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Mittelstandsanleihen : KTG Agrar zahlt die Zinsen nicht pünktlich

Kartoffelrodung auf den Äckern von KTG Agrar Bild: KTG Agrar

Reift die nächste große Pleite bei Mittelstandsanleihen heran? Der Agrarkonzern kann am Montag seine Zinsen nicht bezahlen. Man rechnet aber mit einer Nachzahlung innerhalb von zwei Wochen.

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          Und immer wieder die Mittelstandsanleihen. Dass deren Kurse mitunter wild ausschlagen, daran hat man sich gewöhnt. Es kommt jedoch auf die Qualität des Absturzes an. Am Freitag rauschten die Kurse der Anleihen des Agrar-Unternehmens KTG Agrar und seiner Tochtergesellschaft KTG Energie in der Spitze um mehr als 20 Prozentpunkte in die Tiefe, bevor sie sich zum Handelsende wieder etwas erholten und das Minus etwas eingrenzten.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Montag folgte dann die konkrete Nachricht: KTG Agrar wird die fällige Zinszahlung von mehr als 18 Millionen Euro auf die im Juni 2017 fällige Anleihe im Volumen von 250 Millionen Euro nicht fristgerecht am Montag leisten.

          Es sei „zu nicht vorhersehbaren Verzögerungen“ bei der Durchführung des Verkauf nicht betriebsnotwendiger Vermögenswerte gekommen. Diese Veräußerungserlöse hätten zur Zinszahlung genutzt werden sollen. Es werde mit einer Zinszahlung innerhalb den kommenden 14 Tagen „gerechnet“. Bis dato hat das Unternehmen aber keine Informationen darüber, wann die Erlöse zufließen werden. Die Anleihenkurse stürzten daraufhin abermals um gut 20 Prozentpunkte ab.

          Wir entschuldigen uns für die Zahlungsverzögerung und werden diese schnellstmöglich leisten", sagte Vorstandschef Siegfried Hofreiter. Auf die laufenden Gespräche zur Refinanzierung der Anleihe habe die Zahlungsverzögerung keinen Einfluss. KTG Agrar „beabsichtige weiterhin“, den Refinanzierungsprozess der Anleihe 2016 erfolgreich abzuschließen. Das Unternehmen befinde sich in fortgeschrittenen Verhandlungen mit institutionellen Investoren und will nun mit Hochdruck daran arbeiten, eine Lösung zu präsentieren.

          Die Bonität des Unternehmens ist schon seit langer Zeit umstritten. Die einfachste Argumentation lautete dabei, dass ein Agrar-Unternehmen einfach Zinsen von mehr als sieben Prozent nicht verdienen könne. Hofreiter hatte zum einen darauf verweisen, dass man auch in der Nahrungsmittel- und Biogasproduktion tätig sei. Zum anderen hatte er stets dagegen gesetzt, dass durch den Erwerb und die Arrondierung von Flächen stille Reserven entstünden, die zur Finanzierung eingesetzt werden könnten.

          Letztlich scheint an allem etwas dran zu sein. Zum einen hat sich der ausgewiesene Ertrag von KTG Agrar eher dürftig entwickelt. Während der Umsatz zwischen 2010 und 2015 sich auf rund 325 Millionen Euro mehr als versiebenfachte, verlief die Entwicklung des Reingewinns eher schwankend. 2012 lag die Nettomarge bei mehr als 7 Prozent. Ansonsten aber hat sie sich gegenüber 2010 deutlich verringert.

          Verantwortlich sind vor allem die hohen Zinskosten, die auch in der Entwicklung der Schuldenkennziffern zum Ausdruck kommen. So sind die Zinszahlungen durch das Betriebsergebnis gerade noch knapp gedeckt. Im Jahr 2010, bevor das Unternehmen mit den Anleiheemissionen begann, war das Verhältnis noch mehr als dreimal so hoch. Insgesamt haben sich die Schuldenkennziffern zuletzt etwas stabilisiert. Doch das Niveau ist bei einer Nettofinanzverschuldung von rund dem Achtfachen des operativen Gewinns und einer schwache Eigenkapitalquote von wenig mehr als 15 Prozent eher weniger komfortabel.

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