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Aktien : Chinas neues Börsensegment „Star“ startet mit Kursfeuerwerk

  • Aktualisiert am

Leuchtreklame für Chinas neues Börsensegment Star Market Bild: Reuters

Die Aktien der Jungunternehmen waren vor dem Handelsstart tausendfach überzeichnet, die Kurse explodierten teilweise. Die Risiken sind wohl ebenso gewaltig wie die Bewertungen.

          Chinas neues Börsensegment für junge Technologieunternehmen hat am Montag einen starken Start hingelegt. In dem Segment namens „Star Market“ sind die Aktien von 25 Unternehmen gelistet, deren Kurse beim Handelsdebüt durch die Bank stiegen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

          Stärkster Gewinner war demnach das Unternehmen Anji Micoelectronis, dessen Aktienkurs mit einem Plus von 410 Prozent nahezu explodierte. Empfehlungen durch Behörden hatten für einen so starken Enthusiasmus bei Anlegern und Investoren gesorgt, dass die im Star-Segment gelisteten Unternehmen insgesamt 5,4 Milliarden Dollar Kapital einsammeln konnten und damit 20 Prozent mehr Anlegergeld erhielten als geplant.

          Dabei überstieg die Nachfrage von Privatanlegern das Angebot laut Bloomberg um das 1800-fache. Daran konnten auch Bedenken von Analysten nichts ändern, die vor übertriebenen Bewertungen warnten. Gut möglich, dass bei vielen der Unternehmen von dem Kursfeuerwerk nur verkohlte Reste übrig bleiben.

          Vorbild für das chinesische Börsensegment Star ist die amerikanische Technologiebörse Nasdaq. Ein Motiv hinter dem Aufbau dieses Segments dürfte darin liegen, dass große chinesische Technologieunternehmen die Börsen ihres Heimatlandes verschmähen und sich im Ausland oder in der Sonderverwaltungszone Hongkong mit ihrem bereits seit Jahrzehnten etablierten Finanzmarkt listen lassen. So werden die Aktien des Internetkonzerns Alibaba in New York gehandelt und die Anteilsscheine des Multimediaunternehmens Tencent in Hongkong.

          An Chinas Börsen sind viele hochspekulative Privatanleger unterwegs, die oft aufgrund zweifelhafter Empfehlungen investieren, ohne die Unternehmen und deren Risiken zu kennen. Die chinesische Finanzaufsicht muss mit Star erst noch beweisen, ob sie fairen Handel und Verbraucherschutz gewährleisten kann. Die im Star-Segment gelisteten Jungunternehmen haben ihre Geschäftsmodelle noch nicht unter Beweis gestellt und noch keine Gewinne erzielt.

          Bei deutschen Anlegern haben chinesische Aktien einen zweifelhaften Ruf. Der erste Versuch der Deutschen Börse, ein China-Segment in Frankfurt zu etablieren, schlug fehl, weil vor allem kleine, schlecht geführt und beaufsichtigte Unternehmen an den Markt drängten. Für Anleger endete das Abenteuer mit einem dicken Minus.

          Ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Börse und der Shanghaier Börse namens Ceinex will alles anders machen und versucht, namhafte und solide China-Unternehmen für ein Listing in Frankfurt zu begeistern. Im vergangenen Jahr hat Qingdao Haier, ein chinesischer Hersteller von Kühlschränken, Aktien für den deutschen Markt nach Frankfurt gebracht, die dort in Euro gehandelt werden und der deutschen Börsenaufsicht unterliegen. Welche Unternehmen dem Beispiel folgen werden, ist offen.

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