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Bethmann Bank : Kunden haben wegen Negativzins Geld abgezogen

Markenzeichen der Bethmann Bank in Frankfurt Bild: dpa

Die Frankfurter Privatbank will unter anderem durch Zukäufe wachsen, wie Chef Hans Hanegraaf im Gespräch mit der F.A.Z. sagt. Zuletzt litt das Unternehmen unter hohen Mittelabflüssen, weil es eine Verwahrgebühr für Kundengeld verlangte.

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          In dem Anfang August veröffentlichten Geschäftsbericht der Bethmann Bank ist für das Jahr 2020 ein Verlust von null bis zu 5 Millionen Euro angekündigt worden. Doch schon einen Monat später gibt sich Bethmann-Chef Hans Hanegraaf deutlich optimistischer: „So wie sich die Aktienkurse derzeit an der Börse entwickeln, erwarte ich für Bethmann ein positives Ergebnis im Jahr 2020“, sagte Hanegraaf. Im Gespräch mit der F.A.Z. setzt der seit Juli 2017 amtierende Vorstandschef strategisch andere Akzente als sein langjähriger Vorgänger Horst Schmidt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bethmann ist gemessen an dem insgesamt verwalteten Kundenvermögen von 34,6 Milliarden Euro zur Jahresmitte 2020 hinter Deutscher Bank und Commerzbank hierzulande führend im Geschäft mit vermögenden Privatkunden („Private Banking“). Wie sein Vorgänger will auch Hanegraaf durch Zukäufe weiter wachsen, die IT-Systeme besser auslasten und Gebühren auf ein höheres verwaltetes Kundenvermögen einnehmen. Bethmann litt zuletzt unter Mittelabflüssen von rund 700 Millionen Euro, weil die Bank ihren Kunden negative Zinsen in Rechnung stellte und einige daraufhin das Weite suchten. Auch deshalb liegt das insgesamt verwaltete Kundenvermögen zur Jahresmitte 2020 unter dem Endwert des Jahres 2019 von 38,4 Milliarden Euro.

          Hanegraaf lässt im Gespräch wenig Zweifel daran, dass auch Bethmann am Bankhaus Lampe interessiert war, das vor kurzem von Hauck & Aufhäuser gekauft wurde. Anders als sein Vorgänger hat Hanegraaf offensichtlich aber weniger Interesse daran, durch Zukäufe das gesamte Kundenvermögen zu steigern. Es geht ihm speziell um diejenigen, die unter lukrativer Vermögensverwaltung stehen, für die Bethmann also relativ hohe Gebühren verlangt. Dies sind derzeit 9,1 Milliarden Euro. „Wir wollen natürlich die Assets weiter steigern und vor allem die richtigen“, gibt Hanegraaf eine Linie vor, die Wettbewerber wie UBS, Oddo-BHF oder Julius Bär schon länger verfolgen. Schließlich werfen Vermögen, die etwa für andere Fondsgesellschaften verwaltet werden, nur geringe Margen ab.

          Hanegraaf geht auch das Thema „Liquiditätsüberschuss“ an. Dafür bekam Bethmann in der Vergangenheit hohe Zinsen von der holländischen Muttergesellschaft ABN Amro. Doch in Zeiten negativer Zinsen, die Geschäftsbanken für ihre Einlagen bei der Europäischen Zentralbank bezahlen müssen, wird die Liquidität zur Belastung. Bethmanns Zinsergebnis wird sich wegen sinkender Zinszahlungen von ABN im Jahr 2020 nach der Planung in etwa halbieren. Hier will Hanegraaf gegensteuern: „Wir wollen unsere Liquidität einsetzen, um das Kreditgeschäft auszubauen. Dafür würden wir auch ein Kreditportfolio kaufen.“ Derzeit werden rund drei Viertel des Kreditbestandes über rund 1,5 Milliarden Euro von Kunden für Wertpapierkäufe verwendet (Lombard). Künftig will Bethmann im Private-Banking stärker für Immobilienfinanzierungen zur Verfügung stehen.

          Verwahrgebühr für Geldbestände

          Schon eingeführt hat Bethmann eine Verwahrgebühr, die Privatkunden mit hohen Geldbeständen zahlen müssen. Der Zins beträgt minus 0,25 Prozent für alle Bethmann-Kunden, die Hälfte des negativen Satzes der EZB. „Wir teilen uns die Belastung mit unseren Kunden“, sagt Hanegraaf. Viele Kunden habe man dazu bewegt, ihre Liquidität in Wertpapiere zu investieren und in die Vermögensverwaltung zu wechseln, so dass dort die Kundenvermögen im ersten Halbjahr um 5 Prozent zugelegt haben. Die Kunden mit den größten Kassepositionen habe die Bank zuerst angesprochen. Das seien keine einfachen Gespräche, sagt Hanegraaf. Er nennt 700 Millionen Euro an abgeflossener Liquidität, aber nicht die Zahl der Kunden, die sich zu seinem Bedauern dazu entschlossen hat, Bethmann zu verlassen. „Viele Banken haben Verwahrgebühren angekündigt, aber viele setzen sie noch nicht um oder lösen sie auf andere Weise“, sagt Hanegraaf.

          Insofern haben Kunden anderswo noch bessere Karten. Der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, hat jedoch gerade angekündigt, das Institut erwarte sich von Verwahrgebühren künftig einen dreistelligen Millionenbetrag jährlich.

          Für Bethmann kommt mit den Verwahrgebühren neben den Gebühren auf die verwalteten Kundenvermögen eine weitere Erlösquelle hinzu. 2019 erzielte die Bank nach zuvor harten Sanierungsjahren mit starkem Personalabbau aus normaler Geschäftstätigkeit ein Ergebnis von 15 Millionen Euro – den höchsten Gewinn seit gut fünf Jahren. Allerdings blieb die Kosten-Ertrags-Quote mit gut 90 weit über dem langfristigen Ziel, nicht mehr als 70 Cent für einen Euro Ertrag auszugeben.

          Auch die Eigenkapitalrendite von 10 bis 13 Prozent, die ABN Amro Bethmann vorgegeben hat, wurde abermals verfehlt. „Diese Ziele werden wir auch 2020 aufgrund fortgesetzter digitaler Investitionen und des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes nicht schaffen. Aber wenn wir das Corona-Krisen-Jahr oberhalb der Gewinnschwelle abschließen, sind wir zufrieden“, sagt Hanegraaf.

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