert von etwa 0,3 Prozent kommt, liegt dieser Substanzwert der Commerzbank nur bei 0,25 Prozent. Das liegt wohl daran, dass sich die Commerzbank für 2023 nur ein Eigenkapitalrenditeziel von 4 Prozent gesteckt hat, die Deutsche Bank von 8 Prozent. Diesen vielfach kritisierten geringen Ehrgeiz hat sich Commerzbank-Chef Martin Zielke offensichtlich zu Herzen genommen. Er sagte Mitte Februar, die Commerzbank komme mit der Umsetzung ihre Strategie besser voran als im September gedacht; setze sich dies fort, seien auch höhere Renditeziele denkbar. Damit begründet auch Nord-LB-Analyst Michael Seufert, warum er sein Kursziel von 5,75 auf 6,50 Euro anhob.

Ähnlich wie bei der Deutschen Bank loben Analysten auch die trotz Kosten für Abfindungen ausscheidender Mitarbeiter verbesserte Kapitalausstattung der Commerzbank. Der im September angekündigte Verkauf der M-Bank sei zum Risikoabbau nicht mehr nötig und werde nur erfolgen, wenn der Verkaufspreis stimme, sagt der Vorstand. Jochen Schmitt vom Bankhaus Metzler sieht nun eine steigende Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Commerzbank die M-Bank doch behält. Schmitt kann sich vorstellen, dass die Commerzbank dann für das Geschäftsjahr 2020 die Dividende ganz streichen muss, um die Kosten für ihren Umbau zu stemmen. Er steckt gleichwohl mit 8 Euro eines der höchsten Kursziele für die Commerzbank, weil die Ertragsperle M-Bank nach seiner Rechnung rund einen Euro zum Kurs der Commerzbank beiträgt.

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