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Staatsanwaltschaft alarmiert : Millionenbetrug mit Krypto-Börse Thodex befürchtet

Betrug befürchtet: Konten der Thodex-Handelsplattform fürchten den Verlust ihrer Gelder. Bild: Picture-Alliance

Die türkische Krypto-Börse Thodex hat unerwartet geschlossen. Tausende Anleger kommen nicht mehr an ihr Geld. Der Börsen-Chef ist offenbar außer Landes geflohen.

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          In der Türkei ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen der plötzlichen Schließung einer beliebten Börse für Krypto-Währungen. Kunden beklagten den fehlenden Zugriff auf ihre Konten der Thodex-Handelsplattform und fürchten den Verlust ihrer Gelder. Die Rede ist von Millionenbeträgen.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Die Betreiber erklärten auf der Website, die Plattform sei für vier bis fünf Tage wegen eines Verkaufsprozesses geschlossen. Gerüchteweise befindet sich Börsenchef Faruk Fatih Özer außer Landes. Die Türkei hatte Ende vergangener Woche die Nutzung von Krypto-Währungen für Zahlungen im Land verboten und das mit „irreparablen“ Schäden und Transaktionsrisiken begründet.

          Nachrichtenagenturen zitierten mehrere Rechtsanwälte, die angaben, im Namen ihrer Mandanten Anzeige wegen schweren Betrugs gegen den Geschäftsführer der Börse eingereicht zu haben. Von tausenden Anzeigen im ganzen Land wird berichtet. Verlangt wurde unter anderem die Beschlagnahme aller Vermögenswerte der Plattform einschließlich Fahrzeuge, Bankkonten, Beteiligungen und Aktien.

          Der Grund für die Flucht

          Die Staatsanwaltschaft Istanbul bestätigte Ermittlungen. Auf der Plattform sollen 400.000 Händler angemeldet gewesen sein, von denen 391.000 aktiv seien. Laut der Agentur Reuters wurden am letzten Handelstag auf Thodex 538 Millionen Dollar umgesetzt.

          Die Plattform wies „negative“ Medienberichte auf ihrer Website als unwahr zurück. Man sei vielmehr mit renommierten Banken über Partnerschaften im Gespräch. Um den Prozess abzuschließen, müssten Transaktionen gestoppt und der Verkaufsprozess abgeschlossen werden. Die Agentur Bloomberg zitierte Börsenchef Özer mit dem Hinweis, an die 30.000 Anleger hätten in die Börse investiert.

          Die finanziellen Schwierigkeiten begründet er mit einem schon länger zurückliegenden Hacker-Angriff. Während Behörden und Kunden noch dabei sind, die Einzelheiten des Falls zu eruieren, fordern Beamte eine schnelle Regulierung des Krypto-Marktes. Die türkische Regierung müsse nun „so schnell wie möglich“ handeln, zitiert die Agentur Bloomberg Cemil Ertem, einen leitenden Wirtschaftsberater von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Man müsse „Schneeballsysteme“ verhindern.

          Der Anwalt der Börse, Bedirhan Oguz Basibuyuk, sagte, er wisse nicht, wo Özer sei, versicherte aber, dass dieser seine Schulden zurückzahlen wolle. Özer habe ihm auf die Frage, warum er ins Ausland gegangen sei, geantwortet, dass er „entweder verhaftet worden wäre oder Selbstmord begangen“ hätte, wenn er geblieben wäre, zitierte Bloomberg den Anwalt. „Das Kapital von Thodex ging zurück. Als zu viele Nutzer ihr Geld zurückforderten, war das Unternehmen nicht mehr in der Lage, die Forderungen zu erfüllen“, beschrieb der Thodex-Anwalt das „Liquiditätsproblem“.

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