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Prognosesenkungen : Kurse von Voltabox und Paragon stürzen ab

Die Produkte von Voltabox finden sich in Spezialfahrzeugen. Bild: Voltabox

Der Batterien-Spezialist Voltabox und die Muttergesellschaft Paragon kommen nicht zur Ruhe. Fehlerhaften Bilanzen im Mai folgen am Mittwoch deutliche Prognosesenkungen und heftige Kurseinbrüche.

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          Die Aktionäre des Elektromobilitätsspezialisten Voltabox und seiner Muttergesellschaft, dem Autozulieferer Paragon, haben wahrlich kein gutes Jahr. Im Mai rügte die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) Fehler in den Jahresabschlüssen, die etwa für das Jahr 2017 nach Korrektur einen um ein Vielfaches höheren Verlust zur Folge hatten. Seinerzeit stürzte der Kurs um 24 Prozent ab, stabilisierte sich aber dann und erholte sich wieder etwas.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Dienstag nun stürzt der Kurs abermals ab, diesmal um 45 Prozent. Grund ist eine drastische Senkung der  Umsatz- und Ertragsprognosen für das laufende Geschäftsjahr. Für  2019 rechnet Voltabox nunmehr nur noch mit einem Umsatz von 70 bis 80 Millionen Euro statt der ursprünglich avisierten 105 bis 115 Millionen. Euro. Noch drastischer fällt die Änderung der Gewinnprognose aus: Statt eine Betriebsgewinns von 8 bis 9 Prozent des Umsatzes soll nun ein Verlust in gleicher Höhe anfallen.

          Wesentlicher Grund sei zum einen sind die teilweise Verschiebung eines Großauftrags in Amerika, zum anderen eine technische Modernisierung bei einem wichtigen Zell-Lieferanten. Dies werde in Teilbereichen zu einer vorübergehenden Produktionsunterbrechung führen.

          Der 22 Millionen Dollar große Erstauftrag für die Voltabox of Texas aus der Telekommunikationsbranche betreffe die Neukonzeption und Ausstattung von 5G-Mobilfunksendemasten, die statt der herkömmlichen  Blei-Säure-Batterien Lithium-Ionen-Batterien erhalten sollen. Der Kunde habe „unvorhergesehen“ kurz vor Beginn der Serienproduktion die Produktspezifikation geändert.

          VOLTABOX AG INH. O.N.

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          Was den Anlegern noch weniger gefallen dürfte, ist dass Voltabox vermeldete, eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet zu haben, um „die Kostenstrukturen zu verbessern“ und 2020 nachhaltige in die Gewinnzone zurückzukehren. Mit anderen Worten, es ist ein Sparprogramm. Personalkosten sollen gesenkt werden, indem in Deutschland auf Leiharbeit und Überstunden verzichtet und Urlaubsrückstände abgebaut würden. In den Vereinigte Staaten seien „die notwendigen Maßnahmen …ebenfalls in Realisierung“. Voltabox of Texas bekommt zudem einen neuen Finanzchef. Zudem werde sich Voltabox in Zukunft verstärkt auf Projekte und Systemlösungen konzentrieren, die ein besseres Verhältnis von Entwicklungsaufwand zu potentiellem Umsatz versprächen.

          All diese Maßnahmen werden im aktuellen Marktumfeld tendenziell noch negativer interpretiert, als sie es für sich genommen schon sind.

          PARAGON KGAA INH O.N.

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          Nicht besser klingt es bei der Muttergesellschaft Paragon, die 60 Prozent an Voltabox hält. 2019 werde der Umsatz 200 bis 210 Millionen Euro betragen statt wie geplant 230 bis 240 Millionen Euro. Aus einem  Betriebsgewinn von 8 Prozent des Umsatzes wird wohl ein Betriebsverlust von -1 bis -2 Prozent.

          Der Umsatz im Automotive-Geschäft werde mit  130 Millionen Euro eher am oberen Ende der bisher geplanten Spanne liegen. Die Umsätze in der Sensorik und Akustik lägen aber trotz eines guten Jahresauftakts unter den ohnehin schon konservativen Planzahlen. Zudem werde ein veränderter Produktmix zu einer schwächeren Profitabilität führen. Das gehe vor allem auf die Ende 2017 erworbene HS Genion zurück. Der Anlauf neuer Produkte habe zu erheblichen Mehrkosten geführt. Auch dort werden nun Kosten gesenkt.

          Der Kurs der Paragon-Aktie fällt um 35 Prozent und damit auf ein Fünf-Jahres-Tief, das um fast 90 Prozent unter dem Kurshoch von 2017 liegt. Voltabox notieren mit 6,72 Euro auf einem Allzeittief, weit unter dem Hoch von mehr als 32 Euro zum Börsenstart 2017.

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