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Kundenberaterin festgesetzt : Schweizer Großbank UBS verhängt Reisestopp nach China

Die Schweizer Bank UBS verweigert bislang einen Vergleich mit den Amerikanern. Bild: Reuters

Die Festsetzung einer Kundenberaterin in Peking wirft Fragen auf. Die aus Singapur stammende Frau darf ohne Angabe von Gründen Peking nicht verlassen.

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          Es war ein Moment, den jeder Ausländer in China fürchtet. Sie möge doch bitte die Nummer dieser Regierungsbehörde anrufen, wurde der Beraterin der Schweizer Bank UBS Ende vergangene Woche mitgeteilt, als sie am Flughafen in Peking für ihren Rückflug nach Singapur einchecken wollte. Die Behörde teilte der Bankerin singapurischer Nationalität mit, sie möge doch noch ein paar Tage in der chinesischen Hauptstadt bleiben. Auf die Frage, um was es denn ginge, antworteten die Beamten nicht. Anfang dieser Woche weilt die Frau immer noch in Peking. Sie kann sich frei bewegen, doch ausreisen darf sie offensichtlich nicht.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Dass eine ihrer Mitarbeiterinnen gegen ihren Willen in China festsitzt, hat die UBS inzwischen bestätigt, nachdem am Wochenende Details über den Fall bekanntgeworden sind. Äußern möchte die Bank sich offiziell dazu aber nicht. Dass die Geschehnisse in China und im Ausland aber hohe Wellen schlagen, hat mit dem Tätigkeitsfeld der Bankerin zu tun: Sie berät reiche Chinesen bei der Geldanlage im Ausland. Im verschlossenen China, das seinen Bürgern verbietet, über die jährliche Höchstgrenze von 50.000 Dollar pro Kopf hinaus Kapital ins Ausland zu schaffen, ist das ein Politikum.

          Warnung gegen Kapitalflucht?

          Weil die UBS nicht sagt, worum es im Fall ihrer festgehaltenen Mitarbeiterin genau geht, drängt sich ein Verdacht auf: dass Peking in einem Jahr, in dem die Wachstumsraten im Land sinken und die Währung Yuan seit April fast 10 Prozent an Wert verloren hat, mit der Aktion eine Warnung an ausländische Banken gesendet hat. Diese sollten kein Geld chinesischer Bürger jenseits der Landesgrenzen Chinas anlegen, das die erlaubte Menge überschreitet. Schließlich hat Peking ein veritables Problem mit Kapitalflucht.

          Die Annahme täuscht, dass China dank seiner gigantischen Währungsreserven auf immer und ewig liquide ist. Berechnungen zeigen, dass die Kapitalbilanz der Volksrepublik in ein heftiges Ungleichgewicht geriete, legte jeder Chinese, der über ein Mindestvermögen von fünf Millionen Dollar verfügt, nur 5 Prozent im Ausland an. Genau das aber wollen reiche Chinesen: ihr Portfolio diversifizieren, damit ihre Anlagen nicht allein dem Risiko der Schwankungen von Wachstum und Währung in China unterworfen sind.

          Der massenhafte Kauf hochwertiger Immobilien durch Chinesen in Amerika, Kanada, Australien und vermehrt auch in Deutschland hat dies unter Beweis gestellt. Die Vermögensberater ausländischer Banken, die aus Singapur, Hongkong, Zürich oder Frankfurt nach China einfliegen, beraten ihre Klienten in der Regel nicht, wie sie illegal ihr Geld über die Grenze schaffen. Dafür gibt es genug chinesische Berater im Land selbst. Eines der beliebteren Schlupflöcher für die Kapitalflucht ist der Umweg über Hongkong. Dort bestellt dann eine Firma beim Unternehmen des Festlandchinesen Waren, für die dieser eine Summe zahlt, die den Warenwert um ein Vielfaches übersteigt. Die Differenz könnte am Ende dann bei Banken wie der UBS landen, abzüglich einer Transaktionsgebühr für die Fluchthilfe.

          Selbst wenn Peking im Fall der UBS-Beraterin nicht in erster Linie auf die Bank selbst abzielte, sondern auf einen ihrer Klienten, der ins Fadenkreuz von Chinas Korruptionsjägern geraten sein könnte, geht es der Regierung am Ende sehr wahrscheinlich um dasselbe: Kapitalflucht zu verhindern. Etliche Milliardäre wurden im Land selbst, aber auch in der Sonderverwaltungszone Hongkong mit eigenem Rechtssystem in diesem und dem vorangegangenen Jahr von den Behörden festgesetzt und oftmals auch verhaftet. Alle hatten sie große Summen im Ausland investiert.

          Wie aus diplomatischen Kreisen in Peking zu hören ist, soll seit einigen Monaten eine regelrechte Verhaftungswelle durch die chinesische Oberschicht rollen. Die UBS reagierte auf die Festsetzung ihrer Kundenberaterin: Die Großbank hielt ihre in der Vermögensverwaltung tätigen Mitarbeiter dazu an, bis auf weiteres auf Reisen nach China zu verzichten. Andere Banken wie OCBC aus Singapur oder Julius Bär raten ihrer Belegschaft zur Vorsicht. Ansonsten hofft die UBS, möglichst schadlos aus der Affäre herauszukommen.

          Bremsspuren im wichtigen chinesischen Markt kann die UBS nicht gebrauchen. Viel eher hatte man gute Nachrichten erwartet: Die Bank hofft darauf, in Kürze ihren Minderheitsanteil an dem Gemeinschaftsunternehmen UBS Securities auf eine Mehrheitsbeteiligung aufstocken zu dürfen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um einen Vermögensverwalter, sondern um einen Wertpapierhändler. Nach einer Erhebung des Magazins „Asian Private Banker“ verwaltete die UBS in Asien Ende 2017 Vermögen von 383 Milliarden Dollar. Damit lag sie auf Platz 1 vor der Citi und der Credit Suisse.

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