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Kryptohandelsplätze und mehr : „Die traditionelle Finanzbranche wird aus ihrem Dornröschenschlaf gerüttelt“

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Unter Minern: Besonders jüngere Erwachsene interessieren sich für die, hinter Bitcoin und weiteren Kryptowährungen stehende, Blockchain-Technologie. Bild: Reuters

Bitcoin und Ethereum sind längst nicht alles – klassische Börsen und Kryptohandelsplätze entdecken einen ganz neuen Markt für sich. Vor allem bei jüngeren Anlegern stoßen sie dabei auf Interesse.

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          Für Kryptowährungen und ihre Handelsplätze standen die Zeichen selten so gut wie in diesen Tagen: Infolge von Corona-Beschränkungen und auf der Suche nach dem Nervenkitzel zu Hause investieren Privatanleger verstärkt in riskantere Assets und haben dabei auch sogenannte Coins für sich entdeckt – doch die Börsen für die vergleichsweise junge Anlageklasse wollen inzwischen mehr und ihr Geschäft auch auf andere Optionen wie Aktien ausbauen. Sie setzen dabei auf das gestiegene Interesse jüngerer Anleger, die sich derzeit getrieben von hohen Kursgewinnen bei einigen amerikanischen Tech-Werten zunehmend für Aktien interessieren.

          Wie bei den Digitalwährungen spekulieren Privatanleger auf besonders hohe Gewinne binnen kürzester Zeit. Vor allem junge Erwachsene scheinen sich für Kryptowährungen und die oft dahinter stehende Blockchain-Technologie zu interessieren. „Keiner meiner Studenten interessiert sich noch für Aktien, die reden alle nur über Kryptowährungen“, sagt Philipp Sandner, Leiter des Blockchain-Centers an der Frankfurt School of Finance. Das Institut beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Blockchain-Technologie auf Unternehmen und die Wirtschaft.

          Nicht nur Bitcoin

          Der Platzhirsch Bitcoin zum Beispiel hat eine bemerkenswerte Wertsteigerung hinter sich. Seit dem Corona-Tief Mitte März 2020 hat sich der Wert eines Bitcoins bis Anfang Mai in etwa verfünfzehnfacht. Und auch nach der Talfahrt der vergangenen Tage ist ein Bitcoin noch ein Vielfaches mehr wert.

          Bei dem anfangs als Scherz erdachten Dogecoin ist die Entwicklung noch rasanter verlaufen: War ein Dogecoin Mitte Januar noch etwa 0,72 Euro-Cent wert, also weniger als ein einziger Cent, schnellte der Kurs auf zuletzt mehr als 30 Cent hoch. Getrieben wurde der Kurs dabei vor allem durch Äußerungen des Tesla-Chefs Elon Musk und Spekulationen.

          An dem deutlich gestiegenen Handelsvolumen wollen auch Kryptobörsen und -handelsplätze mitverdienen – so wie etwa die BSDEX, hinter der die Baden-Württembergische Wertpapierbörse steckt. Für den Geschäftsführer des technischen Betreibers der Börse Stuttgart Digital Exchange (BSDEX), Max von Wallenberg, sind Kryptowährungen längst keine reine Spekulation mehr. „Kryptowährungen sind neben Aktien oder ETF auch eine Anlageklasse, die sich aktuell immer weiter etabliert.“

          „Kann mir mittelfristig auch den Handel mit Derivaten vorstellen“

          Derzeit bietet die BSDEX Endkunden und institutionellen Investoren den Handel von vier Coins an, bis zum Jahresende sollen es doppelt so viele sein. Zum Vergleich: Auf der zuletzt durch seinen spektakulären Börsengang in die Schlagzeilen geratene Kryptobörse Coinbase mit Sitz in San Francisco sind derzeit 56 verschiedene Coins handelbar.

          Vom Größenunterschied will sich der BSDEX-Chef nicht beirren lassen. „Beim Investieren ist Vertrauen wichtig und Anlegern ist die Börse Stuttgart als Marke schon seit langem wohlbekannt“, argumentiert von Wallenberg. Nach eigenen Angaben ist die BSDEX Deutschlands erster regulierter Handelsplatz für Kryptowährungen. Neben ihr hat nur der weitaus größerer Wettbewerber Kraken eine europäische Lizenz als „Multilaterales Handelssystem“. Von Wallenberg betont zudem, dass alle Auflagen der Geldwäscherichtlinien erfüllt würden.

          Neben den beiden großen Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum, die laut der Beobachtungsplattform CoinMarketCap knapp zwei Drittel der globalen Marktkapitalisierung von Kryptowährungen in Höhe von 1,9 Billionen Euro ausmachen, denkt die BSDEX bereits über weitere Produkte nach: „Ich kann mir mittelfristig auch den Handel mit Derivaten vorstellen“, sagt von Wallenberg.

          Viel gehandeltes Bitcoin-ETP

          Die Deutsche Börse will ihre institutionellen Kunden auf einem anderen Weg auf Kryptowährungen aufmerksam machen. Mit sogenannten Exchange Traded Products (ETP) will das Unternehmen den außerbörslichen Handel in ein reguliertes Umfeld bringen. „Für institutionelle Investoren sind Krypto-ETP einfacher, weil sie bereits den Zugang zur Deutschen Börse haben und der Handel durch ein Clearinghouse abgesichert ist“, sagt ein Sprecher. Diese machten im März knapp eine Milliarde Euro von insgesamt 23 Milliarden Euro Umsatz in dem ETF/ETP-Segment aus. Im ersten Quartal sei ein Bitcoin-ETP das meist gehandelte Produkt in dem Bereich gewesen, hieß es.

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