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Venezuela am Abgrund : Kryptonit gegen Superman

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Der Petro sei „eine Kryptowährung, die es mit Superman aufnehmen kann“, sagte Maduro in Anspielung auf die ikonische Comic-Figur Amerikas, die nur dann ihre Kräfte verliert, wenn sie dem fiktiven Mineral „Kryptonit“ ausgesetzt wird. Denn darum geht es wohl im wesentlichen bei der Schaffung des Petros. Die venezolanische Regierung versucht, mit diesem Instrument die Finanzsanktionen der Supermacht Vereinigte Staaten zu umgehen. Aufgrund der Verstöße gegen Menschenrechte und Demokratie verbietet die amerikanische Regierung seit August 2017 den Erwerb von venezolanischen Anleihen. Auch der Petro sei davon betroffen, stellten die amerikanischen Behörden klar. Der Petro sei „der Anfang vom Ende des Dollars“, frohlockte demgegenüber der Chef der venezolanischen Aufsichtsbehörde für Kryptowährungen, Carlos Vargas.

Venezuelas Petro-Strategen setzen darauf, mit dem Kryptoinstrument anonyme Finanztransaktionen zu ermöglichen, die von keiner amerikanischen Kontrolle erfasst würden. In venezolanischen Finanzkreisen werden einige Kandidaten genannt, die für solche Geschäfte in Frage kommen könnten. Allen voran die Angehörigen der „Boli-Bourgeoisie“, also die Mitglieder und Günstlinge der sozialistischen Regierung, die durch Geschäfte im Windschatten der bolivarischen Revolution reich geworden sind. Etwa jene, die Zugang zu Devisen für 10 Bolívar je Dollar hatten, als am Schwarzmarkt ein Vielfaches, am Ende gar das Zigtausendfache dieses Wertes zu zahlen war. Dutzende Mitglieder des Regimes und deren Günstlinge stehen auf der schwarzen Liste der amerikanischen Regierung und suchen nach Möglichkeiten, ihre Vermögen zu bewegen. Eine vom Regime selbst kreierte Kryptowährung könnte ihnen helfen. „Der Petro bekräftigt unsere wirtschaftliche Souveränität“, heißt das in der Lesart Maduros.

Als ausländischer Interessent wird Russland genannt. Nicht nur, weil die Russen selbst an einer staatlichen Kryptowährung basteln und deshalb das venezolanische Experiment aufmerksam verfolgen. Russland hat dem Regime in Caracas schon mehrfach finanziell unter die Arme gegriffen und zeigt großes Interesse, sich den Zugriff auf die größten Erdölvorkommen der Welt zu sichern. Anders als gewöhnliche Anleger hätten die Russen möglicherweise einen ausreichenden Hebel, Ansprüche auf das mit dem Petro als Sicherheit verbundene Ölfeld auch tatsächlich durchzusetzen.

Für den Ölexperten Francisco Monaldi ist die Deckung des Petros durch Ölreserven ohnehin „reine Fiktion“. Das Öl sei noch im Boden, es gebe nicht mal ein Projekt, geschweige denn Kapital, um es zu fördern. Zudem sei das Orinoco-Öl von schlechter Qualität, der Wert von der Regierung viel zu hoch angesetzt. Nach der geltenden Verfassung sei der Deal im Übrigen unzulässig, erklärt Monaldi. Der Petro sei „wahrscheinlich bloß eine neue Form, dunkle Geschäfte zu machen, von denen einige wenige profitieren, auf Kosten aller Venezolaner“.

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